Fehleinschätzungen

Es kommt immer wieder vor, dass Leute, die es eigentlich besser wissen sollten, grandiose Fehleinschätzungen vom Stapel lassen. Die fliegen ihnen dann oft früher oder später ebenso grandios um die Ohren.

Thomas J. Watson, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender von IBM, soll 1943 gesagt haben, er glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben werde. Ob er das wirklich gesagt hat, ist nicht belegt, und die Verbreitung dieses angeblichen Ausspruchs mag darin begründet sein, dass es zu schön ist, wenn ein Fachmann in seinem urgeigensten Fachgebiet derart danebenliegt. Egal, wer sich den Spruch ausgedacht hat, die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass er vollkommen falsch ist. Sogar Supercomputer gibt es mittlerweile deutlich mehr als fünf.

Bill Gates und seine Firma (oder waren es Steve Jobs und seine Firma? Egal.) haben die Bedeutung des Internets lange unterschätzt und sind erst sehr spät in die Entwicklung internetspezifischer Produkte eingestiegen. Heute geht ohne Internet fast nichts mehr.

Dem Auto wurde in seinen Anfangsjahren oft nur eine Nebenrolle als Spielzeug reicher Leute ohne praktischen Nutzen zugebilligt, die vielfältigen Möglichkeiten dieses Geräts hat man anfangs nicht gesehen. Der Eisenbahn hatte man anfangs auch üble geschwindigkeitsbedingte Nebenwirkungen nachgesagt, dabei war die damals kaum schneller als ein gutes Pferd. Auch das Telefon soll man für eine wenig relevante Spielerei gehalten haben, es gebe ja genug Botenjungen, die alle gewünschten Nachrichten schnell und billig überbringen könnten.

Die Ansage des Kaisers bei Anfang des 1. Weltkrieges an „seine“ Soldaten, sie würden zu Hause sein ehe noch das Laub von den Bäumen fällt, hat sich als tragische Luftnummer erwiesen, ähnliche Sprüche zu Anfang des Russlandfeldzuges im 2. Weltkrieg ebenso.

Auch das Adenauer zugeschriebene Bonmot zur Begründung der Umlagefinanzierung des deutschen Rentensystems – Kinder kriegen die Leute immer – hat sich als nicht wirklich stichhaltig erwiesen. Klar kriegen sie weiter Kinder, aber für die Rente nicht genug. (Schönen Gruß an dieser Stelle an Herrn Norbert „Die Rente ist sicher“ B.)

Wohin man schaut haben Leute die Bedeutung von Erfindungen verkannt, die Möglichkeiten neuer Technik nicht gesehen und die Bereitschaft der Einen, so etwas auf den Markt zu bringen wie die Bereitschaft der Anderen, sich darauf einzulassen, unterschätzt und stattdessen mit bequemem weiter so alle ihre Chips auf Verfahren gesetzt, die zu dem Zeitpunkt oft schon sichtbar angezählt waren. Trotzdem haben wir heute Telefon, Fernsehen, Auto, Luftfahrt, jede Menge Medizin und vieles anderes mehr.

Das lässt mich einerseits hoffen, dass sich gute Erfindungen früher oder später doch gegen Zweifler und die teilweise beachtliche Beharrungsfähigkeit von Teilen der Bevölkerung durchsetzen.

Andererseits könnte es bedeuten, dass manche guten Erfindungen es gar nicht so weit bringen, sich durchsetzen zu können, weil jemand Maßgebliches ihnen keine Bedeutung beimisst oder, siehe VHS-Video, jemand anders schneller ist und vollendete Tatsachen schafft, gegen die auch ein technisch besseres System nicht mehr ankommt. Und da haben wir die Schmetterlinge in Brasilien mit ihrem chaostheoretischen Störpotenzial noch gar nicht eingerechnet.

Schiet, worauf hatte ich hier eigentlich hinauswollen? Hatte irgendwas mit dem zu unrecht in Vergessenheit geratenen Katzen-Marmeladenbrot-Generator zu tun. Es war eine praktische Anwendungsmöglichkeit oder eine Weiterentwicklung. Die Idee war genial, einigermaßen lustig, hätte den Alltag revolutioniert und wäre, entgegen den zu erwartenden Unkenrufen aus Wissenschaftskreisen, ein Riesenerfolg geworden. Leider weiß ich sie nicht mehr. Zurück ans Zeichenbrett…

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7 Kommentare on “Fehleinschätzungen”

  1. Achim sagt:

    Es war Bill Gates. Und zwar so weit ich weiß zu einer Zeit, wo Steve Jobs seine Firma gar nicht seine Firma war, denn er war da rausgedrängt worden und hat NEXT hochgezogen.

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  2. gnaddrig sagt:

    Kann schon sein. Ist aber nicht so wichtig, weil Apple dem Internet anfangs auch nicht allzuviel Enthusiasmus widmete, wenn ich mich recht erinnere. Das kam dann später, wie bei Microsoft auch.

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  3. marana41 sagt:

    Fehleinschätzungen sind das tägliche Brot des eigenen Handelns und das passiert mir nicht gerade selten, aber … ist das so schlimm? Also, so ganz ist mir auch nicht klar geworden, worauf die nun hinaus wolltest. Macht ja nichts, es hat sich auf alle Fälle ganz schön gelesen.

    🙂

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  4. gnaddrig sagt:

    Danke 🙂

    Nö, falsch zu liegen ist nicht weiter schlimm, das gehört tatsächlich dazu. Und aus Fehlern kann man lernen. Vielleicht ist es auch tröstlich, dass sogar Leute, die es besser wissen sollten, manchmal gründlich danebenlangen und dass Fachwissen, Einfluss, Macht nicht vor teils bescheuerten Fehlern retten.

    Aber der ganze Sermon von den Fehleinschätzungen hatte eigentlich nur der Aufhänger sein sollen, von dem aus ich elegant auf mein eigentliches Thema hatte hinleiten wollen. Als ich das aber alles aufgeschrieben hatte, war mir mein eigentliches Thema schon wieder entfallen. Ich hatte den Text dann längere Zeit auf Eis gelegt in der Hoffnung, dass es mir doch wieder einfallen möge, aber die Idee hat sich hartnäckig geweigert, wiederzukehren. Darum habe ich das Ding jetzt kurz aufpoliert und – mit Mut, Fehler und Lücken einzugestehen – so veröffentlicht.

    Außerdem war es eine gute Ausrede, nochmal ganz unverfänglich auf meine schon etwas betagte Energiewende zu verlinken 😉

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  5. aebby sagt:

    Nur eine Idee fürs Zeichenbrett, ich würde der Katze die Marmelade direkt auf den Rücken streichen 😉

    Ansonsten schmunzle ich über den Artikel und den Typen, der gerade an meinem Schreibtisch sitzt, der hat vor etlichen Jahren verkündet, dass die Internet-Bandbreiten nie für sinnvolle Vodeo-Übertragung ausreichen würden.

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  6. Stefan R. sagt:

    Ein Klassiker auch diejenige Franzens von Papen am 30.1.33: „In zwei Monaten haben wir Hitler an die Wand gedrückt, dass er quietscht.“ Nur, gewusst hat er es nicht besser. Historiker streiten bis heute, ob der Mann überhaupt irgendwas gewusst hat. Zumindest hinterher hat er es selbst zugegeben…

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  7. gnaddrig sagt:

    Mit der Einstellung (plusminus ein bisschen) war von Papen auch nicht allein. So mancher hatte geglaubt, mit den Braunhemden fertig werden zu können…

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