Die i-te Wurzel aus Pi?

Nun hat mich dann doch wieder ein Bockstöckchen getroffen, diesmal vom Kollegen Pfeffermatz. Beim letztenmal hatte ich bereits ein paar Überlegungen zu dieser Art Zeitvertreib angestellt, das muss ich also hier nicht nochmal durchkauen und kann darum direkt zur Beantwortung der Fragen kommen. Also:

Erstens: Was ist die i-te Wurzel aus Zwei?

Gibt es nicht. Die Zwei ist nur ein Hirngespinst ohne jeden Realitätsbezug und daher nicht radizierbar.

Zweitens: Was wäre deiner Meinung nach der vielversprechendste Ansatz, um den Nahost-Konflikt zu lösen?

Ist die Frage nicht ein paar Nummern zu groß? Das ist doch locker Weltrettungs- und Friedensnobelpreisniveau. Und wenn ich ehrlich sein soll, sehe ich keine vielversprechenden Ansätze, deren Umsetzung auch nur im Entferntesten erreichbar erscheint.

Der einfachste und vernünftigste Weg zur Lösung: Alle kommen zur Vernunft, sehen ein, dass sie sehr wohl friedlich und zum gegenseitigen Nutzen zusammen- oder doch wenigstens nebeneinanderherleben können. Leider völlig unrealistisch, so lange in der Region dort in Bezug auf eine der Konfliktparteien landauf landab von Ungeziefer geredet wird, das es ins Meer zu treiben und zu vernichten gilt.

Drittens: Hegst du besondere Gefühle für die Zahl Pi oder für Primzahlen oder für sonstige besondere Zahlen?

Nein, eigentlich nicht. Gut, Pi mit dem nicht endenden Rattenschwanz von Nachkommastellen finde ich durchaus faszinierend, und ich kann immerhin die paar Stellen auswendig, die mein Schul-Taschenrechner anzeigt (3,1415927).

Primzahlen finde ich auch einigermaßen faszinierend, die sind ein witziges Kuriosum der an witzigen Kuriosa wahrhaftig nicht armen Mathematik. Sie befolgen allerhand merkwürdige Gesetzmäßigkeiten, und man kann jede natürliche Zahl, die größer als eins und selbst keine Primzahl ist, durch Multiplikation einer individuellen, für diese Zahl eindeutigen Reihe von Primzahlen darstellen. Skurril, das.

Ansonsten habe ich früher gern die wild aus der Luft gegriffene nach ästhetischen Gesichtspunkten sorgfältig komponierte Zahl 97.546,8   als launiges Synonym zu sehr viele verwendet. Heute kürze ich das meist auf 97 ab oder sage gleich sehr viele. Aber besondere Gefühle entdecke ich da eher nicht in mir.

Viertens: Was ist die furchtbarste frei verkäufliche Schokoladensorte?

Schokolade mit Chili ist aus meiner Sicht grundsätzlich nicht zum Verzehr geeignet, mit Salzkaramell auch nicht. Ganz schlimm ist auch Schokolade mit Gummibärchen. Dann schon lieber die legendäre Knoblauch-Nuss-Schokolade.

Schokolade mit kandierter Gewürzgurke gibt es zum Glück noch nicht, ebensowenig die Sorten Parmesan-Rucola-Litschi-Creme, Hanfkeks und Kürbissorbet.

Fünftens: Wenn du einen eigenen Zwergstaat gründen dürftest, wo würdest du ihn hinsetzen? Warum?

Auf einen Zwergstaat würde ich, glaube ich, dankend verzichten. Die Emigration in eine innere Ich-AG als Zwergstaat ist für mich keine Alternative, ebensowenig der Beitritt zu einem Staatsersatzgebilde aus dem reichsbürgerlichen Dunstkreis.

Stattdessen würde ich mir einfach das diesjährige Bruttoinlandsprodukt oder meinetwegen den Betrag der Staatsausgaben eines beliebigen, international anerkannten europäischen Zwergstaats steuerfrei auszahlen lassen.

Sechstens: Kannst du dir eine positive mathematische Größe vorstellen (ein „epsilon größer null“, also), die kleiner als alle positiven Zahlen ist?

Vielleicht die sogenannte schwarze Null in der Betriebswirtschaft.

Siebtens: Glaubst du, dass Gerhard Schröder den Putin immer noch knorke findet?

Ich bin mir nicht sicher, ob er den wirklich so knorke fand oder ob das damals nicht eher gewöhnlicher Opportunismus den (vermeintlichen?) politischen Sachzwängen geschuldetes PR-Theater war. Viel interessanter finde ich aber die Frage, ob er die Agenda 2010 heute immer noch gut findet und was jemand mit diesem feuchten BWL-Traum überhaupt in der SPD verloren hatte.

Achtens: Wenn du einen Tag mit einer historischen Persönlichkeit deiner Wahl verbringen könntest, wen würdest du wählen, und warum?

