Anspruch und Wirklichkeit

Man bemüht sich vielerorts, diskriminierende Sprache zu vermeiden. Frauen sollen genauso wie Männer direkt angesprochen werden und nicht mehr einfach mitgemeint sein. Rassistische Ausdrücke werden offiziell nicht mehr verwendet (und gelegentlich sogar aus weitverbreiteten Kinderbüchern weltberühmter Autorinnen entfernt). Auch gegenüber anderen Personenkreisen bemüht man sich um eine respektvolle Sprache. Ausdrücke wie Krüppel und Idiot für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sind zum Glück seit längerem aus dem normalen Sprachgebrauch verschwunden.

Über die Wörter behindert und Behinderung wird gestritten. Man versucht vielfach, sie zu vermeiden, aber ein ähnlich kurzer und einfach verwendbarer Ersatz hat sich bisher nicht durchgesetzt. In der Praxis kann das zu einem gewissen Durcheinander bei der Verwendung einschlägiger Begriffe führen, etwa bei der Bahn.

Die Bahn stellt an den meisten Bahnhöfen Hebebühnen bereit, mit denen Leute in den Zug gehoben werden, die sonst die Stufen nicht überwinden könnten. Offiziell heißen die Geräte Rollstuhl-Lift, umgangssprachlich laufen sie dort aber offenbar als Behindertenfahrstuhl, wie sich an den handschriftlichen Eintragungen im Feld „Anlagenbezeichnung“ sehen lässt, die ich an verschiedenen Bahnhöfen gesehen habe. Zwei Beispiele:

In der Bedienungsanleitung heißt es übrigens auch, der Rollstuhl-Lift sei ein ortsveränderlicher Hubtisch, der ausschließlich dazu bestimmt ist, behinderte Personen in einem Rollstuhl zu befördern. Da hat man das Wort auch wieder. Anderswo wird oft von mobilitätseingeschränkten Personen geschrieben. Das ist allgemeiner und umfassender, aber auch sperriger.

Ganz abgesehen von diesem konkreten Fall finde ich es gut, dass man sich Gedanken macht, wie man sich so ausdrückt, dass man niemanden unnötig beleidigt, herabwürdigt oder ausgrenzt. Nicht zuletzt deshalb, weil ich selbst unversehens und ohne eigenes Verschulden in eine Lage geraten kann, wo ich dann Gegenstand diskriminierender Sprache bin. Und spätestens dann würde mir vermutlich auffallen, wie unangenehm der gängige Sprachgebrauch sein kann.

Es ist vermutlich leicht, sich über ausufernde Political Correctness und den angeblichen Genderwahn aufzuregen, solange man selbst nicht Ziel von diskriminierender Sprache ist. Anders gesagt: Wer nicht betroffen ist, sollte sich kein Urteil darüber anmaßen, wer sich von welchem Sprachgebrauch diskriminiert, herabgewürdigt, beleidigt oder ausgegrenzt fühlt. Das zu beurteilen muss man schon denen überlassen, die es regelmäßig abkriegen.

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14 Kommentare on “Anspruch und Wirklichkeit”

  1. Yadgar sagt:

    „Ausdrücke wie Krüppel und Idiot für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sind zum Glück seit längerem aus dem normalen Sprachgebrauch verschwunden.“

    Aus dem normalen Sprachgebrauch… aber in den einschlägigen Arrrrrrschloch-Foren wie z. B. wgvdl.de. pi-news.net, politikforen.de und unzähligen anderen suhlt man sich geradezu wolllüstig in menschenverachtender Hasssprache.

