Sprechen sie Deutsch?

Wenn Leute beruflich überwiegend auf Englisch kommunizieren und ihre Strategiepapiere und Präsentationen auf Englisch schreiben (müssen), fällt der Wechsel zurück ins Deutsche manchmal schwer. Dabei scheint sich ein gerade für Manager typischer Slang herauszubilden, der sehr viel mehr englische Wörter einbaut als das allgemeinsprachlich ohnehin schon üblich ist. Dabei finden sich oft auch englische Wörter an Stellen, wo es gängiges deutsches Vokabular gibt und man nicht in der Verlegenheit ist, eine Wortschatzlücke stopfen zu müssen.

Dem liegt wohl eine kuriose Mischung aus Nachlässigkeit und Orientierungslosigkeit zugrunde – einerseits sind die Inhalte so wichtig, dass es nebensächlich wird, in welcher Sprache man gerade unterwegs ist. Andererseits müssen die aktuellen Buzzwords so dringend untergebracht werden, dass der Inhalt fast nebensächlich scheint. Dazu ist gelegentlich (aber längst nicht immer!) noch ein gewisses Maß Selbstverliebtheit zu beobachten, eine Neigung, sich als Speerspitze der Innovation oder des Bescheidwissens zu produzieren. Der resultierende Sprechstil verlangt dem Zuhörer jedenfalls einiges ab.

Ich habe eine Weile lang solche Sentenzen gesammelt, wenn ich welche gehört habe. Hier also meine Phrasensammlung:

wobei wir hier ne challenge haben…
In der Verantwortung end-to-end in China…
Die message ist ganz wichtig, dass ihr die versteht
Dass wir auch hier im leadership das Vertrauen haben…
Ihr seht im Organisations-chart
location-Strategie
Einen single-point-of-contact zu etablieren
Kommt die Kunden-adoption, kommt die revenue?
Ich kann nichts delivern, wenn…
…dass ich das schnell in adoption bringen kann…
Wie muss ich mein replenishment machen…
Auch wieder high-volume
Im Web kaufen, im shop zurückgeben
Vom revenue wahrscheinlich eines der größten plays im Markt
…dass wir diesen Vorteil auch wirklich leveragen
Das ist das operative handling des ganzen.
Was sind denn die key deliverables, die wir in dieser company hier verfolgen?
Dann überlegt mal, way back, die Schulung
Das haben wir ganz gut geLEANt
Die Kóntribjutohrs, die an einer solution arbeiten
…sind solutions, die den ganzen business need ausdrücken, nicht nur piece of code, sondern…
…leitet mich zur nächsten slide über.
Das ist sehr customer-tailored.
Wie haben wir den connect zum Markt?
… die werden dann connected zu den product teams.
Da übernehmen wir den lead
Wenn sich der user das erste Mal konnektiert hat…
Da gibt es auch travel budget
… ob man da was gefundet kriegt. Wenn das funding da ist…
Der Räwwenju kommt zusammen, da haben wir ganz anständig performt.

*****

meeten – da müssen wir mal meeten, wir haben gestern gemeetet
committen – das haben wir jetzt committet
rämp-uppen – das müssen wir früher rämp-uppen

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25 Kommentare on “Sprechen sie Deutsch?”

  1. maranaZ3 sagt:

    Traumhaft, dieses Sprachgeschwurbel und ich habe bei den meisten der Phrasen noch nicht einmal den Schimmer einer Ahnung, worum es sich handeln könnte.

    🙂

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  2. gnaddrig sagt:

    Bist ja auch kein stakeholder 😀

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  3. Lutz Prauser sagt:

    Beitrag geliked. Gut, dass er Greenlight fürs Publishing bekommen hat.

    Well done.

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  4. gnaddrig sagt:

    Wir haben das wegen dem großen demand auch gefasttracked. Die Kunden-adoption lässt sich gut an, wir haben deshalb auch eine workgroup für ein follow-up getasked.

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  5. Achim sagt:

    Nee, die workgroup wurde gestafft und nicht getasked. Aber zu viele Q-gates treiben die time to market nach oben, und wenn du dich zu einer deadline committed hast, musst du halt deinen impact machen…

    Am liebsten hatte ich bei meinen Ex-Kollegen die falschen Rückübertragungen: Statt „Branche“ sagen sie „Industrie“, und das Hotel ruft keinen Preis, sondern eine Rate auf 😉

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  6. gnaddrig sagt:

    Klar, erst gestafft. Aber dann brauchen die ja auch was zu tun, oder? Also kriegen sie die entsprechenden tasks ins backlog geknallt. Aber das mit den Industrien finde ich auch witzig. Da klingt Industrielösungen dann seltsam unscharf.

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  7. Achim sagt:

    Zumal die Branche, in der wir unterwegs waren, herzlich wenig mit Industrie (im Sinne von „Sachen zum Anfassen, die mit viel Lärm und Dreck erzeugt werden ;-)“) zu tun hatte: Öffentlicher Sektor, Hochschulen und so.

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  8. maranaZ3 sagt:

    So ist es, nun nicht mehr, bin ich ein skateholder, und das ist gut so.
    Ich gebe ja zu, den skateholder musste ich auch erst ergooglen.

