Brause aus der Tüte

Zu meinen angenehmen Kindheitserinnerungen gehört Ahoj-Brause. Diese kleinen Tüten mit Getränkepulver, die mit Leitungswasser aufgegossen Limonade ergaben. Das schäumte kurz auf, dann trank man das Zeug und unten blieb immer Zucker übrig. Es gab die Geschmacksrichtungen Zitrone, Orange, Himbeere und Waldmeister.

Man konnte das Brausepulver auch sehr schön trocken essen. Das schäumte im Mund, war geschmacklich viel intensiver und irgendwie zutiefst befriedigend. Hinterher hatte man von der Säure immer ganz stumpfe Zähne. Das fand ich zwar unangenehm, habe es aber immer wieder in Kauf genommen, weil es vorher so toll war. Maoam hat direkt danach übrigens immer eine Weile lang irgendwie anders geschmeckt als normal.

Vor Jahren habe ich gelesen, dass in irgendwelchen oberhippen Clubs einfache oder doppelte Wodkas mit einem Tütchen Ahoj-Brause serviert wurden. Pulver in den Mund, Schnaps hinterherkippen, Abflug. Habe ich nie nachgemacht, kann also nicht beurteilen, wie das ist. Egal.

Neulich habe ich auf einer Speisekarte grüne Apfellimonade gesehen und neugierdehalber bestellt. Das Zeug hatte dieselbe zuckrige Kunstfruchtigkeit und dieselbe etwas backpulverige Sprudeligkeit wie die Tütenbrause, und die Beziehung zwischen der namengebenden Frucht und dem tatsächlichen Geschmack bestenfalls entfernt (möglicherweise hatten die das in dem Laden fehlerhaft angerührt). Am Geschmack hätte ich das nicht als Apfel erkannt, höchstens hätte ich die Apfelschnitze (Granny Smith – grüner Apfel!) im Glas als Indiz genommen. Das ist bei der Tütenbrause ähnlich, wer die Geschmacksrichtungen nicht kennt, errät das nicht ohne weiteres, außer bei Zitrone vielleicht, da ist die Ähnlichkeit zum typischen Toilettenreiniger zu auffällig.

Jetzt ist mir im Supermarkt Ahoj-Brause in Dosen begegnet. Musste ich natürlich auch ausprobieren. Waldmeister. Die Zuckrigkeit passt, aber die Sprudeligkeit ist falsch. Das Zeug in der Dose ist vermutlich auf dieselbe Art mit Kohlensäure versehen wie so ziemlich jede Limonade auf dem Markt. Da ist sicher nicht das Tütenpulver mit Wasser aufgegossen eingedost worden, sondern branchenüblich sirup aufgesprudelt und abgefüllt, und deshalb schmeckt es anders.

Wer also den echten Ahoj-Geschmack will, sollte um die Dosen einen Bogen machen und stattdessen wie früher mit Tütchen, Trinkglas und Leitungswasser arbeiten.


5 Kommentare on “Brause aus der Tüte”

  1. brausepulver, die droge meiner kindheit…

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  2. Ich glaube bei uns gabs das früher auch.
    Ausser dass es Waldmeister in Österreich wohl aufgrund unkompatibiltät der österreichischen Geschmacksknospen nicht gab…

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  3. gnaddrig sagt:

    Man kann nicht alles haben. Ich fand Waldmeister aber immer nett (nicht nur bei Brausepulver) – Piefke eben 🙂

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  4. Übrigens gibt es in unseren Landen mittlerweile schon lange Produkte mit Waldmeister.
    Götterspeise von Dr. Ötker zum Beispiel.
    Nur als ich Kind war hatten wir das nicht.
    Wir hatten ja quasi gar nichts.
    Damals halt.
    Apropos Dr. Ötker, was für ein Doktor ist er oder sie eigentlich?

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  5. gnaddrig sagt:

    Klar, damals war das halt so 😉

    Oetker hat scheint’s Naturwissenschaften studiert und in Botanik promoviert (Quelle), dann eine Apotheke geführt und dabei ein Backpulver entwickelt und vermarktet. Eine etwas schillernde Persönlichkeit.

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In den Wald hineinrufen

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