30 Jahre Garantie

Meine Kinder waren krank, neulich. Fieber, irgendso ein Infekt, den man sich eben mal aufsammelt. Diesmal zum Glück ohne Erbrechen. Das Fieberthermometer hatte vor einer Weile den Geist aufgegeben, ich habe also in der Apotheke zusammen mit dem Erdbeersirup gegen das Fieber ein neues gekauft.

Auf der Verpackung des Thermometers steht: 30 Jahre Garantie. Wahnsinn, denke ich, das ist ja wirklich nicht schlecht, das nehme ich dann wohl noch mit ins Altersheim. Man kann, steht da außerdem, die Batterie einfach wechseln. Allerdings soll man, empfiehlt der Hersteller, die Genauigkeit des Geräts alle zwei Jahre durch ein autorisiertes Labor überprüfen lassen.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich gar nicht so genau weiß, woran ich ein geeignetes Laboratorium erkenne (von wem muss das autorisiert sein?) oder wie ich es finde – was kostet denn so eine Überprüfung? 10 Euro, 20 Euro? Und dann kommen die womöglich mit dem Befund zurück, das Ding messe 6 bis 9% zu heiß oder zu kalt oder schwanke erratisch um 0,5° statt der vorgesehenen 0,1 ° um den korrekten Wert. Entweder rechne ich dann immer den Fehler aus dem Messergebnis heraus, oder ich lasse das Ding justieren. Das wird sicher nicht das autorisierte Labor machen, die diagnostizieren vermutlich nur. Also muss ein geeigneter Fachbetrieb her. Was verlangt der für die Reparatur, nochmal 10 Euro zuzüglich Versand? (Um die Garantie geltend zu machen, muss man das Thermometer übrigens auch stoßsicher verpackt an den Hersteller schicken.)

Bei viel Fieber braucht es nach ein, zwei Jahren sicher eine neue Batterie, vielleicht auch erst nach drei oder vier Jahren. Dazu die Prüfung und gegebenenfalls Justierung. Alles bei einem Gerät, das neu 2,95 Euro gekostet hat, einschließlich Batterie. Das passt mir nicht recht zusammen. Ich glaube, ich kaufe dann lieber ein neues Thermometer, auch wenn das wegen unnötigem Resssourcenverbrauch (mangelnde Nachhaltigkeit!) nicht die beste Lösung ist und ich dabei außerdem die einheimische Serviceindustrie zugunsten mutmaßlich fernöstlicher Billigproduzenten leer ausgehen lasse. Trotzdem, es gibt Grenzen.


8 Kommentare on “30 Jahre Garantie”

  1. Achim sagt:

    Aber die Apotheke nimmt den Sondermüll auch zurück?

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  2. gnaddrig sagt:

    Müssen sie, glaube ich. Andernfalls kann man es bei der Abfallwirtschaft der Stadtverwaltung abgeben.

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  3. An der Elektronik wird sich in 2 Jahren nichts ändern, ausser dass sie vielleicht kaputt wird. Dann brauchst du das Thermometer allerdings auch nicht mehr eichen lassen, oder?

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  4. gnaddrig sagt:

    Was weiß ich, was sich da ändern kann. Aber stimmt schon, Chip austauschen wäre idiotisch bei so einem Billigteil.

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  5. aurorula a. sagt:

    Ich habe, muß ich zugeben, bei Fieber-Thermometern noch nie Batterien gewechselt, zudem man sie komplett mit Thermometer und allem in jeden Batteriekontainer schmeißen darf (in Bayern zumindest) und ein neues Thermometer weniger kostet als eine neue Batterie.
    Vor etwa einem Jahr allerdings habe ich mir in einem Anfall von Nerdigkeit ein Infrarot-Spektrometer geleistet (ja, mit denen kann man sehr gut Temperaturen messen – wenn auch häufiger in der Astronomie als wirklich im praktischen Leben als Thermomter so wie meins), das ich einfach cool finde und mit dem ich schon alles mögliche gemessen habe (geht von 0 – 100°C). Daß das nerdige, coole Gadget auch zum Fiebermessen (und in der Küche für Schoko) taugt und nicht nur um Neugier auszuleben ist so eine Art Ausrede für „will haben!“ – aber Fieber kann man damit tatsächlich auch messen. Habe ich schon getan, das sieht dann aus als hätte ich einen Tricorder im Einsatz. 🙂
    Hat leider keine 30 Jahre Garantie, aber bis wir alle Thermometer im Smartphone haben hält es vielleicht – und wenn nicht war es ja sowieso eher ein Spielzeug 😉

