Wo hochfrequent Öffentlichkeit passiert

Standarddeutsch (umgangssprachlich: Hochdeutsch) ist eine halbkünstliche Sprache. Anders als Italienisch, (Aristobulus hat recht, s.u.) Französisch oder Spanisch ist es nicht die zur Amtssprache beförderte Sprache der Hauptstadt(region), sondern eine Art zunächst für die Schriftlichkeit geschaffene Ausgleichssprache. Luthers Bibelübersetzung wird als Meilenstein in der Entstehung des Standarddeutschen angeführt, und deshalb ist es sicher kein Zufall, dass die von Luther mitgeprägte Sprache stark von ostober- und ostmitteldeutschen Elementen geprägt ist und gewisse Anlehnungen an die sächsische Kanzleisprache aufweist.

Jedenfalls gibt es keine Gegend, in der ursprünglich Hochdeutsch gesprochen wird, es ist überall mehr oder weniger fremd. An dem Ort, wo man angeblich das beste Hochdeutsch spricht (Hannover), spricht man in Wirklichkeit Dialekt, oder vielmehr spricht man das Hochdeutsche so aus, wie man vorher Niederdeutsch gesprochen hat. Und das bis ins frühe 20. Jahrhundert als bestes Hochdeutsch geltende Prager Deutsch war ebenfalls eine künstliche Ausgleichssprache, die aus politischen Gründen entstand und Verbreitung fand (näheres hier). Beide besten Hochdeutsche wurden ironischerweise von Leuten geprägt, die ursprünglich keine hochdeutschen Muttersprachler waren.

Aber egal wo es herkommt und warum es sich verbreitet hat, Hochdeutsch ist seit langem das Vehikel für Gesetze, Verordnungen und offizielle Verlautbarungen aller Art; es ist im Rundfunk, in Behörden und vielfach im Alltag gebräuchlich und wird überall im deutschsprachigen Raum (mehr oder weniger) verstanden. Es eignet sich gut zum präzisen Formulieren komplexer Sachverhalte, auch wenn die resultierenden Texte oft (unnötig) kompliziert und sperrig sind.

Gehobenes Hochdeutsch wird hauptsächlich von Leuten mit höheren Bildungsabschlüssen gepflegt, Dialekt wird dagegen zumindest im niederdeutschen Raum eher als Zeichen für fehlende Bildung gesehen. Über Dialektsprecher rümpft man unter Bildungsbürgern oft ein wenig die Nase (an meiner süddeutschen Uni hat mal ein norddeutscher Kommilitone ziemlich süffisant vorgeschlagen, Dialektsprechen doch zu verbieten, das sei ja nicht mitanzuhören, und das Lästern über mundartlich geprägte Aussprache war unter hochdeutschen Studierenden leider ziemlich verbreitet).

Hochdeutsch ist also unter anderem ein Elitespielzeug des Bildungsbürgertums und der Akademia, das oft zur Abgrenzung gegenüber Nichtfachleuten oder einfach weniger Gebildeten verwendet wird. Ich war beispielsweise mal (aus Gründen!) bei der feierlichen Eröffnung einer Ausstellung in einem Verein für moderne Kunst in Norddeutschland, da wurden die Ansprachen tatsächlich in reinstem Feuilleton gehalten, das hätte alles exakt so in der FAZ oder Zeit stehen können. Passend dazu wird in den Kultursendern der verschiedenen Landesrundfunkanstalten oft dieselbe Art sprachliche Spreizerei betrieben.

Der unerreichte Großmeister dieser Art hochdeutscher Bildungssprache ist aber der Deutschlandfunk. Dort haben sie neulich in gebildeter Runde gepflegt über das für und wider des kürzlich von Bundesinnenminister de Maizière angestrebten Ausbaus der Kameraüberwachung des öffentlichen Raums geplaudert. (Das machen sie dort oft, plaudern. Diskutieren wäre zu engagiert, dafür ist man zu abgeklärt. Sich unterhalten ist zu vulgär, und streiten tut man sich sowieso nicht. Also wird geplaudert.)

Im Rahmen dieses Gesprächs war auch die Rede von Stellen, an denen viel los ist. Von sehr belebten öffentlichen Plätzen, von Plätzen mit viel Publikumsverkehr. Gesagt haben sie dazu Plätze, an denen hochfrequent Öffentlichkeit passiert. Kurzes Stutzen am Radio, aber nachvollziehbare Formulierung: Da ist viel Volk unterwegs. Viele Leute – viel Öffentlichkeit. Ständiges Kommen und Gehen – hochfrequent. Und das alles passiert dann eben.