    Ein kleines Glossar des Hassdeutschen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit

    Autobahn: Signalwort für Unterdrückung hassdeutscher Positionen im öffentlichen Diskurs
    Bescheidenheit: freiwilliges Verhungern von Hartz-IV-Empfängern
    Christenverfolgung: Kritik an fundamentalistischer Bibelauslegung, mitunter auch die bloße Existenz von Nicht-Fundamentalisten
    Fotze: weibliches Wesen außerhalb des sexuellen Zugriffs von Hassdeutschen, Steigerung: Muselfotze
    Gutmensch: Nicht-Hassdeutscher
    Kulturbereicherer: siehe »Musel«
    Kuschelpädagogik: alle Erziehungsmethoden, deren Humanitätsgrad über dem in NS-Konzentrationslagern üblichen Niveau liegt
    Musel: praktizierender Muslim oder qua Herkunftsland als solcher bezeichneter Nicht-Hassdeutscher
    Ölauge: Nicht-Hassdeutscher aus Mittelmeerländern, Nahem oder Mittlerem Osten
    Political Correctness: Minimalkonsens über zivilisierten Umgang zwischen gesellschaftlichen Gruppen in der Öffentlichkeit, für Hassdeutsche leider unzumutbar
    Religion des Friedens: hassironisch für Islam
    Votze: siehe »Fotze«
    Zwangsverschwulung: der Umstand, dass Homosexuellen heutzutage nicht mehr Scheiterhaufen, Gaskammer oder Psychiatrie drohen, für Hassdeutsche ein untrügliches Zeichen für die unmittelbar bevorstehende Errichtung einer islamofaschistischen Kampflesbendiktatur mit radikalökologischer Morgenthau-Agenda

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  2. Karl sagt:

    Das hat allerdings insbesondere im Zusammenhang mit der vermeintlich Gendergerechten Sprache aber auch bei Behinderungen (ich selbst bin schwerbehindert, fühle mich aber nicht so) auch einen anderen Aspekt: Etliche Betroffene (natürlih bei weitem nicht alle) werden erst durch die teilweise doch sehr ausufernde Diskussion und die aus meiner Sicht bisweilen merkwürdigen Sprach- und Schreibschöpfungen erst zu „Opfern“ gemacht bzw. fühlen sich erst betroffen, nachdem man sie gründlich darüber aufgeklärt hat, dass sie sich betroffen zu fühlen haben. Das nennt man dann selbsterfüllende Prohezeihung.

    Dass dabei häufig sprachlicher Unsinn wie die vielen Bildungen mit Partizipformen (-ierende) herauskommt ist ein weiterer Aspekt. Wenn sich die Leute, die sich mit Genderstudies beschäftigen, wenigsten mit Sprachwissenschaftlern ins Benehmen setzen würden, könnte viel Unsinn vermieden werden. Studenten/Studentinnen sind nun mal etwas anderes als Studierende und während das bei einer Passivform wie Auszubildende geht, geht es eben dort sprachlich eigentlich nicht. Das x, den Unterstrich, das Binnen-I oder ähnliche Ausdrücke der schriftlichen Genderung mitzusprechen verbietet sich eigentlich vom Sprachgefühl und wirkt auf mich ehrlich gesagt lächerlich. Im übrigen ist das generische „Maskulinum“ sprachgeschichtlich gar kein Maskulinum. Wenn da mit ein wenig mehr sprachgeschichtlichem und -wissenschaftlichen Verständnis und nicht zu oft mit der Brechstange herangegangen würde, hätte ich weniger Probleme damit

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  3. Ich habe kein Problem mit dem Begriff „Behindert“ oder „psychisch krank“.

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  4. gnaddrig sagt:

    @ Yadgar: Klar gibt es immer Leute, denen es entweder egal ist, wem sie auf die Zehen treten, oder die gern extra Leuten ans Bein pinkeln. „Böse Sprache“ verschwindet nicht, aber wenn sie in manchen Belangen heute weniger Mainstream ist als noch vor ein paar Jahrzehnten ist das doch schonmal was. Die Hassbratzen, die Du nennst, kriegt man sowieso nicht.

    @ Karl: Man hat ja fast zwangsläufig die Situation, dass Leute, die (egal von was jetzt genau) nicht selbst betroffen sind, sich Gedanken über den Umgang mit Betroffenen machen und versuchen, sich ihnen gegenüber einigermaßen korrekt zu benehmen. Oft genug machen sich auch welche zum Anwalt von (echt oder vermeintlich“ „Bedürftigen“, die damit dann gar nicht so glücklich sind. Dass das auch schiefgehen kann, liegt auf der Hand. Dass man da gelegentlich übers Ziel hinausschießt oder Probleme sieht, wo Betroffene gar keine haben, ebenfalls. Das ist so oder so ein Minenfeld.