    😀

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  9. gnaddrig sagt:

    Achim, Hauptsache es gibt die passende Industrielösung.

    Marana, Hauptsache es klingt nach was und wird mit genug Selbstsicherheit vorgetragen, dann traut sich keiner zuzugeben, dass er es nicht versteht. (Und jetzt weißt Du auch, was die alle machen, wenn sie sich kollektiv über ihre Smartphones beugen.)

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  10. noemix sagt:

    »Tut mir leid, kann nicht kommen.« hört sich freilich nicht halb so businesslike an wie: »Sorry, muss unser Date leider canceln.«

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  11. gnaddrig sagt:

    Stimmt.

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  12. dasmanuel sagt:

    Bullshit Bingo. In jeder Besprechung beliebt.

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  13. gnaddrig sagt:

    Irgendwie muss man ja wachbleiben…

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  14. Aristobulus sagt:

    … jemineh!, welch grauenbehaftet aufgeblasenes Un-nein Antiwort ist eigentlich dieses Industrielösung?
    Das, worum es sich da scheints handelt, löst ja keine Industrie, und es ist auch keine Lösung für die Industrie. Weia, da wird suggeriert, dass ein Vorschlag (für irgend Verkäufe oder irgend Herstellung, nicht?) eine Lösung eines Problems sei.

    Hmm, wie nennt sich dieser Jargon, Werbisch, nicht? Da geht es um die Idee des Verkaufens, nein, um die Wichtigkeit des Verkaufens, ähmnein, um das Getriebe des Verkaufenmöchtens. Nein, es geht um die Idee, die jemand kriegen soll, der was kaufen will, nein könnte, nein!, sollen müsste.
    Ja?

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  15. gnaddrig sagt:

    Genau, es geht darum, dem potenziellen Kunden einzureden, dass er das, was man im Angebot hat, unbedingt braucht, sodass er das am Ende selbst unbedingt haben will und es kauft und glaubt, es sei seine eigene großartige Idee gewesen.

    Die Industrielösung ist die falsch rückübersetzte industry solution, was ein auf die Anforderungen einer bestimmten Branche abgestimmtes Softwarepaket ist. Wieso das Lösung heißt, erschließt sich mir aber auch nicht recht.

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  16. Aristobulus sagt:

    dem potenziellen Kunden einzureden usf.: Aha!, eine win-win-Situation.

    – Solution, von lat. solutio, Auflösung?, also wollen diese Industrielösungen den Fleiß auflösen ( weil industria, lat. Fleiß). Waah.
    Man kommt ihnen auf die Spur!, es spitzt sich zu.

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  17. gnaddrig sagt:

    Das ist jetzt eine andere Art Marktforschung 😀

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  18. Achim sagt:

    Nun, „Lösung“ soll suggerieren, dass man als Kunde mit dem angebotenen Produkt (i.d.R. komplizierte, schwerfällige und teure Softwarepakete – ich habe in der Branche mal gearbeitet und weiß, wovon ich spreche 😉 ) ein Problem oder eine Aufgabenstellung löst. Dagegen kann man eigentlich nichts haben… – wenn nicht der Spruch eines Kollegen gelten würde „Immer wenn ich SAP anfasse, wird es teuer und kompliziert.“.

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  19. gnaddrig sagt:

    Achim, der Kollege hat wohl recht. Andererseits, wenn man die betreffenden Aufgaben von Hand und in selbstgestrickten Excel-Dateien erledigen lässt, wird es weder billiger noch einfacher.

    (Wusstest Du, dass viele Anbieter von Massively Multiplayer Online Role-Playing Games ihre Dialogtexte vielfach in Excel-Dateien kopieren und völlig ohne Kontextinformation von freiberuflichen Übersetzern übersetzen lassen? Ein Bekannter von mir hat bis vor ein paar Jahren solche Firmen als Hauptkunden gehabt. Wenn Dir in so einem Spiel Dialoge merkwürdig vorkommen, weißt Du jetzt, warum. Es liegt nicht daran, dass die Übersetzer ihr Geschäft nicht verstehen, sondern daran, dass die Anbieter nicht verstehen, wie übersetzt wird bzw. was Übersetzer brauchen, um ihre Arbeit gut zu machen.)

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  20. Achim sagt:

    Klar hat der Kollege recht, ich habe doch selbst mal bei der Firma mit den drei weißen Buchstaben auf blauem Grund gearbeitet… Jetzt bin ich auf die Kundenseite gewechselt und bade es aus ;-|

    Nee, die Art der Übersetzung kannte ich nicht. Wenn ich selbst gefragt werde, wie ein bestimmtes Wort auf Englisch heißt, ist in 50% der Fälle meine Gegenfrage: „Kannst du mir den ganzen Absatz zeigen?“

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  21. gnaddrig sagt:

    Genau, Kontext, Kontext, Kontext, ohne kann man nicht übersetzen, sondern nur Wörter übertragen. Dann weißt Du nicht, ob check number nun Nummer prüfen heißt oder Schecknummer, oder so.