Diese Wortwahl – passiert – ist ein Geniestreich, ein augenzwinkerndes Kokettieren mit der Umgangssprache, die das Sprachniveau der Konversation nicht etwa an normales Umgangsdeutsch annähert sondern es im Gegenteil erst recht davon abgrenzt. Hätten sie geschieht oder stattfindet gesagt, wäre es trockene, seelenlose Angebersprache gewesen. So aber hängt man der Sendung eine kleine ironische Brechung um wie ein Lätzchen, ein Sehen Sie mal, wir könnten auch mit Wasser kochen, tun wir aber nicht, dafür sind wir nämlich viel zu, ähm, sophisticated. (Überblenden in eklektische Pausenfüllmusik)

Ich habe nichts gegen Hochdeutsch, im Gegenteil. Ich spreche es als Muttersprache, da ich so gut wie ohne Dialekt aufgewachsen bin. Ich habe auch nichts gegen gestelzten Stil, den pflege ich auch mit viel Spaß an der Freude (an mir, hat mal wer gesagt, sei ein unerträglicher Jurist verlorengegangen), ironischerweise gerade in diesem Text, in dem ich über die sprachliche Snobberei im Deutschlandfunk herziehe. Je nach Stimmung, Gesprächsthema und Anwesenden spreche ich selbst auch manchmal komplizierter als andere schreiben. Aber ich bilde mir wenigstens ein, das meistens nicht allzuernst zu nehmen…


30 Kommentare on “Wo hochfrequent Öffentlichkeit passiert”

  1. Heike Hautz sagt:

    http://www.janko.at/Zitate/Themen/Gebildete%20Umschreibungen.htm

    „Bei der intendierten Realisierung der linguistischen Simplifizierung des regionalen Idioms resultiert die Evidenz der Opportunität extrem apparent, den elaborierten und quantitativ opulenten Usus nicht assimilierter Xenologien konsequent zu eliminieren!

    Zur Vereinfachung der Muttersprache erscheint es sehr sinnvoll, nicht so viele schwierige Fremdwörter zu benutzen. „

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  2. maranaZ3 sagt:

    Mir passiert selten hochfrequente Öffentlichkeit und ich meide tunlichst eine solche. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass mir in dieser Hinsicht auf Grund meines fortgeschrittenen Alters durch das Erreichen der altersgerechten Unbedeutsamkeit die Freiheit zur Vermeidungstaktik vergönnt sei. Jedoch liebe auch ich die gestelzte Sprache als satirisches Stilmittel, aber auch „ich bilde mir wenigstens ein, das meistens nicht allzu ernst zu nehmen…“, sonst hätte ich schlicht und ergreifend geschrieben: „So ist es,“ oder hätte nur ein „Like“ markiert.
    Na denn.
    🙂

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Der Begriff „passiert“ war doch sicherlich im Sinne von „läuft (odet fährt) vorbei“ gemeint, und nicht als „geschieht“. Wie beim Passierschein.

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  4. gnaddrig sagt:

    Hm, interessanter Gedanke, da war ich gar nicht drauf gekommen. Allerdings glaube ich nicht, dass es so gemeint war – die Öffentlichkeit ist ja keine Entität, die an einer bestimmten Stelle vorbeigeht, sondern eher ein Zustand, der gegeben ist oder eben nicht. Obwohl, Öffentlichkeit im Sinne von „die gesamtheit des anwesenden oder anwesend sein könnenden Publikums“ wäre vielleicht schon als Entität mit einer Art Schwarmintelligenz zu verstehen, aber ob die dann an einer bestimmten Stelle kommt und geht? Ich weiß nicht…

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  5. Aristobulus sagt:

    Die Vokabel „passieren“ ist nicht hochdeutsch oder gar Bildungssprache, sie kommt aus dem Landsknechtdeutsch. Gossensprache, diese.
    Diese Lehnworte (letztendlich sind ja auch sonst die meisten Worte Lehnworte, wenn nicht gar alle) stammen allesamt aus dem Romanischen, aus den Gegenden, in denen deutsche Landsknechte sie etwa vom 16. Jh bis zum 30jährigen Krieg aufgeschnappt haben. Passieren kommt aus dem Italienischen oder Französischen, in beiden Sprachen (cualcosa sta passando, quelquechose se passe) bedeutete das Wort damals: Geschehen, vorübergehen (Personen oder Ereignisse).