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  6. gnaddrig sagt:

    Geht mir ähnlich, Batteriewechsel lohnt nicht wirklich. So ein Infrarotdingens haben wir auch, das ist aber irgendwo verschütt gegangen. Zum Fiebermessen fand ich es nicht so großartig, das hat in zwei von drei Fällen grotesk zu niedrige Werte geliefert. Aber Schokoladeschmelze konnte man damit großartig überwachen 🙂

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  7. aurorula a. sagt:

    Leider muß man das messen erst üben, wenn die Messung nicht funktioniert zeigen die Geräte (die von allen Herstellern die ich kenne und schonmal eingeschickt habe zumindest) nicht etwa eine Fehlermeldung, sondern 36°. Nicht fragen warum, das habe ich auch schon und keine Antwort bekommen. Jedenfalls habe ich mit genau der Begründung schon einige Geräte zurückbekommen (sämtliche Modelle und Hersteller) „mißt viel zuwenig“ – ich prüfe das Gerät ein Bißchen (Selbstmessung), alles okay, schicke es an die Firma, die stecken es ins Eichgerät, alles okay; und das Gerät kommt zurück mit einem Brief an mich in dem, höflich codiert, mehr oder weniger steht ob ich ihm/ihr denn nicht gezeigt habe wie die überhaupt funktionieren? Und ob ich denn zu blöd wäre zu erklären daß die korrekte Bedienung eingeübt werden muß?

    Das habe ich bei Blutzuckermessgeräten, Blutdruckmanschetten und Insulinpens zwar auch, aber wesentlich seltener, weil da keiner erwartet daß sie intuitiv funktionieren und tatsächlich auch eine Erklärung der Bedienung möchte. Und die letzteren drei gibt es schon so lange, da weiß schon jeder der öfter welche „entstört“ wo die leider nicht technisch zu umgehenden Teufel in welchem Detail stecken. Da kann ich regelmäßig zaubern, wenn ich jemandem zeige wo es hakt…

    Infrarotthermometer jedenfalls rücke ich in der Apotheke nur noch auf Anfrage raus, unerklärt zur Selbstbedienung ausgelegt weiß ich garantiert daß das ein paar Tage später wieder da ist und „viel zuwenig mißt“. Es kauft zwar kaum jemand ein teures Gerät dessen Bedienung eingeübt werden muß wenn es billige gibt die schon seit Jahrzehnten gleich funktionieren (ehrlich gesagt, wozu auch??) – der Verlust ist aber immer noch kleiner als diese teuren Geräte fast alle auf Kulanz zurücknehmen zu müssen, obwohl sie einwandfrei funktionieren.

    Wenn man es kann sind sie wirklich ein prima Spielzeug – aber genau das ist das Trumm für mich eben auch. Daß sie genauer messen als Rektalthermometer gilt eben nur wenn man das gelernt hat. Bei einem Fahrrad fragt auch keiner nach, ob man dazu fahrradfahren können muß – und ähnlich ist es bei mir und dem Thermometer; ich bin jemand der nerdig genug ist und primär sich da einspielen will mit der Temperaturmessung als Nebeneffekt. Wer das Dings das erste Mal probiert wenn er Fieber hat und einfach nur schnell und unkompliziert einmal messen will, nimmt besser was anderes dazu… das einfach nur schnell und unkompliziert die Temperatur genau genug mißt für alle wichtigen Sachen.

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  8. gnaddrig sagt:

    Klar kann man sowas fehlbedienen. Dass das Ding in vielen Fällen plausible Messwerte geliefert hat (auch am kranken Körper), spricht ja auch eher für gelegentliche Bedienfehler als systematische Defekte. Und immerhin hatte ich mir die Bedienungsanleitung auch einigermaßen sorgfältig durchgelesen.

    Aber seit das Kleinvolk die paar Minuten stillhalten kann, die ein normales Thermometer benötigt, ist das auch nicht mehr so wichtig. Bei heuligen Säuglingen ist die Möglichkeit, auf Knopfdruck sofort die Messung zu haben, natürlich viel interessanter. Das war auch der eigentliche Grund für die Anschaffung gewesen.

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