Und dann war da noch… (9)

… die Sache mit dem Ferrari in der Fußgängerzone.

Samstagvormittag, Innenstadt. Ein signalroter Ferrari kommt in zivilisiertem Tempo unter markenüblicher Geräuschentwicklung die Straße entlang und biegt in eine Seitenstraße ein. Am Steuer ein blutjunger Kerl, wohl eher 18 als 25. Auf dem Beifahrersitz eine sehr hübsche junge Frau ähnlichen Alters. Es sind unheimlich viele Fußgänger unterwegs, und der Mensch braucht lange, bis er sich weit genug in die Seitenstraße vorgekämpft hat um zu sehen, dass das eine Fußgängerzone ist. Jetzt muss er rückwärts wieder raus auf die Straße. Auf der ist viel Verkehr, und ein paar Meter weiter steht eine Ampel.

So ein Ferrari mag ja eine Menge sein, aber fürs Rückwärtsfahren ist er nicht in erster Linie gebaut. Der Kerl quält sich lange, um den Hobel unversehrt wieder zurück auf die richtige Straße zu kriegen, macht sich dabei bei vielen anderen Autofahrern unbeliebt, weil er sie blockiert – nichts ist für Autofahrer schlimmer, als auf eine grüne Ampel zu blicken, nicht fahren zu können und die Ampel dann rot werden zu sehen.

Als der Ferrarijunge endlich auf der Straße ist, wird die Ampel gerade wieder grün. Er zeigt, was sein Auto kann und stiebt mit dem Geräusch eines völlig durchgerosteten Auspuffsdurchstartenden Jumbojets in Nullkommanix über die Kreuzung. Er geht allerdings ziemlich schnell wieder vom Gas und scheint – anders als ich erwartet hätte – hinter der Kreuzung keine Tiefflugorgie abzuziehen. Nach der Vorgeschichte in so einem Auto finde ich das ziemlich bemerkenswert!

 

Advertisements

10 Kommentare on “Und dann war da noch… (9)”

  1. firefox05c sagt:

    Führerschein auf Probe? 😉

    Gefällt mir

  2. gnaddrig sagt:

    Mag sein. Aber in einem nagelneuen Ferrari?

    Gefällt mir

  3. Herr Ösi sagt:

    Wundert mich nicht. Obwohl ich keinen Ferrarifahrer kenne, denke ich doch, dass die meisten von ihnen (so viele gibt es ja auch wieder nicht) eine gewisse Souveränität besitzen … im krassen Gegensatz zu Sokoda- Seat- und Audifahrern (von denen es leider zu viele gibt) und die sich als die Herrn der Straßen sehen …

    (Wie immer bloß subjektiv gesehen und ohne geladenem Gewehr)

    Gefällt mir

  4. gnaddrig sagt:

    Mag sein, dass Ferraris eher Angeberautos als Raserautos sind. Durch die angesagten Ecken der Stadt cruisen und gesehen werden und so. Außerdem muss man mit sowas nicht rasen, um Eindruck zu schinden. Ein alter Golf oder ein unauffälliger Massenaudi muss durch den Fahrstil auffallen.

    Aber mir erschien der Kerl im Ferrari zu jung, um schon viel Souveränität entwickelt zu haben, andererseits kann der Schein trügen. Bemerkenswert fand ich jedenfalls die Selbstdisziplin, weil solche Autos ja fast von selbst beschleunigen und da gegenzuhalten fällt vielen schwer (und ich spreche da aus eigener Erfahrung, obwohl ich nie in sowas Übermotorisiertem gesessen habe). Jedenfalls nett, über einen Autofahrer mal nicht meckern zu müssen 🙂

    Gefällt mir

  5. marana41 sagt:

    Sehe ich da richtig? Schneeflocken auf diesem Blog, oder gar „Mouches volantes“ in meinen trüben Augen?
    Ansonsten einfach eine „Männergeschichte“, ich hätte noch nicht einmal bemerkt, dass das ein Ferrari ist, der da ein wenig Orientierungsschwierigkeiten bekam.

    🙂

    Gefällt mir

  6. gnaddrig sagt:

    Ja, Schneeflocken, Gibt’s bei WordPress im Dezember. Einfach unter Einstellungen -> Allgemein ein Häkchen bei Bis zum 4. Januar fallenden Schnee auf meinem Blog anzeigen setzen.

    Und Männergeschichte? Naja. Ich kenne kein einziges Ferrarimodell, aber ich stand direkt an der Abzweigung der Nebenstraße, in die er abbieben wollte und hatte einen sehr guten Blick auf den Ferrari-Schriftzug und auf das Ferrari-Pferd auf dem Blech. Und dass das ein auf großen Auftritt ausgelegter Sportwagen war, hättest Du auch gesehen, und dafür ist die Marke gar nicht so wichtig 🙂

    Gefällt mir

  7. Achim sagt:

    OK, ein Feature. Und ich dachte schon, ich hätte zu lange mit der Glaukomfrüherkennung oder irgendwas ähnlich sympathischen gewartet.

    Gefällt mir

  8. gnaddrig sagt:

    Ja, ein Feature. So schön kitschig, dass ich nicht widerstehen kann…

    Gefällt mir

  9. christahartwig sagt:

    Junger Typ im röhrenden Ferrari, das ist ja irgendwie noch okay. Ein alter Knacker, der einen Kavalierstart hinlegt, um seine fast minderjährige Begleiterin zu beeindrucken, DAS ist erbärmlich. [Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass ich heute jeden beneide, der in ein so tief gelegtes Auto ein- und erst recht wieder daraus aussteigen kann, ohne einen jämmerlichen Anblick zu bieten.

    Gefällt mir

  10. gnaddrig sagt:

    Da stimme ich zu – die beiden passten gut zueinander, das hatte nichts Schmieriges, sondern war, ähm, niedlich. Und wenn ich mir die Türöffnungen von manchen dieser Schlitten anschaue, frage ich mich auch, wie man da heil rein- und rauskommt, noch dazu mit High Heels und Minirock. Alltagstauglichkeit ist bei diesen Gefährten sicher nur eine Nebensächlichkeit.

    Gefällt mir


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s