    Es gibt noch viele Landsknechtworte im heutigen Deutschen. Unterschied zur guten Sprache: Sie stammen zwar alle aus dem Romanischen (so wie ubiquitär, insinuieren, apriorisch, usf.), sind aber grob, so wie kapieren, übern Löffel balbieren, piesacken (von it. saccare), usw. usf.

    Ach ach, ernstes Thema, so lehrerhaft🙂

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  6. gnaddrig sagt:

    Dann ist „passieren“ ja die perfekte Würze für gelehrten Brei, Herr Lehrer🙂

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  7. Aristobulus sagt:

    … noch was zum Hochdeutschen: Nein, das Wort (welches nu schon wieder?, ähm, hochdeutsch) ist kein umgangssprachliches Wort. Es bezeichnet die Herkunft – im Gegensatz zum Niederdeutschen. Hochdeutsch stammt von der Sprache ab, die Walter von der Vogelweide und Neidhard von Reuenthal schrieben. Also der Südwesten. (So wie Hochrhein – Niederrhein.)

    Und hmmm, künstlich im Sinne von Mache? Und nirgendwo hingehörig im Sinne von heimatlos, und eisig klirren die Fahnen? Nein, nein.

    Gelobt sei die Künstlichkeit in dieser Sprache, denn sie hat was mit Kunst zu tun (Dichtung, Bühnenkunst überhaupt, Rhetorik allemal). Hingegen die Umgangssprachformen vom Land geben das nicht her. Die zischeln, verschlucken Silben, bellen, usw. usf.

    Zur Herkunft: Wer auf der Bühne stand, musste seine Sprache so schleifen, dass der Inhalt klar hevortrat. Wie machte/macht man das: Indem man eine Hochsprache spricht. In Italien war das das Florentinische, bereinigt und präzisiert für die Bühne, und in Frankreich war das nicht etwa der Pariser Fischhändlerdialekt!, sondern eine höchst künstliche (im Sinne von kunstvolle) Selbstschinderei, um sich gut auszudrücken. Die Literatur des 17. Jhs ist voll davon, da steht das drin, wie es da so war mit der Erschaffung einer anständigen Sprache, denn man wollte ja nicht renaissancehaft grob und gargantuesk bleiben.

    Was ich hier in Deutschland (seitdem ich hier bin) nicht verstehe: Dass praktisch jeder (jeder!), der nicht irgendwo auf der Bühne auftritt und also an seiner Sprache gefeilt hat, sich schon beim ersten Satz, den er redet, anmerken lässt, wo er aufgewachsen ist. Warum? Wozu muss der Redeweise so die Scholle anzuhören sein?
    Tja.

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  8. Aristobulus sagt:

    P.S.
    „Plätze, an denen hochfrequent Öffentlichkeit passiert“ ist übrigens reiner Jargon. Also Wort für Wort Jargon. Baaah😀😀

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  9. gnaddrig sagt:

    Warum man ganz vielen Deutschen meistens wenigstens ungefähr anhört, wo sie herkommen? Weil das normal ist, wenn sich die Mundarten über lange Zeiträume in einigermaßen eigenständigen Bevölkerungsgruppen entwickelt haben (bestes Beispiel ist da die sehr zerklüftete Dialektlandschaft der Deutschschweiz, die teils eine Folge der Isolation durch die Berge sein dürfte) und kein Oberhoncho dem Land eine Standardsprache mit Gewalt eingebläut hat wie das in Spanien und Frankreich der Fall war, wo einige alte mediterrane Kultursprachen ausgestorben wurden. Und trotzdem hörst Du in Spanien auch bei vielen, wo sie ungefähr herkommen. Ob man die Leute dort nach Dörfern auseinanderhören kann wie in der Pfalz, weiß ich nicht. Aber Madrid oder Gegenden wie Galizien, Estremadura, mehrere Sorten Andalusien u.a.m. kann man oft heraushören. In Frankreich ist das meines Wissens ähnlich, in Italien auch, ebenso in England (und im Kaukasus gibt es nur deshalb kaum Dialekte, weil jedes dritte Dorf gleich seine ganz eigene Sprache hat).