    Die sprachlichen Formen, die man für geschlechtergerechte und anderweitig politisch korrekte Sprache ausprobiert, sind m.E. weitgehend Geschmackssache und – weil Sprache immer sehr eng mit Identität verbunden ist – praktisch immer Gegenstand emotionaler Reaktionen. Schon dass man sich u.U. umgewöhnen muss (oder auch nur dem abweichenden, neuartigen Sprachgebrauch anderer nicht ausweichen kann), verursacht oft Unbehagen und Ablehnung. Verständlich, aber deswegen auch gerechtfertigt?

    Meiner Meinung nach wird sich im Laufe einiger Jahre ein einigermaßen brauchbares sprachliches Instrumentarium für gerechte Sprache herausbilden. Das wird aber nur passieren, wenn man herumprobiert, den einen oder anderen Holzweg abklappert und hoffentlich die eine oder andere gute Lösung entdeckt.

    Ich sehe nicht, wieso „Studierende“ etwas anderes sein soll als „Studentinnen und Studenten“. Ich mag das nicht besonders, störe mich aber auch nicht weiter dran. Die Schrägschrich-, Unterstrich- und Binnen-i-Formen sind gewöhnungsbedürftig, aber der zugrundeliegende Gedankengang gefällt mir. Mein Favorit ist der Unterstrich. Wie man das gescheit vorliest, weiß ich allerdings auch nicht (und das gehört zu den Dingen, die sich erst finden müssen).

    Und was das Maskulinum angeht: Mag sein, dass es ursprünglich kein Maskulinum gewesen ist, sondern was anderes bezeichnet hat (weiß ich nicht, bin kein Germanist oder Sprachhistoriker). Es hat sich dann aber zu einem Maskulinum entwickelt und ist – anders als oft behauptet wird – kein generisches Maskulinum.

    Jedenfalls ist nachweisbar, dass das Maskulinum im Deutschen eben nur Männer meint. Wenn Frauen mitgemeint sind, muss man das erst in jedem Einzelfall gedanklich entschlüsseln. Das schlägt sich u.a. in der Zeit nieder, die zum Verarbeiten entsprechender Äußerungen nötig ist. Anders gesagt: Egal, wo das Maskulinum herkommt, wie es entstanden ist oder was es ursprünglich mal war, jetzt ist es ein Maskulinum und ganz sicher kein generisches Maskulinum. Insofern ist sprachgeschichtliches Verständnis hier eher weniger relevant, und sprachwissenschaftlich gibt es keinen Grund gegen gerechte Sprache.

    Natürlich gibt es gewöhnungsbedürftige, verstiegene oder auch nicht praktikable Versuche gerechter Sprache, aber Genderforschung ist ein legitimes Fach und längst nicht so durchgeknallt wie es oft dargestellt wird.

    Zum (dann doch nicht generischen) Maskulinum gibt es übrigens einen lesenswerten Artikel von Eva Wolfangel in der Stuttgarter Zeitung: Nur wer von Frauen spricht, meint sie auch.

    @ ulf_der_freak: Die Freiheit steht Dir zu.

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  5. Karl sagt:

