Durchlaucht

Durchlaucht ist einer der etwas abstrusen Titel und Attribute, mit denen sich Fürsten und Regenten zur Flickenteppichzeit Deutschlands schmückten (oder mit denen sich ihre Hofschranzen bei ihnen einzuschmeicheln versuchten, wer weiß das schon, vermutlich ist es eine Mischung aus beidem).

Das mit den Titeln nahm teilweise wirklich lächerliche Ausmaße an. Durchlauchtigster Erzherzog, Gnädigster Großherzog und Herr oder so, Seine Durchlaucht geruhen, in dem Stil ging das dann, und nur ein ganz erwählter Personenkreis durfte dem betreffenden Herrgöttle überhaupt ungestraft unter die Augen treten.

(Herablassung galt damals übrigens als etwas Positives. Wenn der Fürst sich nämlich herabließ, einen Untertan überhaupt wahrzunehmen und ihn sogar selbst anzusprechen, nicht auf Augenhöhe, bewahre, aber doch tatsächlich wie einen echten Menschen, und sich aus seiner allerdurchlauchtigsten Höhe herabließ, den Bauern womöglich nach seinem Namen zu fragen und ob er denn zufrieden sei und wie sein Erstgeborener heiße und ob der auch solch ein braver Bauer werden wolle, guter Mann, weiter so, dann war das eine Auszeichnung und wurde noch den Enkeln mit Stolz und Dankbarkeit erzählt.

Andere sind nicht selten mit ein paar Stockhieben nach Hause gegangen oder gleich lebenslang – und das konnte kurz sein – im Kerker verschwunden. Herablassung war ein Zeichen von Größe des betreffenden Fürsten, Zeugnis seiner Großartigkeit und gleichzeitig seiner Menschlichkeit.)

Die Herleitung des Wortes durchlaucht, die gängige Etymologen liefern, ist natürlich Unsinn. Durchleuchtet, strahlend, hell, serenissimus, völliger Blödsinn. Das Wort kommt von Lauch. Porree. Stangenknoblauch. Und durchlaucht ist man, wenn einem der Lauch durch den Unterleib schießt. Zwiebelsuppe zum Anregen der Darmtätigkeit.

So geht Etymologie Volksetymologie! Zum Glück passiert das ziemlich selten…

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6 Kommentare on “Durchlaucht”

  1. Yadgar sagt:

    Die Quelle für deine Herleitung von Lauch bzw. Lauchfürzen (praaaaaaap!) würde mich allerdings schon mal interessieren… ohne Quellenangabe hat das etwas von Fake News, findest du nicht?

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  2. gnaddrig sagt:

    Ach, jetzt kommt der so…

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  3. HIhi, richtig muss es heißen: „So geht Volksetymologie.“ Allerdings ist die Herleitung von Lauch recht hübsch. Übrigens der Freiherr von Knigge hat einiges über das Verhältnis und Verhalten gegenüber dem höhern Adel geschrieben und sich u.a bitter darüber beklagt, wie nachlässig und gleichgültig ein Fürst mit ihm verfahren ist.

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  4. gnaddrig sagt:

    Stimmt, es müsste Volksetymologie heißen, das ändere ich grad mal unauffällig. Und was wollte von Knigge – der Fürst konnte sich das halt erlauben, der musste sich nicht benehmen. Das hat ja neuerdings auch wieder Konjunktur…

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  5. Achim sagt:

    Und wenn der Fürst einen mit „Du“ anredete, war schon was gewonnen, nämlich eine Stufe rauf vom „Er“ 😉

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  6. gnaddrig sagt:

    Genau.

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