    Und wenn lokale oder regionale Kultur zur Identität gehört, gibt es keinen Grund, das zu verstecken oder sich abzugewöhnen. Warum soll man es auch nicht hören? Man isst und trinkt ja volkstümlich auch in Bayern anders als in der Pfalz, im Harz oder in Mecklenburg. (Wenn man natürlich nicht Döner, Hamburger oder sonstwelches bundeseinheitliche oder internationale Standardessen isst und dazu Fernsehbier oder Zuckerbrause nimmt.) Da kann man auch lokal geprägt sprechen. Ich fände es langweilig, wenn alle dasselbe glattpolierte Bühnendeutsch sprächen. Überall Deutschlandfunk – gruselige Vorstellung. Dann sollte man besser gleich vollständig auf eine Weltsprache umstellen…

    (Mit dem Italienischen hast Du natürlich recht, dem liegt das Florentinische zugrunde, da habe ich nicht aufgepasst. Aber Französisch ist tatsächlich die Sprache von Paris. Natürlich nicht der Fischweiber sondern der seinerzeitigen Mover und Shaker aus Paris.)

    Hochdeutsch mag kein umgangssprachliches Wort sein, es wird aber umgangssprachlich verwendet, wenn eigentlich von Standarddeutsch die Rede ist. Dass Hochdeutsch eigentlich auf die Dialekte südlich der Benrather Linie verweist, deren einige die Grundlage für das Standarddeutsche bilden, wissen die wenigsten und ist im Alltag ja eigentlich auch egal.

    tl;dr: Ich habe (ganz überwiegend allermeistens ziemlich nicht ganz un-) recht😉

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  10. aurorula a. sagt:

    Damit wird ja der Passant, der unschuldige, zum Gemeinen.

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  11. gnaddrig sagt:

    Ja, aber „Gemeiner“ im Gegensatz zu „Adeligen“, nicht im Sinne von „Fieser“.

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  12. Aristobulus sagt:

    Hui, und der VW-Passat wird glatt zur Karre 🙂

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  13. Aristobulus sagt:

    … wobei Passant</em wieder hochsprachlich ist; übernommen en direct du français gegen Ende des 18. Jh, als es wichtig war, dass man gesittet flanierte, um den Demoisellen Reverenz zu erweisen.

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  14. aurorula a. sagt:

    Fieser geht immer.😈

    Und im Jargon wird die Karre ganz schnell zu Teekanne, falls an den Himmel gehoben (umgangssprachliche Bezeichnung des Sternbilds ursa major in Deutschland: großer Wagen; dasselbe in Großbrittanien: the teapot).

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  15. aurorula a. sagt:

    P.S: Karre und Kanne – und es liegt doch an der Aussprache.

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  16. Aristobulus sagt:

    Auch die Knarre. Die knarrt wie Deine Teekanne, wenn die Briten sie wieder nicht geölt haben.

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  17. gnaddrig sagt:

    Da würde ich fast erwarten, dass sie statt Auto bzw. Teapot dann irgendwann nur Russell’s sagen…

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  18. gnaddrig sagt:

    Wobei man Bier (Schwedisch: Öl) sicher auch aus der Teekanne ausschenken kann, und wenn man dann ölt, läuft alles entspannter.

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  19. Yadgar sagt:

    Enä! Die bruche mer he nit, die bestussten Interlekturelle, die Eierköpp vun de Unitäte, nit ens Kölsch schwaade künne, äwwer uns kleine Lück op dr Täsch lieje! Wat dunn die dann usser decke Sprüch maache vun wäjen „restringierter Code des Arbeitermilieus“? Die han doch all et Schoss erus, han die! Rülps!

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  20. Aristobulus sagt:

    Mich dünkt, dass Gnaddrig zwar zum Glück was gegen Jargon-Intelletelle und allerlei scheingebüldete Schwafler des Staatsfunks hat, dass er jedoch so’n jenerellet Intellektuellenbashing eher nicht gemeint hat.😉

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  21. Aristobulus sagt:

    Aber er hat’s geleikt. Wegen äschten Kölschs? Soll sein.

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  22. gnaddrig sagt:

    Nö, ächtes Kölsch mag gar nicht so. Außer, wo wir’s vom Öl hatten, Früh, das ist gut.

