Interkontinental

Es gibt Länder, deren Staatsgebiet sich auf mehr als einen Kontinent verteilt: Erstmal die Türkei mit einem Zipfelchen Land und gut einer halben Metropole in Europa und dem Rest in Asien. Dann Russland, das seit der Zeit von Boris Godunow aus Europa über den Ural an China vorbei bis an den Pazifik gewachsen ist.

Man könnte sich streiten, welches der beiden Länder kontinentübergreifender ist. Die Türkei hat mit Istanbul die einzige Stadt der Welt, die sich auf zwei Kontinente verteilt. Dafür ist der europäische Teil der Türkei winzig im Vergleich zum asiatischen Rest. Russland hat dagegen sein Kernland und den größten Teil der Bevölkerung in Europa, aber immer noch viel Volk und einen riesigen Batzen Land in Asien und nimmt von beiden Kontinenten einen größeren Teil ein als die Türkei.

Die heutige Türkei ist der zurechtgeschrumpfte Rest des dermaleinst ziemlich großen Osmanischen Reichs, das vor ein paar Hundert Jahren auch einen guten Teil Nordafrikas hielt und damit großzügig auf drei Kontinenten vertreten war (ähnlich wie das Römische Reich lange vorher), während Russland in der Hinsicht ein Neuling ist und erst vor fünfhundert Jahren überhaupt ernsthaft anfing, sich nach Süden und Osten auszudehnen.

Allerdings war Russland auch mal über drei Kontinente verteilt. Als die Russen nämlich am Pazifik angekommen waren, zogen sie umgehend weiter nach Alaska und die Westküste Nordamerikas hinab, mit durchaus imperialistischen Absichten. Das russische Amerika-Abenteuer ging im 19. Jahrhundert zuende, als Russland erst die glücklose Jagd- und Handelsniederlassung Fort Ross in der Gegend von San Francisco an einen Privatmann verkaufte und später Alaska für 7,2 Millionen Dollar an die USA abtrat.

Egal, neben diesen beiden wirklich interkontinentalen Ländern gibt es noch ein paar, die mittels eines Tricks auch irgendwie dazugehören – sie erklären einfach irgendwelche Überseebesitzungen zum eigenen Staatsgebiet:

Den Vogel schießt Frankreich ab mit seinen Überseedepartements in Nordamerika, der Karibik, Südamerika, Afrika und dem Pazifik (keine Ahnung, ob man die zu Australien zählt, zu Asien oder ob man sie ganz extra laufen lässt). Auf mehr Kontinenten ist heute jedenfalls kein Land vertreten.

Dann gibt es die Niederlande mit Bonaire, Sint Eustatius und Saba in der Karibik. Portugal mit den vor Afrika gelegenen Azoren und Madeira. Spanien mit der Exklave in Ceuta und Melilla in Nordafrika.

Anders als ich dachte gehört das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland mit Gibraltar, den Falklandinseln und einer ganzen Reihe weiterer abhängiger Gebiete in aller Welt nicht dazu – die abhängigen Gebiete gehören zwar dem Vereinigten Königreich, sind aber nicht britisches Staatsgebiet. Das mag bürokratische Erbsenzählerei sein, lässt sich aber nicht ändern.

P.S.: Narnia mit seinen Enklaven in Kleiderschränken in England zählt auch nicht wirklich.

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9 Kommentare on “Interkontinental”

  1. Lo sagt:

    Und was ist mit Lummerland?
    😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Was soll damit sein? Eine Insel halt, oder?

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Ägypten fällt mir noch ein? Der Sinai gehört meines Erachtens zu Asien, und das ist ganz ohne koloniales Schummeln.

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  4. gnaddrig sagt:

    An Ägypten hatte ich gar nicht gedacht, hast recht. Kurzer Blick bei Wikipedia liefert folgende Information: Die Sinai-Halbinsel liegt auf der Afrikanischen Platte zwischen dem afrikanischen Kontinent und der arabischen Halbinsel, von der sie geologisch durch den Jordangraben getrennt ist. Sie ist geographisch Asien zugeordnet.

    Also ist die Antwort bei Ägypten ein klares Jein…

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  5. Ronny sagt:

    Die kanarischen Inseln sind spanisches Staatsgebiet und befinden sich auf der Afrikanischen Platte, zählt das auch? An der Auflistung ändert sich nichts, da Spanien ja die bereits erwähnten Enklaven besitzt.

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  6. gnaddrig sagt:

    Zählt bestimmt, war ich aber zu faul zu recherchieren, weil Spanien ja sowieso schon qualifiziert war.

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  7. Yadgar sagt:

    Was ist eigentlich mit Panama? Liegt die Cordillera de San Blas (östlich des Panamakanals) noch in Nord- oder schon in Südamerika?

    Seit dem 11. März 1984 zählt außerdem auch Afghanistan (wieder) zu den interkontinentalen Staaten: http://www.assoziations-blaster.de/blast/Bergisch-Afghanistan.1.html

    http://www.assoziations-blaster.de/blast/timur.10.html

    http://www.assoziations-blaster.de/blast/Herzog.8.html

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  8. Achim sagt:

    Die Franzosen differenzieren ja zwischen „DOM“ und „COM“; also „départements“ und „collectivités d’outre-mer“. Die DOM sind den Departments der „France métropolitaine“ geichgestellt, bei den COM gibt es feine Unterschiede bzgl. EU-Zugehörigkeit, Schengen, Status und Währung…

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  9. gnaddrig sagt:

    Stimmt, das ist teils recht verwickelt. Alle sind aber französisches Staatsgebiet, und mit Guadeoupe und Martinique in der Karibik, Französisch-Guayana vor Südamerika, Réunion und Mayotte vor Afrika hat Frankreich (und die EU, nicht aber „Schengen“) Staatsgebiet in beiden Amerikas und in Afrika. Und Frankreich (aber nicht die EU) ist dann mit Französisch-Polynesien und in Wallis und Futuna noch im Pazifik vertreten. Schräg und faszinierend, das.

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