    @gnaddrig: Anders als zur Zeit hat man sprachliche Entwicklungen in der Vergangenheit überwiegend geschehen lassen und weniger verordnet. Gerade was die Genderisierung bzw. das Bemühen um Genderneutralität betrifft, wird das aber zur Zeit in gerade aberwitziger Geschwindigkeit auch von oben verordnet, ohne das es zumindest einen vorläufigen Konsens gäbe, was denn eigentlich gendergerechte Sprache eigentlich wirklich ist. Ging es zunächst um das vermeintlich nur mitgemeinte weibliche Geschlecht vertreten durch die Doppelformen und das BinnenI, geht es jetzt eher um die Überwindung jegelicher Genderzuordnungen, was ich durchaus als guten Ansatz empfinde, denn die Reduzierung auf das biologische Geschlecht (das auch nicht in allen Fällen eindeutig ist) macht wenig Sinn. Die Doppelformen und das BinnenI sind in den meisten Handreichungen (und teilweise Anweisungen und Vorschriften, die anderes gar nicht mehr zulassen) aber noch durchgehend präsent und als vermeintlich gendergerecht bezeichnet. Das ist einerseits mit dem modernen Begriff des Genders im Gegensatz zum Geschlecht nicht unbedingt vereinbar, andererseits stehen die vielen Kunstbildungen dann aber im Widerspruch zu der Behauptung, das – für mich immer noch – generische Maskulinum bezeichne das biologische Geschlecht und müsse deshalb überwunden werden. Überwunden werden muss zu allererst ganz praktische Diskriminierung und dann diskriminierende und vor allem diskrimierend *gemeinte* Sprache in allen Kontexten und nicht ein generische Maskulinum.

    Mir steht auch überhaupt nicht der Sinn nach der Beibehaltung der überkommenen Sprachregelungen, gegen Ausprobieren in Form von Forschungsprojekten u.ä. habe ich ebenfalls nichts einzuwenden, wobei man die Praktikabilität der Vorschläge vorzugsweise aber gleich mit erforschen könnte. Dass aber aus meiner Sicht weitgehend unausgegorene Versuche einer gender- (nicht nur geschlechts-)gerechten Sprachregelung bereits in der „Versuchsphase“ in Form von einzuhaltenden Vorschriften (Bachelor- und Masterarbeiten, in denen sich nicht strikt daran gehalten werden von etlichen Prüfungsämtern völlig unabhängig vom sonstigen Inhalt als durchgefallen bewertet) übergestülpt werden, ist aus meiner Sicht höchst bedenklich und zeugt von einer gewissen Überheblichkeit einer an sich höchst sinnvollen Forschungsrichtung, die sich damit wenniger als als forschend sondern als mehr oder minder erfolgreich machtausübend darstellt. Das steht Wissenschaft nach meinem Verständnis als ehemals forschendem Naturwissenschaftler nicht zu.
    Etwas weniger „forsch“ und von oben herab, etwas mehr Geduld und Vertrauen in eine sich selbst weiterentwickelnde Sprache und eine unaufgeregtere Diskussion hielte ich für angebracht.

    Gottseidank wird diese Enttwicklung bei Sprachregelungen im Zusammenhang mit „Behinderung“ noch nicht soweit auf die Spitze getrieben, was teilweise auf den Einfluss der Behinderten und deren Organisationen selbst zurückzuführen ist, die überwiegend mit dem Begriff der Behinderung offenbar wenig Probleme haben sondern realistischerweise die ganz praktischen probleme mit der Behinderung der Behinderten und deren Diskiriminierung im Vordergrund sehen. Sonst ergäbe sich zum Beispiel ein zeimliches Paradox bei der Benennung der der betreffenden Organisationen und ein Bundesverband, in dem etliche Betroffenenorganisationen vertreten sind, und dem ich als Mitvertreter eines Mitgliedsverbandes (der allerdings keine „Behinderten“ im üblichen Sinne vertritt) quasi angehöre, damit dass er das Wort Behinderte genauso wie etlichen seiner Mitgliedsverbände im Namen trägt und gleichzeitig, mehr oder weniger gezwungenermaßen, Handreichungen zur gendergerechten Sprache an seins Mitgliedsverbände herausgibt, die bei Förderanträgen.an bestimmte Kostenträger zu beachten sind.

    Das alles halte ich keineswegs für generell sinnlos oder überflüssig. Ganz im Gegenteil, das ist wichtig und Forschung dazu ist sicher notwendig. Aber die Art und Weise, wie das hektisch und unausgegoren in vorauseilendem Gehorsam gegenüber einer ziemlich kleinen aber offenbar einflussreichen Forschungsrichtung in Form von überhastet erstellten Vorschriften, die sich teilweise auch noch widersprechen, betrieben wird, halte ich für unangemessen.

