Limited Design Edition

Alle möglichen Produkte gibt es immer wieder mal in ungewohnt oder auffälliger als normal gestalteten Verpackungen. Früher gab es manchmal Oster- oder Weihnachtsdesigns und alle Jubeljahr wurde eine ganz neue Verpackung eingeführt, aber viel war da sonst nicht los.

In den letzten Jahren hat die Sonderverpackerei aber um sich gegriffen: Eine traditionell very British daherkommende Marke Mint Chocolate Thins etwa steht seit mehreren Jahren gefühlt alle zwei Monate in Limeted Design Editions in den Läden. Gleicher Inhalt, gleiche Packungsgröße, nur mehr Gold als normal auf der dunkelgrünen Packung oder ein Muster oder ein (vorgeblich) typisch englisches Wort oder Motiv im Prägedruck oder so Zeug.

Ähnlich geht es mit anderen Süßigkeiten. Schokoriegel etwa, die immer wieder in geänderter Rezeptur oder Aufmachung daherkommen, selbstverständlich als ebenfalls Limited Editions. Der eine Schokoriegel mal mit Hasel- statt Erdnüssen, der andere Schokoriegel mal mit Erd- statt Haselnüssen, der dritte mal ohne die fluffige Candycreme unter dem Karamell. Irgendein anderer Schokoriegel mal mit Erdbeer- statt Kakaocreme zwischen den Waffelschichten, ein anderer mal mit Schokocreme statt der Karamellcreme über dem Keks.

Und alle diese Schokoriegel haben irgendwann mal Limited Editions mit anderer Schokolade außen drum durchdekliniert – weiß, dunkel, mehrfarbig statt schnöder Vollmilch. Das ist wie bei Autos, da macht ja mittlerweile auch jeder Hersteller alles vom Kleinstauto bis zur Luxuskarosse.

Der Hersteller der quadratisch-praktisch-guten Schokolade kommt mehrmals im Jahr mit saisonbezogenen Geschmacksrichtungen heraus, eine bekannte Marke von kalt anrührbarer Dessertcreme bietet immerhin jedes Jahr eine andere Geschmacksrichtung des Jahres an. Alles, um sich immer mal wieder ins Gespräch bringen zu können.

Ein bisschen kommt mir das vor wie das Pfeifen im Dunklen – vielleicht hat man Angst, dass das eigentliche Produkt nicht gut genug ist oder langweilig wird oder sonst aus Gründen in Vergessenheit gerät, und da muss man dann unbedingt irgendwie Aufmerksamkeit generieren. Ob die zeitweilig anderen Verpackungen wirklich ziehen, weiß ich nicht.

Die zeitweilig veränderten Rezepturen sind in der Regel eher nicht so toll, finde ich jedenfalls, und ich höre auch immer wieder entsprechende Kommentare, wenn mal wieder so eine Aktion läuft. Das ist wirklich reine Aufmerksamkeitshascherei, und dass diese Sondereditionen immer nach kurzer Zeit vom Markt genommen werden, dürfte für sich sprechen.

Vielleicht ist das aber auch eine ganz raffinierte Masche und man will nur die Leute mit diesen verqueren Produktversionen daran erinnern, wie gut das ursprüngliche Produkt doch ist, und das könnte tatsächlich funktionieren. Trotzdem, schräger Brauch…

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7 Kommentare on “Limited Design Edition”

  1. Yadgar sagt:

    Da wartet man ja eigentlich nur noch auf den Premium-WC-Reiniger in der Sammelflasche mit sechs unterschiedlichen raygetraceten Designer-Toiletten als Motiv vorne drauf… collect them all! Man könnte fast meinen, die Industrie habe Messies als neue Zielgruppe entdeckt…

    In Japan könnte ich mir so eine Kloreiniger-Werbeaktion tatsächlich vorstellen…

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt, in Japan ginge das wohl.

    Gab es hierzulande nicht diesen Wettbwerb um die Gestaltung eines Etiketts für eine Spülmittelflasche, wo das ganze leicht peinlich endete, weil irgendein völlig schräges Design gewonnen hat?

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  3. … Aber bitte mit Knibbelbild im Deckel, sonst kaufe ich das nicht.

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  4. Ich könnte mir noch vorstellen, dass sie damit testen, wie gewisse Experimente beim Verbraucher ankommen.
    Raider/Twix mit weisser Schokolade zB. Frevel! Braucht kein Mensch.
    Ist zum Glück sang-und klanglos wieder verschwunden.

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  5. Andere Geschmacksvarianten finde ich oft interessant. Übel nehme ich aber den aktuellen Trick einer Joghurtmarke, die Sommersorten zum gleichen Pries bei 10g weniger Inhalt im Becherchen zu verkaufen. Auch der von Dir erwähnte Schokoladenhersteller hat da im Zuge der letzten Großwerbeaktion massiv Punkte bei mir verloren, die dazu führten, das ich bestimmte Sorten nach der Umetikettierung jetzt nicht mehr kaufe, weil sie unter neuem Etikett massiv teurer wurden. Aber mit einer veränderten Verpackung laufen Hersteller bei mir sowieso Gefahr nicht gekauft zu werden. Ich gehe nicht gern einkaufen und suche nicht gern, und je weniger dringend ich eine Position auf dem Einkaufszettel brauche, desto schneller streiche ich sie ungekauft, wenn ich den Artikel im Regal nicht SOFORT finde.

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  6. gnaddrig sagt:

    @ schnipseltippse: Das könnte meine Vermutung stützen, dass die mit den neuen Geschmacksrichtungen v.a. die Vorteile des ursprünglichen Produkts herausstreichen wollen.
    @ Tanja im Norden: Spielverderberin 😉

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  7. aurorula a. sagt:

    Für mich als Nussallergiker laufen „Jetzt mit Haselnuss!“ oder „Neue, verbesserte Rezeptur!“ bei Süßkram eher unter Warnhinweis… Schließlich habe ich keine Lust von jeder neuen Packung wieder das Etikett zu studieren.
    Und mit einer Allergie gegen einen Bestandteil der einigermaßen logischen Annahmen folgend zu erwarten ist – oder auch nicht – und folglich vermieden werden kann bin ich noch gut weggekommen. Glücklicherweise waren die Nüsse dieses Jahr auch relativ teuer und deshalb seltener als sonst Ersatz für Kakaobutter.

    Und das wird auch wieder ein Grund für die Sondereditionen sein. Die Erdbeerernte war schlecht, Erdbeeren sind teuer? Jetzt Sonderedition: Erdbeer-Joghurt-Schokolade ohne Erdbeeren! (nicht lachen, die habe ich heute im Supermarkt wirklich gesehen) Oder nur-für-kurze-Zeit-mit Himbeer. Rum ist als teure Zutat schlecht für die Marge? Rum-Trauben-Nuss-Schoki gibt es jetzt auch für tonight’s designated driver als alkoholfreie „Drive-Edition“!
    Und der Designer kann sich auch wieder dran austoben, schließlich will das Finanzamt ja eine Rechnung wenn Werbekosten von der Steuer abgesetzt werden. Vielleicht ein Bild auf die Packung von einem 59er Chevvie-Kabrio? Mit Fußball-Wimpel an der Antenne, es ist ja bald WM!

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