Am Strand

Am Strand. Ich baue an einer recht großen begehbaren Sandburg (meine Mädchen eigentlich auch, die sind aber grad unterwegs, Wasser holen, Muscheln suchen, irgendwas in der Art). Das Ding ist noch ziemlich unfertig, besonders prächtig ist der Rohbau jedenfalls nicht.

Drei Jungs in Badehosen kommen vorbei, bleiben stehen und schauen mir beim Bauen zu. Sie sind sehr interessiert, voller Energie, erinnern von der Ausstrahlung eindeutig an Michel von Lönneberga. Der jüngste mag 11 sein, der älteste 13, und der hat eine ziemlich gute Systemkamera umhängen.

Er (in breitem Dialekt): Was wird’n das?
Ich: Ne Sandburg, wo man reingehen kann, mit Sitzbank und Tisch.
Er: Darf ich das fotografieren?
Ich: Klar, gern.
Ich gehe zur Seite, während er verschiedene Blickwinkel ausprobiert und ein paar Bilder schießt.

Er: Wir sind nämlich nicht von hier.
Ich: Ah…
Er: Wir sind aus’m Saarland

Als würde das alles erklären. Ich mag Leute, vor allem Kinder!

** * **

Selber Strand, selbe Sandburg, anderer Tag.

Zwei Jungs, ca. 3 und 5, von einem der Nachbarstrandkörbe sind sehr interessiert. Sie schauen uns zu, einer trägt ein Eimerchen voll Sand bei und baut ein Stückchen Mauer mit. Als wir am Nachmittag nach zuviel Zeit in der Sonne zusammenpacken, frage ich die beiden, ob sie auf unsere Burg aufpassen, damit niemand die kaputtmacht. Eine echte Bewachung hatte ich nicht im Sinn, zumal die beiden ja auch in absehbarer Zeit den Strand würden verlassen müssen. Ich wollte eher erreichen, dass sie selbst die Burg nicht unbedarft kaputtspielen.

Der Ältere versichert mir mit großem Ernst: Wir passen auch gut auf, dass das niemand kaputtmacht. Wenn… [kurze Denkpause] ein kleinerer Junge kommt, sagen wir dem das.

Klar, für fremde Leute in den Krieg gegen größere Rabauken zu ziehen und sich da vielleicht noch blutige Nasen zu holen wäre auch ein bisschen viel verlangt gewesen. Ich mag Kinder wirklich sehr!

** * **

Leider waren an „unserem“ Stück Strand ein paar Leute unterwegs, die systematisch Sandburgen kaputtgetreten haben, jeden einzelnen Tag. Unser Bauwerk ist mehrmals fast völlig zerstört worden. Ein Park mit einem Dutzend sehr kunstvoller Sandskulpturen ist mehrmals zertrampelt worden, andere Sandburgen ebenfalls.

Das war auch kein Versehen. Hätte ja sein können – es kann schon passieren, dass man mal nicht hinschaut und unversehens eine Sandburg erwischt, oder dass jemand nachts über den Strand tigert und dabei das eine oder andere plattmacht. Das hatte System, bin ich sicher. Die Art, wie die Fußabdrücke immer sehr deutlich und mitten auf etwas Gebautem auftauchten, scheint mir das nahezulegen. Die Trampler waren immer barfuß unterwegs, von der Größe ganz wahrscheinlich größere Kinder, und jemand hat ein paar Pubertierende von ferne beim Zerstören einer Sandburg beobachtet, vielleicht waren die das. Unerfreulich, aber was will man machen. Mich nachts oder frühmorgens auf Wache zu legen und womöglich mit ein paar verzogenen Konfirmanden aneinanderzugeraten war mir dann doch zu blöd, da kann man ja nur verlieren.

Meine Töchter haben sich damit beholfen, den jeweiligen Neubau als „Idiotenfalle“ zu deklarieren – wir bauen das jetzt mal und schauen, ob die Blödmänner morgen auch noch da sind, vielleicht reisen die ja irgendwann mal ab. Wenn der Neubau morgens wieder zertrampelt war, waren sie fast befriedigt: Die Idiotenfalle hat funktioniert.

So war das Bauen das Vergnügen, nicht das Gebauthaben oder das Bauwerk an sich. Das ganze hatte damit auch viel mehr künstlerischen Wert als vorher, von wegen Vergänglichkeit und so. Und mittlerweile ist von dem ganzen sowieso nichts mehr übrig, Sand hat nur unwesentlich mehr Gedächtnis als Wasser. Dafür hat es Spaß gemacht, und darum ging es sowieso nur.

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6 Kommentare on “Am Strand”

  1. Achim sagt:

    Wor haben bei einem Nordseeurlaub vor vielen Jahren (ich war in der Grundschule, also vor seeehr vielen Jahren) den Vandalen eine Falle gestellt und Strandgut „eingebacken“. Nett war das nicht, aber Rache ist süß.
    Und dann gibt es noch die Geschichte aus dem großen miners‘ strike in Großbritannien 83/84. Vor einer bestreikten Grube hatten die Streikposten eine Reihe von Schneemännern aufgestellt (es war ein für die Insel harter Winter). Ein aggressiver Polizist hat die mit dem Streifenwagen der Reihe nach plattgemacht, bis er auf den stieß, dessen Kern ein massiver Betonpoller war 😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Der Gedanke, pieksige Sachen in die Sandburg einzubauen, ist mir auch gekommen. An einem benachbarten Strandkorb hat einer von rostigen Nägeln fantasiert. Das wäre dann aber deutlich zu aggressiv gewesen und vermutlich strafrechtlich heikel. Außerdem hätten sich da auch Unbeteiligte verletzen können, und spätestens das hätte ich nicht verantworten wollen.

    Das mit dem Poller ist natürlich genial-fies, aber zur Deeskalation hat es sicher eher nicht so beigetragen…

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  3. Achim sagt:

    Deeskalation war bei Thatcher vs. Scargill ohnehin nicht so weit oben auf der Liste der Prioritäten…

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  4. gnaddrig sagt:

    Das ist natürlich auch wahr, da haben ja beide Seiten ordentlich zugelangt.

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  5. kiddothekid sagt:

    Ahahahaha, die Saarländer! Ich bin auch eine – wir sind generell komisch, aber liebenswert.

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  6. gnaddrig sagt:

    Liebenswert war das auf alle Fälle. Hätte aber sicher auch mit Kindern aus Bayern oder Berlin oder so passieren könnnen. Und auf die eine oder andere Art komisch sind wir doch alle irgendwie, oder?

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In den Wald hineinrufen

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