Ersatzmahlzeit

Heute mal ein paar Zeilen über eines der wirklich wichtigen Dinge im Leben: Nougatringe. Ganz feine Sache, mag ich sehr, jedenfalls wenn sie gut sind. Leider ist es mit Nougatringen wie mit Musik: Es gibt viel zu wenig richtig gute und viel zu viele andere.

Ein Nougatring besteht, nur damit hier alle wissen, wovon die Rede ist, aus einem flachen Ring aus Mürbeteig als Basis, einer wulstförmigen Auflage aus Nougatcreme und einer Schicht Fettglasur, die die Oberseite des Gebildes bedeckt. (Ganz sicher nicht: Mürbeteig mit Nougatcremefüllung, wie eine Rezeptseite behauptet. Klar, die Creme taugt auch als Füllung, aber Nougatringe werden nicht gefüllt, die werden belegt. Da gibt es nichts zu füllen, also auch keine Füllung.)

Natürlich gibt es unzählige Varianten. Die Größe rangiert meiner Erfahrung nach von Honigglasdeckel bis deutlich über CD-Format, sagen wir 8 bis 15 cm. Der Mürbeteigring kann dicker oder dünner sein, das Loch in der Mitte größer oder kleiner. Die Nougatcreme kann hell oder dunkel sein, die Fettglasur ebenfalls. Das ganze kann schlicht daherkommen oder verziert, etwa mit dunklen Schlieren auf heller Glasur oder umgekehrt. Oder mit Mandelsplittern oder gehackten Pistazien in oder auf der Glasur.

Beides ist übrigens ein Gräuel! Mandeln mögen geschmacklich noch einigermaßen passen (obwohl es ja normalerweise Nussnougatcreme ist, nicht Mandelnougatcrene), Pistazien tun das definitiv nicht. Außerdem sind Mandel- wie Pistaziensplitter oft so merkwürdig elastisch und bleiben fast immer zwischen den Zähnen hängen, das mag ich gar nicht (wären sie spröde wie Krokant könnte ich damit leben, Krokant würde sich vermutlich sogar ganz gut machen). Für den Geschmack tun diese traurigen Häcksel auch nichts, sie lenken nur unnötig von der eigentlichen Raison d’Être dieses Gebäcks ab – der Nougatcreme. Nicht mal besonders gut aussehen tut das grüne Gekrümele auf der Glasur.

Wie gut Nougatringe sind, hängt nicht nur von der Qualität der Zutaten ab, sondern vor allem von Konsistenz und Geschmack der Nougatmischung und der Glasur. Zu bitterschokoladig sollte das nicht sein, helle Nougatcreme und helle Glasur finde ich am besten. Wenn die Glasur zu dunkel und kräftig daherkommt, übertönt sie geschmacklich den Nougat, das gehört nicht. Ihrerseits schokoladigere Nougatcreme finde ich aber auch witzlos – wenn ich Schokoladencreme will, kaufe ich schokoladencremehaltiges Zeug und eben keine Nougatringe. Die Nougatcreme sollte übrigens nicht zu weich sein, aber auch nicht trocken-klumpig, und das ganze muss richtig gekühlt verkauft werden.

Ein weiteres Kriterium ist das Mengenverhältnis von Mürbeteigbasis zu Nougatcreme, und da gibt es wie bei der Größe des Gebildes erhebliche Unterschiede.

In besseren Konditoreien und Cafés werden meist sehr, sagen wir, wohlerzogene Nougatringe hergestellt und verkauft. Instesamt meist eher klein, und oft hat man da auf einer recht breiten und dicken Mürbeteigbahn einen traurigen, kaum bleistiftdicken Strang Nougatcreme. Da müsste ich schon drei oder vier Stück kaufen und die Nougatcreme auf einem der Ringe zusammenkleistern, damit das Mengenverhältnis stimmt.

Mir liegt eher das andere Extrem. Eigentlich finde ich den Mürbeteigring überflüssig, aber irgendwo muss die Nougatcreme ja draufliegen. Ganz ohne kommt man also nicht aus. Aber je weniger Teig und je mehr Creme desto besser. Der ideale Nougatring ist ein Wagenrad mit viel, viel anständiger Nougatcreme und ersetzt in Sachen Kaloriengehalt locker eine vollständige Mahlzeit.

