Zu spät

Nachmittags an einer Straßenbahnhaltestelle. Ein Mann steht auf dem Bahnsteig, raucht, wechselt über die Schienen ein paar Worte mit Bekannten, die auf dem Bahnsteig gegenüber stehen. Eine Straßenbahn fährt ein, hält, die Türen öffnen sich, Leute steigen ein und aus. Die Türen schließen sich, gleich fährt die Bahn weiter.

Vom Ende des Bahnsteigs kommt eine Frau mit einer Einkaufstasche gelaufen, um die Bahn noch zu erwischen. Sie drückt den Knopf an der hinteren Tür, die Tür öffnet sich, die Frau steigt ein. Gleichzeitig setzt sich der Mann in Bewegung, drückt den Knopf an der nächsten Tür, aber die geht nicht auf, der Fahrer hat die Knöpfe wohl abgeschaltet, nachdem die Frau eingestiegen war.

(Das machen sie manchmal, weil sie sonst schlimmstenfalls noch minutenlang nicht wegkommen, weil immer kurz vor Abfahrt noch jemand kommt und eine Tür öffnet. Wenn die Bahnen im Zehnminutentakt verkehren, ist eine verpasste Bahn meistens auch wirklich keine Katastrophe. Und der Spätentschlossene hatte ja die ganze Zeit am Bahnsteig gestanden, anders als die Frau vorher, da war es eigentlich auch keine Frage von Zug verpassen und so.)

Seine Tür geht also nicht auf. Er zuckt die Schultern und schlendert mit einem bedauernd geäußerten Zu spät an der noch offenen Tür vorbei, wo die Frau eingestiegen ist, und verliert sich im Großstadtdschungel.

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2 Kommentare on “Zu spät”

  1. Lo sagt:

    Er hat mit Bedaueren einen fahren lassen. 😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Kann man so sehen 😀

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In den Wald hineinrufen

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