AQualtit#ät

Bekanntlich wird ja alles immer schlimmer. Immer. Schlimmer. Alles. Ich erlebe Sachen, das hätt’s früher nicht gegeben. Und ich rede hier nicht von der angeblich zunehmend verlotterten, respekt- und kulturlosen Jugend oder der unterstellten kulturimperialistischen Verwässerung der deutschen Sprache oder so. Sondern von Hosentaschen.

Bin das nur ich, oder werden die Hosentaschen von Jeans seit Jahren aus immer mieseren Stoffqualitäten genäht? Früher, also bis ein paar Jahre in dieses Jahrtausend hinein, habe ich  meine Jeans getragen, bis sie an den Knien oder am Hintern durchgescheuert waren. Die Hosentaschen waren nie ein Problem.

Seit vielleicht zehn Jahren habe ich ständig Löcher in den Hosentaschen. Nicht hinten, wo das Portemonnaie irgendwann eine Ecke durch den Stoff schickt, sondern vorn, innen, in der Schlüssel-und-Kleingeld-Tasche. Auch früher kamen Löcher in Hosentaschen durchaus mal vor. So alle vier, fünf Jahre einmal vielleicht. Praktisch unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, kein großes Ding.

Aber jetzt? Ist die Hose erstmal drei oder vier Monate* alt, fängt es an. Alle paar Wochen* merke ich, dass mir Kleingeld durch das Hosenbein rieselt. Die Schlüssel bleiben meist in der Kniegegend hängen (wenn das Loch überhaupt so groß wird, dass die da durchpassen, was aber selten vorkommt, weil ich das meist vorher entdecke und flicke). Also muss ich dann schnell die betroffene Hosentasche evakuieren und den Inhalt bis zur Reparatur anderweitig unterbringen.

Und deshalb sitze ich jetzt zweimal die Woche* abends in Unterhosen am Küchentisch und bügele Flicken auf meine Hosentaschen. Ich komme kaum hinterher, die Hosen werden mehr Zeit gebügelt als getragen und tragen nach spätestens einem Dreivierteljahr* ihr Eigengewicht in Bügelflicken mit sich. Die mehrschichtigen Flicken tragen auch ziemlich auf, die Wülste im Hosentaschenbereich entwickeln sich auch zu einem ästhetischen Problem, für das ich mir noch eine Lösung überlegen muss.

Aber wie kommt das mit den Löchern jetzt? Seit Jahrzehnten trage ich dasselbe in den Hosentaschen: Schlüsselbund und Kleingeld. Seit etwa 15 Jahren auch ein Handy. Die Handy-Hosentasche geht aber fast nie kaputt, nur die mit Kleingeld und Schlüsselbund. Und da ich das jetzt nicht anders trage als vor Jahrzehnten, kann das nicht der Grund für die Löcher sein.

Außerdem ist das mit den durchgescheuerten Hosentaschen auch nicht markenspezifisch, ich habe es – soweit ich mich erinnere – bei Camel beobachtet, bei Pierre Cardin, S.Oliver, Mustang, Brax, Levi’s und Wrangler. Die nehmen sich alle nichts. Es muss eine Verschwörung der Textilindustrie dahinterstecken, denn durchscheuerfeste Hosentaschen wären sicher ein kundenbindungsrelevantes Alleinstellungsmerkmal, auf das sonst mindestens ein Hersteller setzen würde. So kommt mir das komisch vor.

(Das seit vielen Jahren obligate Durchscheuern des äußeren Stoffs bleibt davon unberührt. Entweder wird das Zeug ja sowieso schon ab Werk löcherig und fadenscheinig geliefert, oder man hilft nach dem Kauf gezielt nach, die Masche ist ja auch schon nicht mehr neu. Aber ich unterstelle mal, dass auch Trendbewusste, Modepuppen und Hipster ihr Kleingeld und ihre Schlüssel nicht gern verlieren.)

Zu Weihnachten lasse ich mir ein batteriebetriebenes Reisebügeleisen und ein Stück Bügelfilz schenken, dann kann ich auch unterwegs unvermutet auftretende Löcher schnell in der nächsten öffentlichen Toilette flicken.

_______

*: Zeit- und Häufigkeitsangaben stellen gefühlte, nicht gemessene Werte dar und können von den tatsächlichen Gegebenheiten geringfügig abweichen.

