Erinnerungen

Mitzi Irsaj hat einen anrührenden Text geschrieben, in dem ein bestimmter Geruch sie ungefragt immer wieder in Erinnerungen zurückreißt, die sie eigentlich lieber ruhen ließe. Beim Lesen musste ich an ein Lied von Patent Ochsner denken, in dem es um das Ende einer Beziehung geht, um die Bemühung, die Spuren dieser Beziehung möglichst vollständig zu tilgen und in den unschuldigen Zustand von vorher zurückzukehren, wieder ein unbeschriebenes Blatt zu werden: Weißes Papier.

Den Text kann man hier mitlesen, und weil das Berndeutsche den allermeisten Nichtschweizern zu fremd sein dürfte, biete ich hier noch eine Übersetzung an:

Ich nehme deine Katze und schüttle sie aus,
bis alles aus ihr herausfliegt,
was sie je aus meiner Hand gefressen hat.
Und später klopfe ich noch die Decke aus.

Und find ich in der Decke ein Haar von mir,
dann stecke ich es einfach ein.
Weil nichts soll dir böse Erinnerung sein,
verraten, was ich für dich war.

Sag nicht, dass das nicht nötig wäre,
am Anfang ist’s einfach, erst später wird’s schwer,
wenn wieder auftaucht, was früher war.
Dann doch lieber so rein und so dumm sein wie weißes Papier.

Ich werde in Zukunft auch ein anderer sein
als der, den du in mir gesehen hast.
Die Hose, die Du mir gestrickt hast,
bringe ich beim Roten Kreuz vorbei.

Ich fresse am Boden, fresse mit den Händen,
ich glotz in die Glotze und kotz an die Wände.
Alles, was dich ärgert, lobe ich mir.
Ich werde einfach und rein und so dumm sein wie weißes Papier.

Nicht einmal das Meer habe ich wieder gesehen,
wo der Wind deine Haare vermisst,
wo jede Welle ein Seufzer
und jedes Sandkorn am Strand ein Blick von dir ist.

Am liebsten wäre ich ein Astronaut
und flöge auf Sterne, wo gar nichts vertraut
und versaut ist durch eine Berührung von dir.
Ich werde nie mehr so rein und so dumm sein wie weißes Papier.

Mir scheint, das passt ungefähr zu Mitzis Text, auch wenn hier nicht von Gerüchen die Rede ist, die Trennung noch frisch ist und im Lied eine gewisse Zornigkeit über die durch das Ende gerissene Lücke anklingt, während Mitzi das letzte Duft-Atom endlich loswerden will. Und gleichzeitig das richtige After Shave finden. Jedenfalls sind die Wehmut, die Sehnsucht, die Lücke, glaube ich, ganz ähnlich.

P.S.: Eben entdecke ich, dass Patent Ochsner das Lied von Element of Crime gecovert haben. (Zuerst hatte ich hier geschrieben, EoC hätten die wunderbare Vorlage von PO kaputtgecovert. Dann habe ich aber zum Glück nochmal genau hingeschaut und den Irrtum bemerkt. So kann’s gehen, wenn man nicht aufpasst und voreilige Schlüsse zieht.)

Also haben EoC das Lied nicht verdorben, sondern PO haben das Potenzial des Stücks erkannt und aus der – wie ich finde – etwas holperigen und eher nicht so toll abgelieferten Vorlage ein großartiges, intensives und stimmiges Lied gemacht. Dabei hat Büne Huber von Patent Ochsner den Text leicht bearbeitet, und deshalb lasse ich meine Übersetzung seiner Version hier stehen.

Advertisements


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s