Verkannt

Der Mülleimer für Recyclingmüll in der Küche ist ein bisschen voll. Also, ziemlich voll. Der Deckel geht nicht mehr zu und es fängt an, dass bei Durchzug einzelne Teile dort ins Rutschen kommen und abstürzen. Da die Versorgung der Mülleimer meine Aufgabe ist, wird die, sagen wir’s freundlich, Bitte an mich herangetragen, da doch vielleicht mal was zu unternehmen.

Meine Erklärung, der Müll sei gar nicht zu voll, das sei vielmehr Absicht, ich wartete nämlich darauf, dass der Müllberg auf dem Eimer durch sein Gewicht den Müll im Eimer zu einem sauberen, soliden Block komprimieren würde, den in die Mülltonne zu tragen dann wesentlich lohnenswerter wäre als so eine lose mit fast nur Luft gefüllte Mülltüte. Diese Erklärung also verfängt nicht recht.

Dann fange ich an, mein Fernziel in Sachen Müllentsorgung zu beschreiben: Wenn da genug Müll angehauft sei, müsste ein winziges Schwarzes Loch entstehen, das dann unseren Müll einfach rückstandsfrei fräße. Dazu müsste man den Müllberg natürlich noch ein wenig wachsen lassen, damit es die nötige kritische Masse erreiche. Bevor ich mit meinen Ausführungen besonders weit gekommen bin, wird dieser visionäre Höhenflug mit einem Augenrollen abgewürgt. (Das Augenrollen gilt dem Müll, der da weg soll, nicht den Blüten meines Erfindergeistes.)

So ist ein vielversprechender Feldversuch im Bereich der nachhaltigen Abfallwirtschaft im Keim verdorrt, was sage ich, ausgejätet worden. Dabei wäre das erstens genial (einfach) und zweitens ziemlich umweltschonend gewesen, da das Schwarze Loch ja nicht einmal Lichtverschmutzung übrig gelassen hätte, geschweige denn üble Gerüche oder gar giftige Reste.

Und wofür liest man jetzt diesen ganzen Wissenschaftskram, wenn man die dort geernteten Lesefrüchte dann nicht einmmal in die Praxis umsetzen darf?

Advertisements

6 Kommentare on “Verkannt”

  1. <– Team Augenrollen.

    Gefällt 1 Person

  2. maranaZ3 sagt:

    😀

    Auch in unserm Haushalt sieht sich seit seinem Eintritt ins Rentenalter unser so- oder besser selbst[ge]ernannter Haushaltungsvorstand zuständig für die Müllentsorgung. Irgendwann sah ich mich gemüßigt, diese seine neue Verantwortung zu skizzieren.

    Gefällt mir

  3. gnaddrig sagt:

    🙂

    Haushaltungsvorstand haben wir in der Form nicht. Es hat sich nur eben so eingebürgert, dass der Müll meine Domäne ist. Ich bin da, scheint’s, auch am Robustesten, und dann mache ich das eben…

    Gefällt mir

  4. Richtig nachhaltig wird Dein schwarzes Loch, wenn der Müll als recycelter Rohstoff in einer anderen Galsxie durch ein wurmloch wieder rauskommt. Oder halt, wenn das Wurmloch zwei verschiedene Zeiten verbindet, dann könnten wir heute unsere Glasflaschen reinwerfen und in einem Monat kommen sie dann eingeschmolzen als Rohglas irgendwo wieder raus. Man muss also nur die Wurmlöcher entsprechend vierdimensional verlegen.

    Gefällt 1 Person

  5. gnaddrig sagt:

    Das mit den Zeiten hört sich gut an, in der Richtung sollte man mal weiterdenken 😀

    Gefällt 1 Person

  6. Arnim Sommer sagt:

    Ich empfehle zu dem Thema „Quantenmüll“ von Andreas Eschbach…

    Gefällt 1 Person


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s