Forschung für den Alltag

Wissenschaftlern um Paul Kry von der McGill University in Montreal, lese ich eben, haben anscheinend eine Drohne gebaut, die Grafitti an Wände malt. Bisher tupft das Ding noch Punkte mit einem Schwamm an die Wand. Das ist nicht die gewohnte Sprüherei, aber erstens ist eine Sprühdrohne sicher grundsätzlich auch denkbar – ein bisschen Forschung, ein bisschen geniales Dilettantentum, dann geht das schon. Und zweitens muss man ja auch nicht immer sprühen.

Es gibt einiges an Grafitti in Edding, und warum sollte nicht auch jemand anfangen, Grafitti zu tupfen? Alles, was grau-langweilig-brutalistisch-apokalyptische Autobahnbrücken und Betonwände ein wenig bunter und weniger deprimierend aussehen lässt, kann ja eigentlich nur gut sein, oder?

Bleibt nur zu hoffen, dass jetzt nicht unzählige Drohnen ausschwärmen und alle verfügbaren Oberflächen mit Che Guevara (wirklich, Herr Kry, war das wirklich nötig?), der Banane oder sonstwelchen Standards vollklecksen. Stattdessen könnten ernstzunehmende Künstler statt zur Dose zur Drohne greifen und an unzugänglichen und passenden weithin sichtbaren Stellen interessantes grafittieren. Echte Kunst von echten Künstlern für echte Menschen – das wäre doch was? Ich wäre dafür! Also forschen Sie weiter, Herr Kry, forschen Sie weiter! Das ist, sagt er, grundsätzlich auch eines der Fernziele – Unterstützung von Künstlern an unzugänglichen Stellen. Und Farbe wäre auch nicht übel, bisher ist das ja nur schwarzweiß.

P.S.: Das wäre außerdem eine höchst elegante Retourkutsche an Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Drohnen zum Aufspüren und Ausräuchern von Sprayern einsetzen und damit – zugegeben – manchen Schaden an rollendem Gut, aber eben auch manches sehenswerte Wandbild verhindern.

P.P.S.: Ich habe diesen Text geschrieben, während ich den Auftritt von Blind Guardian in Wacken per Live-Stream gehört und dabei ein wenig im Internet herumgelesen habe.

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5 Kommentare on “Forschung für den Alltag”

  1. aurorula a. sagt:

    Nicht alle Transportunternehmen lehnen Graffiti so grundsätzlich ab wie die Bahn. Ein Münchner UBahn-Wagen fuhr jahrelang mit einem sehr schönen Kunstwerk durch die Stadt: irgendjemand hatte auf ein Fenster und die Seitenwand drunter täuschend echt eine zusätzliche Tür gemalt. Die Stadtwerke haben zwei „Tür defekt“-Schilder draufgeklebt, das Bild wie gesagt behalten und sogar irgendwann einmal in einer ihrer Zeitschriften abgedruckt.

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  2. gnaddrig sagt:

    Man kann bei der Bahn aber auch schöne Sachen machen. Hier hätte man sauberer arbeiten sollen, aber die Idee hat was 🙂

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Irgendwann sind die Drohnen mit genügend K. I. ausgestattet, um eigene Kunstwerke zu errichten. Vielleicht sogar gegen unseren Willen, und dann wünschen wir uns die Sprayer zurück, die man wenigstens per Fuß hinterher jagen konnte 😉

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  4. gnaddrig sagt:

    Da haste auch wieder recht. Spielverderber! Andererseits wird es, liest man in der Zeitung, ungefähr 2044 sowieso soweit sein, dass der Mensch von Nanobots durchseucht in ewige Jugend gezwungen wird und die K.I. alles übernimmt. Da kommt es auf ein paar eigenmächtige Gafittibots auch nicht mehr an…

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  5. aurorula a. sagt:

    Hier, das Bild habe ich gerade über eine bekannte Suchmaschine gefunden (der Autor steht dabei; jedenfalls bin das nicht ich!):

    Nicht derselbe Zug, aber die gleiche Idee (:

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