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13 Kommentare on “AQualtit#ät”

  1. berlienchen sagt:

    Also mein Mann hat ähnliche Probleme mit seinen Hosen, was nicht nur Jeans sondern auch regelmäßig getragene Anzughosen sind. Seit Jahren gehen auch an dieser zuerst die Innentaschen rechts, in denen er seine Schlüssel trägt kaputt. Allerdings bin ich es, die sie versucht zu nähen. Ich danke dir für den Tipp mit den Flicken, da ich seine über kurz oder lang immer kleiner nähe, da der Hosentaschenstoff so ausfranst… Wie du selbst angemerkt hast, an anderer Stelle mag es eventuell gewollt sein, an dieser aber nicht!

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  2. gnaddrig sagt:

    Bin ich also nicht der Einzige. Hatte mir schon Sorgen gemacht 😉

    Diesen Aufbügelstoff gibt es auch bogenweise in verschiedenen Stärken zum Selbstzuschneiden. Lässt sich gut verarbeiten und hält eigentlich ganz gut.

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  3. cimddwc sagt:

    Vielleicht sind die Schlüssel auch scharfkantiger geworden. 🤷‍♀️

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  4. berlienchen sagt:

    Danke! Ja, bekannt war er mir schon, aber eher als Flicken für andere Stellen. Auf die Idee mit den Hosentaschen bin ich halt nie gekommen. Aber man lernt ja gerne dazu – immer und beständig 🙂

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  5. gnaddrig sagt:

    @ cimddwc: Hm, ich hätte eher erwartet, dass die Kanten mit der Zeit runder werden, Abnutzung beim Schließen und so. Neue Schlüssel habe ich sowieso keine. Die Schlüssel meiner aktuellen Wohnung sind nicht mehr ganz jung und schon reichlich rundgelutscht, (und bei der vorigen war es ähnlich), das kann es also eigentlich nicht sein.

    @ berlienchen: Freut mich, wenn es nützt! Bei größeren Löchern flicke ich das beidseitig – von innen und außen, damit der äußere Flicken nicht an der gegenüberliegenden Innenseite festklebt. Auch durch Fehler gelernt…

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  6. TeenagerHipsterKind sagt:

    Der Zeit-Zusatz hat meinem Verständnis sehr geholfen xD

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  7. Stefan R. sagt:

    Das mit den Hosentaschen und dem Schlüsselbund passiert mir auch – aber nicht bei allen Modellen. Ich denke, es spielt eine Rolle, wie stark die Hose vorbehandelt wurde, was dann das Gewebe angreift. Weiterhin sind Jeans heute nicht mehr die unverwüstlichen Goldgräberhosen, die man Jahr um Jahr trägt, sondern ein recht kurzlebiger Modeartikel zum baldigen Verbrauch, also sparen die Hersteller am Material.
    Bei mir wirkt übrigens die nette griechische Änderungsschneiderin Wunder – verdoppelt für ein paar Euros (i.d.R. deutlich < 10 €) locker die Lebensdauer der Dinger.

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  8. gnaddrig sagt:

    Klar, die Modezyklen werden kürzer, heute kleidet man sich zweimal im Jahr neu ein. Logisch, dass sich das in der Qualität wiederspiegelt. Trifft einen dann trotzdem immer mal unvorbereitet. Ganz selbernähen wäre vermutlich am Besten, wenn man es denn kann. Änderungsschneiderei klingt aber auch nach ner guten Idee.

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  9. Achim sagt:

    Ja, Tasche ersetzen hat meine Lieblingsjeans auch schon hinter sich. Auf der Seite mit dem Schlüsselbund natürlich 😉

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  10. gnaddrig sagt:

    Vielleicht sollte jemand eine Petition an die Textilindustrie starten, für die Verwendung besserer Stoffqualität für Hosentaschen…

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  11. cimddwc sagt:

    Eher tun sich die Hosenhersteller mit Herstellern „smarter“ elektronischer Türschlösser zusammen. Das Problem mit scharfkantigen Schlüsseln wäre damit ja auch vom Tisch.

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  12. gnaddrig sagt:

    Auch wahr. Kleingeld ist ja bald auch kaum noch ein Thema, Problem gelöst.

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  13. Lakritze sagt:

    Stimmt, die Hosentaschen werden schneller* alt. Oder ist das das übliche Phänomen der schneller vergehenden Zeit, exemplifiziert an Verschleißteilen von Hosen? Aaaach, hat bestimmt mit dem Euro zu tun …

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