Busfahrer

Busfahrer sind, glaube ich, eher nicht sonderlich beliebt. Wer viel Bus fährt, hatte vermutlich reichlich Gelegenheit, sich über Busfahrer zu ärgern. Die fahren ständig Leuten direkt vor der Nase weg. Die kommen zu spät, sodass man die zu knapp kalkulierten Anschlüsse verpasst. Die sind unfreundlich, fahren zu lahm, zu ruppig, verkaufen die falschen Fahrkarten, geben das falsche Wechselgeld usw. Ganz schlimm!

Also, ich ärgere mich schon manchmal über „meine“ Busfahrer. Einmal ist einer, nachdem ich mit meinen damals 3 und 6 Jahre alten Kindern unter seinen Augen in den fast leeren Bus eingestiegen war, so plötzlich angefahren, hat dann nach 50m an der Ecke hart gebremst und ist dann doch derart schnell um die Kurve gekachelt, dass meine Jüngste umgefallen und einmal quer durch den Bus gekugelt ist. Ich hatte sie normal an der Hand, konnte sie aber nicht mehr halten, da ich auch selbst Mühe hatte, nicht hinzufallen. Ein Mitfahrgast hat die Kleine dann aufgefangen, bevor Schlimmeres passierte.

Dabei hatte der Fahrer uns einsteigen sehen und wusste, dass da ein ganz kleines Kind zu Fuß unterwegs war. Zu spät war der Bus auch nicht dran. War das Gedankenlosigkeit oder Bösartigkeit? Oder hat der einen Kippschalter mit den Positionen Vollgas und Vollbremsung? Ist glimpflich abgegangen, ohne blaue Flecken oder Schlimmeres, aber ich war stinksauer. Einer Freundin ist bei einem ähnlichen Ritt der ordnungsgemäß abgestellte und gesicherte Kinderwagen wegen Rennfahrerallüren des Fahrers mal koppheister gegangen und der Busfahrer war anschließend völlig uneinsichtig.

Oder das mit den Türen: Die hintere Tür beim Gelenkbus geht manchmal auf Knopfdruck nicht auf. Der Fahrer fährt wieder an, bevor der aussteigewillige Fahrgast sich zur mittleren Tür durchgedrängelt hat. Darauf angesprochen behauptet der Busfahrer beharrlich, er könne die hintere Tür von vorn gar nicht aufmachen. Das stimmt nicht, weil Fahrer diese Tür bei vielen Gelegenheiten per Knopfdruck von vorn öffnen. (Ob es verschiedene Versionen der Elektrik gibt und man nicht sieht, welche der jeweilige Bus hat, weiß ich natürlich nicht.) Weiter heißt es dann, man hätte eben rechtzeitig den Knopf drücken sollen. Mehrere Zeugen haben dem Fahrer bestätigt, dass der Knopf eindeutig mehrfach und nicht gerade zaghaft gedrückt worden war, aber keine Wirkung gezeigt hatte, aber er hat es trotzdem nicht geglaubt. Was will man da noch sagen?

Manchmal fahren die auch so ruppig, dass die Fahrgäste nur deshalb nicht im Bus umherkugeln, weil sie so dicht gedrängt stehen. Dann wieder stehen sie ewig an der Haltestelle, telefonieren mit sonstwem, schäkern mit ihren mitfahrenden Freundinnen, die die ganze Zeit vorn an der Schranke im Weg stehen, fahren dann wie die Schlaftabletten und kommen am Ende zu spät an den Bahnhof, sodass die Mehrheit der Fahrgäste eine halbe Stunde Wartezeit am Bahnhof hat, statt sofort in den Zug steigen zu können. Oder sie kombinieren beides auf originelle Weise. Alles schon gehabt, und nicht nur einmal. Kurz, Busfahrer müssen total behämmerte misanthropische Vollpfosten sein.

Dann fragt man einen Busfahrer, und plötzlich sind die Fahrgäste und die anderen Verkehrsteilnehmer die total behämmerten misanthropischen Vollpfosten, die dem Busfahrer das Leben unnötig schwermachen. Wahrscheinlich haben beide Seiten nicht ganz unrecht.

** * **

Busfahrer sind jedenfalls auch nur Menschen, die manchmal danebenlangen, verpeilt sind oder auch einfach einen Scheißtag haben. Und außerdem sind sie oft auch ziemlich klasse.

Ich erlebe oft nette Busfahrer. Welche, die lustige Ansagen machen, Ortsfremden Auskunft über alles mögliche erteilen. Busfahrer, die freundlich und entspannt auf Leute eingehen, wo es geht.

Busfahrer, die mit einer Engelsgeduld die vielen zuspätkommenden Fahrgäste auch noch einsammeln und einfach nicht von der Haltestelle wegkommen, weil sich hinten noch und noch wer in die sich schließende Tür zwängt, dann einem Ortsfremden eine komplizierte Fahrkarte nach Klein-Übernächstingen verkaufen und am Ende trotzdem rechtzeitig am Bahnhof sind, ohne die Fahrgäste seekrank zu fahren.

