Zusammenhänge

Aus der Pflege- und Bedienungsanleitung einer Pfanne:

Wir empfehlen Ihnen, Vögel nicht in der Küche zu halten.

Eigentlich sollte man diesen Ratschlag beim Kauf eines Vogels erhalten. Mit Pfannen hat das ja nur insofern zu tun als man die meistens in der Küche benutzt. Und vermutlich hält nicht jeder Küchenvogel solange durch bis die Halter sich zufällig die richtige Pfanne kaufen und die Gebrauchsanweisung auch aufmerksam durchlesen und beherzigen.

Die Herleitung im Satz direkt davor wirkt auf den ersten Blick sogar schlüssig:

Wenn Sie sich an diese Gebrauchsanweisungen halten, verhindern Sie Rauchentwicklung, die für Tiere mit einem besonders sensiblen Atmungssystem (z.B. Vögel) gefährlich sein kann.

Bis „verhindern Sie Rauchentwicklung“ passt das sehr gut in einen Text über die Benutzung von Pfannen. Danach wird es schräg – warum sucht sich der Verfasser von allen möglichen nachteiligen Folgen rauchender Pfanneninhalte ausgerechnet die Gefahr für das besonders sensible Atmungssystem von Vögeln heraus? Babys vertragen Rauch auch nicht so gut.

Wenn man es mit dem Rauch übertreibt, schlägt vielleicht der Rauchmelder im Flur an, und wenn man richtig Glück hat ist der funkvernetzt und setzt seine Kollegen in der ganzen Wohnung oder gleich im ganzen Haus in Gang und setzt vielleicht auch gleich eine Meldung an die Feuerwehr ab. Zumindest in Senioren- und Pflegeheimen ist das durchaus ein realistisches Szenario.

Vielleicht war dem Verfasser irgendwann mal ein Piepmatz wegen Küchendunst von der Stange gefallen. Wenn aber – wie im Text steht – vom Halten von Vögeln in der Küche generell abzuraten ist, macht es ja vogelhaltungstechnisch keinen Unterschied, ob ich beim Benutzen der Pfanne Rauchentwicklung zulasse oder nicht, die Vögel wären ja sowieso anderswo.

Damit wäre aber schon der Hinweis, dass Rauchentwicklung für Vögel gefährlich sein kann, sinnlos oder hier wenigstens fehl am Platz – Vögel sollen dem Text nach so oder so nicht in der Küche gehalten werden, da braucht es gar keine Rauchentwicklung als Grund.

Oder natürlich, der Verfasser rechnet damit, dass auch Pfannenbenutzer guten Willens gelegentlich unachtsam sind, es unbeabsichtigt zur Rauchentwicklung kommen lassen und so ihren – ansonsten sicher und problemlos in der Küche lebenden – Vögeln schaden. Dann hätte man das aber erwähnen können, damit die Empfehlung, Vögel nicht in der Küche zu halten, nicht so in der Luft hängt.

Ist mir aber egal, ich habe sowieso keinen Vogel.

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10 Kommentare on “Zusammenhänge”

  1. Hesting sagt:

    Es gibt ja Küchenzeilen, die im Wohnzimmer in einer Ecke situiert sind. Meine Oma wohnt in so einer Wohnung. Und die hat nicht nur einen Vogel (Wellensittich), sondern aktuell sogar zwei. Ob die zwei oder ihre Vorgänger jeweils Anstoß an den Kochaktivitäten ihrer Besitzerin genommen haben, ist mir leider nicht bekannt.

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  2. gnaddrig sagt:

    Immerhin scheinen sie ja lange genug zu leben, dass bisher niemand über Küchendunstunverträglichkeiten nachgedacht hat.

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Hast du die Pfanne im Heimtierbedarfshandel gekauft?

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  4. Vielleicht ist die Empfehlung an Menschen gerichtet, die statt Rauchmeldern Vögel als Bioindikatoren halten. Ansonsten sehr ich bei der Kombination Vogel-Pfanne eher andere Gefahren für das Federtier.

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  5. gnaddrig sagt:

    Nein, aber das wäre vielleicht ein interessanter Vermarktungskanal 😀

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  6. gnaddrig sagt:

    Ja, allerdings werden Kanarienvögel selten so fett, das man sie mit Hähnchen verwechselt. Und zumindest in meiner Weltgegend werden Singvögel normal nicht gegessen.

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  7. »Wir empfehlen Ihnen, Vögel nicht in der Küche zu halten.«
    (Das erinnert mich an diese Geschichte, die mein Vater erzählte.)

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  8. gnaddrig sagt:

    Autsch!

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  9. Lakritze sagt:

    Ich wundere mich, daß keine anderen Kleintiere Erwähnung finden. Meerschweinchen, Kaninchen und Ratten etwa kann man durch eine unglückliche Kombination von Pfanne und Schwerkraft auch schnell den Garaus machen. Zum Beispiel.

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  10. gnaddrig sagt:

    Man kann ja nicht alle Eventualitäten in so einem kurzen Stück Text abdecken, wenn man nur die Rückseite des Pappetiketts zur Verfügung hat, in das die Pfanne verpackt ist.

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