Wirklich nur mit einer Persönlichkeit? Da fällt mir die Auswahl schwer. Fanny Hensel (die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy), Gottfried Wilhelm Leibniz, Sigismund von Herberstein, Leonardo da Vinci, Walther von der Vogelweide, Cædmon, Jesus von Nazaret, Marcus Tullius Cicero, Ötzi, um nur ein paar zu nennen.

Nur – wie verständigt man sich mit den Leuten? Sprache, Kultur, Denk-, Sprech- und Hörgewohnheiten dürften sich von den unseren ja doch sehr deutlich unterschieden haben, je weiter zurück in der Zeit desto mehr…

Neuntens: Hast du spürbare Angst vor zukünftigen, unpersönlichen Ereignissen (Klimawandel, Aufstieg des Populismus, Terror)?

Angst nicht. Diese Dinge machen mir Sorgen, natürlich, aber spezifisch Angst habe ich keine.

Den Klimawandel werde ich sicher noch zu spüren bekommen, meine Kinder erst recht, und vor allem letzteres finde ich nicht gut. Ich ärgere mich, dass fast nichts passiert, um die bekannten Folgen der beobachteten Erderwärmung abzuwenden, während die Probleme, die Risiken und der rapide schrumpfende Spielraum für eine einigermaßen verträgliche Lösung bekannt. Eine Klimakonferenz nach der anderen endet mit diplomatischen Glanzleistungen im Stil von „Man sollte unbedingt und möglichst schnell xyz, aber die anderen zuerst“ oder „Wer, wir? Die anderen sind viel schlimmer!“ Es werden stapelweise Papiere verabschiedet, und am Ende schafft man es kaum, hier mal ein Kilogramm CO2 einzusparen oder dort mal ein Kilogramm Plastik weniger zu verschwenden.

Der Populismus ist anscheinend ein Ding, das in Wellen steigt und fällt, so eine Pendelgeschichte. Jetzt sind mal wieder autoritäre, oft rechtslastige Populisten im Kommen – Orbán in Ungarn, die PiS in Polen, Erdoğan in der Türkei; die FPÖ in Österreich, der Front National und besonders Marine Le Pen in Frankreich stehen in den Startlöchern, Trump in den USA auch. Die deutsche AfD steht hechelnd am Rand des Spielfeldes und will auch mitlaufen. Ob es mit denen schlimm wird, weiß ich nicht. Gut möglich, dass die sich selbst zerlegen, bevor sie zu viel Schaden anrichten können, oder dass diese Welle bricht, bevor sie alles überflutet wie in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts.

Der Terrorismus ist schon eine angstmachende Erscheinung, gerade wo er jetzt wieder mal um sich greift. Aber es ist wohl immernoch deutlich wahrscheinlicher, an Krebs zu sterben oder bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen als durch einen Terroranschlag. Von daher mache ich mir um mich und meine Familie keine großen Sorgen deswegen.

Zehntens: Könnte es ein Universum mit anderen physikalischen oder sogar mathematischen Konstanten geben?

Was weiß ich, vielleicht ist unser Universum ja eigentlich ganz anders und es hat nur noch niemand gemerkt?

Elftens: Wird es in fünfzig Jahren noch üblich sein, ein Auto zu besitzen?

Sicher. Wenn ich bedenke, dass man uns seit Jahrzehnten spätestens für das Jahr 2000 fliegende, abgasfreie selbststeuernde Autos vorausgesagt hatte, kostenlosen sorglosen Wohlstand für alle, Siedlungen auf dem Mond/Mars/wer-weiß-wo (näheres hier) und wir es trotzdem bis heute noch immer nicht geschafft haben, uns der Abschaffung des Verbrennungsmotors wenigstens auf Sichtweite zu nähern, dürfte diesem Fortbewegungsmittel noch einiges an Existenzzeit bleiben. Die Mehrheit der Bevölkerung wird die individuelle Motorisierung wohl auch nicht freiwillig aufgeben.

Es wird also wohl Autos geben, egal mit welcher Art Antrieb, und jemand wird sie besitzen. Vermutlich werden mehr Leute als jetzt ihre Autos nicht mehr kaufen sondern sie nur leasen oder sharen, sodass die Autos zunehmend Banken und Leasinganbietern gehören.

** * **

Soweit zu den Fragen von Pfeffermatz. Jetzt kommen meine eigenen elf Fragen:

  1. Musik: Beatles oder Stones?
  2. Zahlen: Eulersche Zahl oder Pi?
  3. Urlaub: Berge oder Strand?
  4. Computer: Apple oder PC?
  5. Information: Zeitung oder Internet?
  6. Fitness: Studio oder Natur?
  7. Armbanduhr: Analog oder Digital?
  8. Schuhe: Elegant oder bequem?
  9. Lektüre: Bildung oder Unterhaltung?
  10. Trinken 1: Tee oder Kaffee?
  11. Trinken 2: Wein oder Wasser?
  12. Predigen: Wasser oder Wein?