 

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19 Kommentare on “Ersatzmahlzeit”

  1. Yadgar sagt:

    Jaaaa, Nougatringe (ich darf das Wort gar nicht ausschreiben, ich glaube, ich nehme schon davon zu!)… ansonsten: http://www.assoziations-blaster.de/blast/Nougattektonik.1.html

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  2. cimddwc sagt:

    „Abgelegt unter: Mein Senf dazu“ – ne, bitte nicht, Senf passt gar nicht dazu! 😉

    Und jetzt darf ich wieder aufstehen und mir – in Ermangelung verfügbarer Nougatringe – Nougattütchen oder Schokobohnen aus meiner Plätzchenschale holen…

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  3. gnaddrig sagt:

    @ Yadgar: Die Dinger haben aber viel zu viel Teig für das bisschen Nougatcreme, geht gar nicht. So überirdisch gut kann der Trägerkeksteig nicht sein 😉

    @ cimddwc: Und wenn man süßen Senf nimmt? Und Bäcker und Konditoren sollten auch frei Haus liefern…

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  4. cimddwc sagt:

    Süßen Senf würd ich jetzt zu nichts anderem als Weißwürsten und Leberkäs essen, aber du darfst gerne andere Kombinationen probieren…

    Frei Haus? In vertretbarer Zeit, in diesem Fall also weniger als 1 Minute? Wo?

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  5. gnaddrig sagt:

    Wo? Natürlich bundesweit, ach was, EU-weit. Gern auch innerhalb einer Minute.

    Was den süßen Senf angeht: Meine Töchter haben als Kleinkinder gelegentlich mit großem Genuss unwahrscheinliche Kombinationen ausprobiert, von daher würde ich das nicht so kategorisch ablehnen. Und angesichts dessen, was heute unter dem Deckmäntelchen innovativen Genießertums alles in Schokolade gerührt wird finde ich Senf zum Nougatring fast harmlos. Obwohl, gebe ich zu, tatsächlich nicht mein Geschmack.

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  6. maranaZ3 sagt:

    Wunderbar eindringlich deine Schilderung des Genussmittels, aber auch wenn du noch so präzise beschreibst, wie und warum so und nicht anders, hell oder dunkel oder beides genehm sein könnte und ist, ich kenne Nougatringe gar nicht. Ich kenne wohl Nougat als Füllung in unterschiedlichen Köstlichkeiten, aber Mürbeteig und Nougat ist mir völlig fremd.

    Macht ja nichts.
    🙂

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  7. gnaddrig sagt:

    Echt, kennst Du nicht? Schräg, ich hätte gedacht, die seien allgemein bekannt. Aber egal, Du hast ja offenbar auch ohne überlebt bisher.

    Aber „macht ja nichts“? Nur so lange, bis Du den ersten probiert hast 😉

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  8. ittagebuch sagt:

    sehr analytisch beschrieben 🙂 …

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  9. Yadgar sagt:

    @gnaddrig:
    „Die Dinger haben aber viel zu viel Teig für das bisschen Nougatcreme, geht gar nicht. So überirdisch gut kann der Trägerkeksteig nicht sein“

    Stimmt, der war damals wirklich nicht der Knaller… aber was sollte ich machen, das war das einzige Nougat-Gebäck, was die Bäckerei im Kölner Uni-Center überhaupt anbot! Und nach wie vor kenne ich nur eine einzige Konditorei in ganz Köln (es wird wohl schon mehrere, aber nicht allzu viele geben), die Nougatringe im Sortiment hat… vielleicht auch besser so, andernfalls wären meine Bemühungen, mittelfristig wieder einen BMI unter 40 zu bekommen, akut gefährdet!