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  22. aurorula a. sagt:

    Weia, da wird suggeriert, dass ein Vorschlag (für irgend Verkäufe oder irgend Herstellung, nicht?) eine Lösung eines Problems sei.
    Hmm, wie nennt sich dieser Jargon,

    Bei allem, was auf ~lösung ausgeht, grenzt die Antwort auf die Frage, wie sich dieser Jargon nennt, zumindest für mich in manchen Situationen an: „LTI“. Etwa wenn es um Nahostpolitik geht: gruselig! Weshalb ich das Wort mehr oder weniger nur im chemischen Kontext (etwa in „isotonische Kochsalzlösung“) schreibe. Oder in der Mathematik, „Ergebnis“, a la „Summe“, „Differenz“, „Quotient“ oder „Produkt“. Ich schreibe nur selten über Mathematik, merke ich gerade 🙂

    Aber überhaupt: Produkt. Auch das gibt es sowohl in der Mathematik als auch in der Chemie, als Ergebnis einer (mathematischen oder chemischen) Gleichung. In ersterer steht auf der „anderen Seite“ die Multiplikation, in letzerer, die Edukte. Was kaum jemanden interessiert, es sei denn beim schreiben eines Wörterbuchs. Griechisch.
    Griechisch, „Produkt“ ist griechisch, wie auch das Silbermedaillien-Geschäfts-Blähwort (die Goldmedaillie geht, wie gesagt, an „Produkt“): „Synergie“. Im Griechisch-Wörterbuch wäre das „Zusammenarbeit“, im Geschäftsleben heißt es, wie auch „Produkt“, hauptsächlich „Ääääh…“. Mein Lieblingsspiel für langweilige Fortbildungen ist mitzuzählen, wie oft die Referenten den Begriff sagen. Die Spitzenreiterin brachte es auf unglaubliche etwa hundertzwanzig Mal in zwanzig Minuten, also fast alle dreißig Sekunden einmal. Fast jedesmal völlig redundant (gr.). Oder perliquide (lat.), je nach bevorzugter Fremdsprache, bien sûr (fr.).

    Was traurig ist, weil ein völlig treffender, schöner neuer Begriff als Füllsel endet. Fremdwörter sind doch was tolles! Deutsche Äquivalente zu „master of disaster“ oder „Apocalypse wow“ (schonwieder gr.) klingen sämtliche irgendwie dröge. Oder lame, je nach bevorzugter Fremdsprache. „Chaos-„, wegen dem Disastermaster, ist übrigens auch wieder griechisch; es gäbe auch noch das iwrit-„Tohuwabohu“. Auch wieder ein sehr schönes (Fremd-)Wort. Sprachen wachsen auseinander, wenn jemand einen treffenderen oder schöneren oder besseren Begriff hat: warum auch nicht?

    Was ich noch viel interessanter finde: dabei wird auch eine Menge ausprobiert und vielleicht wieder fallengelassen. Wenige sagen heute zur Fahrkarte „Billet“, und auch nicht mehr soviele „Ticket“ wie noch vor zwanzig Jahren, momentan wird „Karte“ ausprobiert. Auch wenn das nicht die Sorte ist auf der ein Stadtplan ist. Meistens. Wer weiß, wieviele der englischen und/oder griechischen Begriffe das nächste Jahrhundert erleben; wie „Billet“ es auch nicht hat?
    Und das allerinteressanteste überhaupt ist, daß Protest „X heißt doch nicht U!“ gerade bei Sprachforschern sehr beliebt ist: daran lässt sich nämlich nachvollziehen, wann jemand eben doch zuerst „X“ für ein U genommen hat. So findet man etwas heraus über die Evolution von Sprache(n). Gewusst wie. (:

    Fun fact (sic), die zweite: eine mir bekannte Deutschlehrerin verbessert mich, meinen Protesten zum Trotz, jedesmal auf „Pampelmuse“, wenn ich „Grapefruit“ sage. Wahrscheinlich solange, bis sie sich einmal beim von mir mit Obst in der Hand geäußerten Satz: „Das ist eine Pomelo, eine Kreuzung aus Grapefruit und Pampelmuse“ etwas ratlos zwischen allen drei Pflanzen verhaspeln wird. Bis jetzt habe ich einige Pomelos gegessen (die sind lecker!), aber noch nicht zusammen mit der Deutschlehrerin. Make of that, what you will.

    Und zum Schluss, a propos Kontext, noch ein Satz zum ausprobieren von Übersetzungsprogrammen, frisch aus dem Internet auf den Tisch: Time flies like an arrow; fruit flies like a banana.

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  23. aurorula a. sagt:

    Mist, Produkt ist natürlich Latein.
    So kanns gehen, wenn ich weder das eine noch das andere spreche und dann vermute ;(

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  24. gnaddrig sagt:

    Griechisch, Latein, egal. Hauptsache bildungsbürgeradäquate Fremdsprache 🙂

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  25. […] lange Vorträge vortragen, noch und nöcher, bis zum Abwinken. Dann lässt man sie das Gehörte ausführlich diskutieren. Anschließend kann man dann die einen zurück ans Zeichenbrett schicken, die anderen in einen […]

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