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  6. tomdose sagt:

    Biologisches Geschlecht und grammatikalisches Geschlecht haben nicht aber auch nichts miteinander zu tun. Das grammatikalische Geschlecht ist eine Regel zur Bildung des Plurals. Diese Regel „Geschlecht“ zu nennen war und ist Blödsinn.
    Der Tisch -> Die Tische (also „e“ anhängen)
    Die Leiter -> Die Leitern (also „n“ anhängen)

    Studierende sind männliche oder weibliche Menschen, die sich Wissen aneignen. Sind sie damit fertig sind sie Pausierende, Essende, Trinkende, Schlafende.
    Studenten sind eingeschriebene männliche Mitglieder einer Hochschule.
    Studentinnen sind eingeschriebene weibliche Mitglieder einer Hochschule.

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  7. gnaddrig sagt:

    Dass das biologische und das grammatische Geschlecht eher wenig miteinander zu tun haben stimmt. Aber das grammatische Geschlecht ist keine Regel zur Pluralbildung.

    Student und Studentin sind die althergebrachten Begriffe für männliche bzw. weibliche Personen, die zum Studium an einer Hochschule eingeschrieben sind. Es spricht aber nichts dagegen, diesen Sachverhalt mit anderen Wörtern zu beschreiben, etwa mit Studierender und Studierende, die nützlicherweise dieselbe Pluralform bilden.

    Man muss also nicht die eine Hälfte der Zielgruppe irgendwie halbgar „mitmeinen“ oder auf umständliche Doppelformulierungen zurückgreifen, sondern kann die gesamte Zielgruppe mit einem Wort grammatisch korrekt ansprechen.

    Das kann man verstiegen und überflüssig finden, und niemand wird gezwungen, den eigenen Sprachgebrauch zu ändern. Aber der Aufschrei, der durchs Land ging, als die Uni Leipzig anfing, für ihre offiziellen Texte durchgehend feminine Formen zu verwenden, zeigt, dass es sehr vielen Leuten eben nicht egal ist, ob nur die eine Hälfte des Publikums ausdrücklich angesprochen wird und die andere Hälfte „mitgemeint“ ist. Stören tut man sich aber anscheinend erst, wenn man selbst betroffen ist.

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  8. gnaddrig sagt:

    Hier gibt es übrigens noch ein kurzes Interview mit einem Sprachwissenschaftler zum generischen Femininum der Uni Leipzig: Generisches Femininum an der Uni Leipzig – „Frauen sind keine Sonderfälle“.

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  9. Achim sagt:

    „So haben die Aborigines in Australien ein gemeinsames Genus für Feuer, Frauen und gefährliche Tiere, ein anderes für Männer, Schnecken und Speisefische.“ Das klingt nicht gerade nach einem Kompliment für Männer. Oder sind wir etwa nachhaltig schneckenfeindlich?

    Ich arbeite übrigens an einer Hochschule, und in unseren Prüfungsordnungen etc. ist grundsätzlich von „Studentinnen und Studenten“ die Regel. Ich persönlich finde das angenehmer als das Partizip, ich sage auch gerne noch „Lehrling“. Wobei man bedenken muss, dass „Student“ sprachhistorisch ja auch ein Partizip ist, wenn auch kein deutsches.

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  10. gnaddrig sagt:

    Ich bin mir nicht sicher, was mir besser gefällt. Studierende finde ich elegant, weil es mit einem Wort auskommt. Studentinnen und Studenten ist, hm, ausdrücklicher, weil es beide Geschlechter direkt nennt. Ich kann mit beidem leben.

    Ansonsten wird sich zeigen, was im Alltag benutzbar ist, was angenommen wird und wie weit es überhaupt gehen wird mit den Versuchen einer gerechteren Sprache. Es kann ja sowieso immer nur Annäherungen geben, man wird sprachlich nie allen ganz gerecht werden können.