    @gnaddrig:
    „was heute unter dem Deckmäntelchen innovativen Genießertums alles in Schokolade gerührt wird“
    Bei Lindt-Sprüngli kann ich mir mühelos vorstellen, dass sie nach Salz- (igitt!) und Chili- (würg!) auch Senfschokolade rausbringen… etwas zeitversetzt und auf niedrigerem Preisniveau kennt man solche Absurditäten ja auch von Milka, also was sich Mondelèz (hießen die nicht mal Suchard?) seit einiger Zeit leistet hat mit Schokolade nicht mehr viel zu tun. Und dann kommt es mir auch so vor, dass die Qualität der eigentlichen Schokolade zugunsten möglichst ausgefallener Kreationen vernachlässigt wird – zuletzt die Milka Ganznuss-Toffee (noch eine der harmloseren neuen Sorten) hat erschreckend fade und muffig geschmeckt, das konnten sie zu Suchard-Zeiten besser. Der Gipfel ist, dass neuerdings Milka-Tafeln öfters keine 100, sondern nur noch 81 g (oder so) wiegen (aber trotzdem genauso viel wie 100-g-Tafeln kosten!), weil die avantgardistische Gestaltung der Tafelteilung zusammen mit diversen ausgeflippten Füllungen das seit vielen Jahrzehnte übliche Standard-Tafelgewicht nicht mehr zulässt. Dekadent!

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  10. christahartwig sagt:

    Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Leider ist meine Allergie auf Haselnüsse mit den Jahren immer schlimmer geworden, und Nougat ist seit einiger Zeit ausnahmslos gestrichen. Ein vergleichbare Passion für ein bestimmtes Gebäck habe ich aber auch und ähnlich konkrete Vorstellungen, wie es zu sein hat: Liebesknochen! Nicht zu verwechseln mit Eclairs, die hierzulande ohnehin nie die Finesse französischer Patisserien erreichen. Ich bevorzuge einen handfesten Liebesknochen, mit leckerem Vanillepudding gefüllt und richtiger Schokoladen-Couvertüre auf dem „Deckel“ – keine Fettglasur.

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  11. gnaddrig sagt:

    @ ittagebuch: Danke 🙂

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  12. gnaddrig sagt:

    @ Yadgar: Gut, wenn es sonst kein Nougatgebäck gibt muss man nehmen was man kriegen kann. Bitter…

    Das mit den kleineren Tafeln macht Ritter übrigens auch. Auch mit teils gewagten Rezepturen, die dann oft aber auch sehr schnell wieder aus den Regalen verschwinden.

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  13. gnaddrig sagt:

    Haselnussallergie ist unschön, da hast Du mein volles Mitgefühl.

    Liebesknochen ist nicht so mein Ding, aber das mit den sehr konkreten Vorstellungen finde ich gut 🙂

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  14. christahartwig sagt:

    Allergien nehmen allenthalben zu. Die Pollen stören mich kaum, aber während ich früher einfach nur Maß halten musste, geht jetzt auch nicht das kleinste Stückchen Nusskuchen oder Nougat. – Ansonsten kam es mir eigentlich auch nur darauf an, zu sagen, dass man im Grund bei mindestens einem halben Dutzend Bäckern einkaufen muss, weil jeweils nur ganz bestimmte Brot- oder Kuchensorten für den eigenen Geschmack „richtig“ sind. Wohl dem, der in einer Gegend mit vielen Bäckerläden wohnt.

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  15. gnaddrig sagt:

    Geht mir oft ähnlich – der eine hat das perfekte x, der andere das bessere y, aber nur Freitags, der dritte, naja, und so weiter.

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  16. Pfeffermatz sagt:

    Ein wundervoller und so wichtiger Beitrag! ICH LIEBE NOUGATRINGE! Auch deiner Analyse Stimme zu ich zu, nur dürfen sie bei mir vermutlich insgesamt etwas schokoladiger als bei dir sein. Bei uns in Aachen gibt es allerdings kaum Nougatringe zu finden, stelle ich fest. Ob das ein regionales Problem oder sign’o’the-times ist, weiss ich nicht…

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  17. gnaddrig sagt:

    Ist Selbermachen eine Option? Habe ich allerdings auch noch nie versucht.

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  18. Pfeffermatz sagt:

    Das wäre ein Aufgabe für meine Rentnerjahre (ist aber noch was hin). Ich überlege eh immer Mal wieder, wie ich mir dann die Zeit vertreiben soll. Mit Nougatringbackenperfektionieren kriege ich sicherlich ein paar Wochen um!

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  19. gnaddrig sagt:

    😀

    Und dann könntest Du Deinen Vorgarten als Pilgerstätte für alle Nougatringfans aufbauen, die in ihrem Umfeld keine richtigen Nougatringe kriegen, das würde Dir dann schon die Zeit vertreiben…

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