Nicht für Kinder geeignet

Vor einer Weile habe ich eine Dose Whisky Fudge geschenkt gekriegt. Das sind (nach einem traditionellen Rezept von Hand gemachte!) Karamellbonbons mit etwas (natürlich auch nach alter Tradition handwerklich hergestelltem) Whisky – „A generous measure of Edradour Malt Whisky is added to the fudge with the full permission of Signatory Vintage Scotch Whisky Co. Ltd. to impart a delicious flavour.“

Vermutlich wegen des Whiskys steht auf der Packung auch: Nicht für Kinder geeignet. Leuchtet ein, Kindern gibt man keine alkoholhaltigen Süßigkeiten. Weinbrandbohnen, Schnapspralinen, Ostereier mit Eierlikörceme (die meine Oma uns Kindern trotz zunehmend genervtem Einspruch meiner Eltern Jahr um Jahr mitbrachte, ich fand die aber sowieso eklig), Bonbons mit Apfelkornfüllung, so Sachen, und eben Whisky Fudge.

Ein großzügiger Schuss Whisky im Karamell ist vielleicht nicht so kindgerecht heutzutage (Früher war das anders, wo man Kindern Bier zu trinken gab, weil das verfügbare Wasser meistens mörderisch verkeimt war. Oder wo man Schnuller in Cognac tauchte, damit die Babys leichter einschliefen. Da war die allgemeine Lebenswerwartung aber auch so niedrig, dass die wenigsten es bis zur Leberzirrhose schafften und die Spätfolgen sich kaum je manifestieren konnten. Anders gesagt: Saufen war damals nicht weniger ungesund als heute, nur starben die meisten, bevor das wirklich griff, an anderen Ursachen.)

Kein Alkohol für Kinder also, ganz zurecht. Interessant ist nur die Menge Whisky in dem Zeug. Laut Zutatendeklaration sind da 0,2 % Whisky auf 100 g Produkt drin. Auf die 300-Gramm-Dose käme damit ungefähr ein Teelöffel Whisky. Edradour Single Malt wird mit 40 Volumenprozent Alkoholgehalt abgefüllt und verkauft, der Fudge enthält also 0,08 % Alkohol. Den Unterschied zwischen Volumen- und Gewichtsprozent vernachlässige ich mal, bei der Größenordnung dürfte das kaum ins Gewicht fallen.

Wegen dieser 0,08 % Alkohol soll man das Zeug nicht an Kinder verfüttern, dabei können alltägliche Lebensmittel schon deutlich mehr Alkohol enthalten: Fruchtsaft bis zu 0,3 %, frisches Brot bis zu 4 g pro Kilogramm (also 0,4 Gewichtsprozent), vollreife Bananen immerhin bis zu 1,2 %. Fünf solche Bananen sollen ungefähr einem kleinen Bier entsprechen, trotzdem gelten vollreife Bananen als unbedenklich für Kinder und sogar für trockene Alkoholiker. Da kann dieser Whisky Fudge eigentlich nicht wirklich ein Problem darstellen, oder?

Es wird auch eher die Ausnahme sein, dass ein Kind in einem Rutsch das Gewicht einer Banane (gut 100 g) in Fudge isst. Sogar nach der advents- und weihnachtszeitlichen Trainingssaison mit der daraus resultierenden Hochform dürften die meisten Kinder spätestens nach dem Gegenwert der dritten Banane langsam grünlich im Gesicht werden und das Zeug bald wieder von sich geben, und nicht wegen dem Alkohol…

 

Advertisements

2 Kommentare on “Nicht für Kinder geeignet”

  1. Yadgar sagt:

    Stellt sich jetzt nur noch die Frage, ob Whisky Fudge halal ist… ich meine, der Koran verbietet ja nur den Wein, nicht das härtere Zeug (weshalb ein Freund von mir – http://www.ismailmohr.de – auch keine Probleme mit Bier oder Mon Cheri hat, aber Wein ist ganz iiiih!)…

    Gefällt mir

  2. gnaddrig sagt:

    Es gibt anscheinend alkoholfreien „Whisky“

    Gefällt mir


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s