    Auch gibt es kein richtig und falsch, es hängt von vielen Faktoren ab, wie die Sprache sich entwickelt, ob oder welche Sprachregelungen sich einbürgern und wie ein allgemeiner Konsens aussehen könnte. Im Moment steht das noch ziemlich am Anfang.

    Immerhin ist viel gewonnen, wenn man über solche Fragestellungen überhaupt nachdenkt und diskutiert (gern auch kontrovers) und es einschlägige Forschung oder wissenschaftliche Begleitung gibt. Dann gibt es erst die Chance, mögliche Ungerechtigkeiten wenn nicht abzuschaffen dann doch wenigstens abzumildern oder zu umgehen.

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  11. aurorula a. sagt:

    Aus der Perspektive gesehen vielleicht auch ein Grund um sich zu freuen, daß englische Berufsbezeichnungen sich immer mehr durchsetzen: da die nämlich geschlechtsneutral sind („gardener“ können sowohl die Gärtnerin als auch der Gärtner sein) sind sie kurze Begriffe, mit denen alle in einer Berufsgruppe gemeint werden können, ohne (Hinter-)Gedanken an Geschlecht oder Gender.
    Dahin würde die Sprache von selbst gehen, wenn sie könnte, denke ich.
    Komisch nur daß gerade diese Bezeichnungen auch vehement abgelehnt werden. Vielleicht halten diejenigen denen die Endung wichtiger zu sein scheint als der Begriff davor das auch für schummeln wenn sie sich bei diesen Worten nicht ihre eigene Gutheit (und konsequenterweise die Schlechtheit derer die etwas anderes sagen) bestätigen können?
    Gleichwie, wenn ich die Wahl habe in welche sprachlichen Nesseln ich mich setze, dann nehme ich den Anglizismus. Der wird auch moniert, ist aber wenigstens gerecht.
    Allerdings nur solange, bis jemand nicht nur auf deutsch aus einem (weiblichen) Mitglied eine Mitgliedin, sondern auch englische (weibliche) Manager zu Managerinnen macht um wieder eigene weibliche, explizit von den männlichen zu unterscheidende Formen zu schaffen. Das hört sich fast an wie geschlechtsneutrale Formen mit Gewalt wieder verschlimmbessert – Gewalt gegenüber alldenjenigen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern abschaffen wollten.
    Abgesehen davon komme ich mir als Frau immer nicht für voll genommen vor wenn ständig darauf hingewiesen wird daß es für jemanden wie mich eine eigene Form gibt. Ich will ununterscheidbar mitgemeint sein, und zwar deshalb weil ich, wenn ununterscheidbar, allen anderen gleich bin. Kein pseudo-in-etwas. Letzteres Argument habe ich jahrelang gegen die Anrede „Liebe Mitgliedinnen und Mitglieder…“ in einem Sportverein vorgebracht. Erfolglos, ca va sans dire.

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  12. aurorula a. sagt:

    P.S: Ja, ich kenne den Unterschied zwischen gleichwertig und gleichartig und weiß ihn zu schätzen, bin bloß grade etwas gallig…

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  13. gnaddrig sagt:

    Das Problem mit den Anglizismen ist, dass sie, sobald sie im Deutschen angekommen sind, eben auch ein deutsches Genus aufgezwungen kriegen. Der Manager ist deshalb ein Maskulinum und ist genausowenig neutral oder allumfassend wie rein deutsche Wortgewächse.

    Dass das sprachliche Ausdifferenzieren manchmal auch einfach nervt, ist wahr. Und bei Entgleisungen wie „Mitgliedinnen und Mitglieder“ weiß man nicht, ob es passiv-aggressive Stichelei ist oder einfach nur beängstigende Bräsigkeit – Mitglied ist ja nun tatsächlich mal ein neutrales und in Sachen Gerechtigkeit darum unproblematisches Wort.

    Die Galligkeit sei Dir gegönnt, ich bin der letzte, der da was gegen sagen könnte (oder wollte) 🙂

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