Diese Fragen kann man als Abklappern des aktuellen Status quo interpretieren, als Streifzug durch persönliche Vorlieben oder Wünsche. Muss man aber nicht, man kann das auch sehr schön als Aufhänger für Grundsatzdiskussionen nehmen. Oder als Augsgangspunkt zu stichwortgetriggerten Freistilimprovisationen.

** * **

Und zu guter Letzt muss ich das Ding hier weiterreichen. Eigentlich. Aber, hm, also, ich stelle das jetzt einfach mal hier in den Raum, und wer sich angesprochen fühlt, kann es aufnehmen und weiterspinnen.

 

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5 Kommentare on “Die i-te Wurzel aus Pi?”

  1. Yadgar sagt:

    O.k., hier mal meine Antworten:

    1. Beatles natürlich! Die Rolling Stones haben doch abgesehen von ihrer kurzen Psychedelic-Eskapade „Their Satanic Majesties Request“ (mit „2000 Light Years From Home“ und einigen anderen Perlen) nichts wirklich Interessantes zustande gebracht – kennt man eine Stones-Platte, kennt man alle! Und dass Mick Jagger & Komplizen im fortgeschrittenen Greisenalter immer noch den wilden Mann machen… hmm, ich würde es am ehesten „bizarr“ nennen. Im Gegensatz zu Klassik, Jazz, Folk oder elektronischer Instrumentalmusik à la Vangelis oder Klaus Schulze ist und bleibt Rock ein Jugend(revolte)-Ding, das jenseits der 40 unglaubwürdig wird…

    2. Pi! Mangels Mathematikstudium weiß ich nicht einmal, wozu die Eulersche Zahl überhaupt gut sein soll, Pi dagegen begegnet mir beim Programmieren mit POV-Ray ständig.

    3. Berge – machen ästhetisch und topographisch einfach mehr her (sind allerdings auch elend anstrengend, wenn ich da zu Fuß hoch muss…), wobei ich unter „Bergen“ jetzt allerdings nicht unbedingt die Alpen verstehe, sondern… der geneigte Yadgar-Fanboy kann es sich sicher denken! Strand darf es maximal an einem Binnensee (von denen es in Afghanistan nicht sooooo viele gibt…) sein, mein Horror vor Quallen lässt im Prinzip keinen Urlaub am Meer zu!

    4. Weder noch – der Commodore 64 ist das Maß aller Dinge!

    5. Weder noch – Radio! Kostet abgesehen von der GEZ-Gebühr fast nichts (das bisschen Strom fällt nicht ins Gewicht), ist nahezu überall verfügbar und, am wichtigsten: es ist streng unidirektional, man muss sich also nicht mit Userkommentarspalten-Meinungsmüll herumärgern! Nachteil: Lesen geht deutlich schneller als Hören…

    6. Bis auf weiteres Studio – anders werde ich meine Wampe (BMI zur Zeit 42) nicht los!

    7. Digital – aber nicht am Arm, sondern als Tachofunktion am Fahrradlenker!

    8. Bequem! Und natürlich auch brown when in town!

    9. Bildung… wenn ich vor lauter Internet-Gedaddel mal dazu käme!

    10. Kaffee!!! Am liebsten intrazerebral durch die Fontanelle direkt rein in die Rübe, auf dass die Synapsen Samba tanzen… als Hobby-Programmierer geht nichts Anderes!

    11. Wasser! Um nicht ständig siffige Plastik-Mineralwasserflaschen erneuern zu müssen, habe ich mir vor einem halben Jahr tatsächlich eine 2-Liter-Bombe italienischen Billig-Weißwein („Lorenzo“) angelacht, den Wein eiskalt ins Klo gekippt, nachgespült und habe seither eine immer saubere Nachfüllmöglichkeit für meine Tagesdosis acqua comunale!

    12. Weder noch – das Predigen ist nicht so mein Ding!

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  2. cimddwc sagt:

    Aus deiner Frage 1 sag ich mal: Mott The Hoople – Under Pressure. Und wer jetzt die Zusammenhänge, die mir da in den Sinn gekommen sind, nennen kann, gewinnt… äh, nichts außer meinem Lob. 😉

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  3. gnaddrig sagt:

    Da passe ich und bleibe ungelobt. Die Band zu finden war einfach, aber wie Under Pressure da reinpasst, weiß ich nicht.

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  4. cimddwc sagt:

    Dann werd ich’s mal verraten: Die Frage hat mich an den Text des wohl bekanntesten Mott-the-Hoople-Liedes „All the Young Dudes“ erinnert („And my brother’s back at home with his Beatles and his Stones / We never got it off on that revolution stuff“). Das Lied hat David Bowie geschrieben. Der hat einige Jahre später mit Queen „Under Pressure“ aufgenommen. Und Queen waren 1973 und 1974 Vorgruppe von MTH (und hatten dabei 1974 ihre ersten USA-Auftritte).

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  5. gnaddrig sagt:

    Sehr elegant, der Zusammenhang, eine triviakundliche Meisterleistung. Für Nichtkenner aber höchstens mit unverhältnismäßigem Aufwand herauszufinden. Danke jedenfalls für die Erleuchtung 🙂

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