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  23. gnaddrig sagt:

    Was Intellektuelle und deren Bashing angeht: Wenn die ihre Bildung (oder, je nachdem, Scheinbildung) nicht allzu penetrant raushängen lassen, vor allem gegenüber denen mit dem (im mancher Hinsicht vielleicht wirklich, oft genug aber auch nur vermeintlich) restringierten Code, tritt ihnen auch niemand drauf, ob generell, versehentlich oder sonstwie.

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  24. Achim sagt:

    @ Aristobulus: Ähem, nein. „Hochdeutsch“ im Sinne von Standarddeutsch basiert gerade nicht auf oberdeutschen Dialekten, sondern im Wesentlichen auf ostmitteldeutschen. Luther schrieb „nach der sächsischen Kanzlei“, die Herren Schottelius und Gottsched inter alii machten es ähnlich. Was mit zwei Dingen zu tun hat: Der relativ modernen Verwaltung in Meißen, die mitsamt Sprachgebrauch zum Vorbild wurde, und der wirtschaftlichen Bedeutung des sächsischen Raums in jener Zeit.
    Hochdeutsch wird meines Wissens auch nicht synonym für Oberdeutsch (als Sammelbegriff für die oberdeutschen Dialekte, im Großen und Ganzen Alemannisch, Fränkisch und Bairisch) gebraucht, sondern als Synonym für Standarddeutsch.

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  25. Aristobulus sagt:

    Gut, Achim, das kann man etwa so beim Wikipedischen lesen, nicht? Da steht jedoch nicht, woher eben diese meißnerische Kanzleisprache des 16. Jhs kommt. Die kommt just aus dem Südwesten (12. Jh.), wo bereits Hochkultur herrschte, als man in Meißen noch halbwegs in Erdlöchern, usf.

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  26. Achim sagt:

    @ Aristobulus: Ja, kann man😉 Aber Wikipedia hat im Grunde bestätigt, was ich seinerzeit im Studium gelernt habe. Die Sprache der „sächsische Kanzlei“ mag Wurzeln im oberdeutschen Raum haben (aber wenn, dann eher ostoberdeutsch, und Luther selbst hat vor allem beim Wortschatz im Zweifelsfall das Fränkische bevorzugt, um möglichst weithin verstanden zu werden), hat aber im Gegensatz zum Alemannischen (und dem Niederdeutschen) die neuhochdeutsche Diphthongierung mitgemacht.

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  27. gnaddrig sagt:

    Jedenfalls liegt dem Standarddeutschen eine Kombination aus südlich der Benrather Linie gesprochenen bzw. geschriebenen Dialekten zugrunde, d.h. das sind nicht nieder- sondern hochdeutsche Dialekte, von denen die oberdeutschen eine Untergruppe sind.

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  28. Aristobulus sagt:

    Klar hat’s diese Diphtongierung mitgemacht🙂 . Nicht auszudenken, wenn es die nicht mitgemacht hätt‘, sondern eine andere Diphthonghierunk!, etwa die mittelostoberfränggische, die ist besonders schlimm, ungleich schlimmber noch als die ohnehin sehr schlimmbe ostmeißnerische, nein neuhochfränkisch-obersächsische.
    Pardon. Nix für Ungut.

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  29. Lakritze sagt:

    Sprachhistorie außen vor: Ohne Dialekt aufgewachsen sein fand ich und finde es doof. Das wäre Zweisprachigkeit gewesen; ein ganzes Ausdrucksregister, über das ich nicht verfüge. Ich beobachte das gerade bei einem achtjährigen Landzuzug: redet wie ein Buch, aber schimpft auf Platt; toll. Ich mag es auch, zu hören, wo ich gerade bin – Vielfalt, und die Verständigungsprobleme sind zu vernachlässigen bis unterhaltsam. Genauso gern hab ich aber auch das Verschwurbelte, Verkünstelte, Verzierte und Verworrene, sogar das in Maßen schön Fehlerhafte, wofern es gut gemacht ist. (Das einzige, was ich beim Korrekturlesen rundweg ablehne, ist Juristisches. Bah!)
    Und die passierende Öffentlichkeit: hach! Da hat, via Herrn Gnaddrig, eine einzige Formulierung eine ganze Kommentarspalte unterhalten; alle Achtung. Bonus: die hübschen Vorstellungsbilder dazu …

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  30. gnaddrig sagt:

    Danke, Lakritze, darum geht’s ja vor allem: Spaß soll’s machen und unterhalten🙂

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