Oder neulich: Der Bus war etwas spät dran, und eine Frau fragte beim Einsteigen, ob sie ihren Zug noch kriegen würde. Der Busfahrer ist dann ziemlich zügig gefahren, hat die Kurven gefühlt auf zwei Rädern genommen. Auf der Zielgeraden sahen wir einen Nahverkehrszug im Bahnhof stehen, worauf er nochmal runterschaltete und aufs Gas ging, um auch die letzte Sekunde aus der Strecke zu quetschen. Der Zug war ein liegengebliebener früherer Zug, der reguläre hatte seinerseits Verspätung und kam erst noch, und die Dame hat ihn locker erreicht. Aber sie hätte ihn – dank Busfahrers Bemühungen – auch ohne die Verspätung noch erwischt.

So sind Busfahrer auch. Ziemlich oft eigentlich, man merkt es nur nicht immer.

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8 Kommentare on “Busfahrer”

  1. Stefan R. sagt:

    Hm, also bei Busfahrern habe mich zu meinen ÖPNV-Pendlerzeiten auch gelegentlich gefragt, ob einige von denen sich nicht klammheimlich ihren Spaß machen. Scharfes Bremsen und Anfahren, sodass die Oma quer an der Stange hing, kaum dass sie eingestiegen war, gehörte bei einigen zum Standard. Scheint aber ein internationales Problem zu sein. In London wollte mal so ein hageres Männlein von Fuhrmann, das offenbar Streit suchte, meinen Ausweis sehen. Ich habe ihm so akzentfrei wie möglich mitgeteilt, er möge sich verfatzen, in nähme den nächsten Bus, der in zehn Minuten führe, weil ich keinen Bock auf solche Spielchen hätte und ließ ihn stehen. Die meisten der Fernbusfahrer dort sind aber ziemlich coole Leute.

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  2. Yadgar sagt:

    Ich hatte vorgestern in Altena-Dahle eine sehr angenehme Erfahrung gemacht: der Bus verkehrt dort nur einmal jede Stunde, und irgendwie musste ich wohl getrödelt haben, jedenfalls kam ich gerade um die Ecke, und der Bus fuhr schon in die Haltestelle… bis ich auf gleicher Höhe war, hatte er sich bereits in Bewegung gesetzt. Aber der Busfahrer war freundlich und hielt noch einmal kurz an, um mich an Bord gehen zu lassen! Im Einklang mit den Dienstvorschriften war das ganz sicher nicht, und in einer Großstadt wie Köln würde man auf so ein Entgegenkommen wohl vergeblich hoffen (was jetzt nichts gegen die KVB sein soll, eher eine allgemeine Charakterisierung der Umgangsformen in Großstädten)…

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  3. gnaddrig sagt:

    Sowas ist nett, wenns passiert.

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  4. Achim sagt:

    Mein alter Herr, der inzwischen etwas wackelig auf den Beinen ist, fährt nicht mehr Bus, weil die meisten Fahrer es nicht nötig haben, zu warten, bis die Fahrgäste der Generation 80+ einen Sitz unter dem Hintern haben. Da freuen sich dann die örtlichen Taxiunternehmer, aber das können sich auch nicht alle in dem Umfang leisten.

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  5. Herr Ösi sagt:

    So sind sie halt … die Busfahrer … wie das ganze Land …

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  6. gnaddrig sagt:

    Stimmt, bunt gemischt und vielfältig eben.

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  7. noemix sagt:

    Im Öffentlichen Verkehr ist es das gleiche wie in jedem Dienstleistungsgewerbe: der lästigste Störfaktor ist der Kunde. Wie schön & reibungslos könnte der ungestörte Betriebsablauf in der Dienstleistungsbranche funktionieren, wären nur diese lästigen Dienstleistungsnehmer nicht ständig dabei hinderlich. Das Dilemma kennt freilich auch jeder Busfahrer.

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  8. gnaddrig sagt:

    In Wirklichkeit dürfte das Problem aber nicht der (lästige und sicher wirklich oft aneckende) Dienstleistungsnehmer sein,sondern die Konzeption der Dienstleistungen, die Einrichtung der Prozesse und Abläufe. Dabei geht man nämlich in der Regel von normalisierten Idealbedingungen aus.

    Da ist dann der stromlinienförmige, idealisierte Standarddienstleistungsnehmer, der im Schnitt x Sekunden zum Einsteigen braucht, immer genau weiß, wo er hinwill, wie er dahin kommt, wann er den Halteknopf drücken muss usw. Dann sind da die eingeplanten Fahrgastzahlen, die standardisierten Fahrzeiten usw. Sobald jemand nicht „ein Erwachsener zum Bahnhof“ kauft, sondern „ich will nach Klein Übernächstingen, mit Bahncard, Rückfahrt übermorgen mit einer Begleitperson“ wird es schon eng. Dann fahren mal 17 statt 12 Leuten mit und es wird noch enger. Dann kommt vor dem Bus eine Schlafmütze zuviel nicht über die Ampel und es klemmt schon gewaltig.

    Und wenn der Busfahrer dann denkt, scheiß drauf, alle rein, Fahrkarte stimmt schon, dann kommt garantiert eine Kontrolle und er kriegt massig Ärger, weil die erwischten Fahrgäste natürlich auf ihn verweisen, und dann ist er noch viel verspäteter als sowieso schon. Und da haben wir noch gar nicht über Ortsfremde, Besoffene, Stänkerer, mit Kleinstgeld Passendzahlenwollende usw. nachgedacht. Busfahrer ist kein einfacher Job.

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