Alle Jahre wieder

Manche Sachen macht man nie rechtzeitig. Man rafft sich nicht auf, schiebt es vor sich her und fängt dann immer zu spät an. Dann wird es eng, knapp und stressig.

Es gibt die Art gerade noch rechtzeitig, wo man genau weiß: Jetzt muss jeder Handgriff sitzen, darf kein Fehler passieren, dann reicht es punktgenau. Wie bei der Formel 1, wo der ideale Motor das Rennen über volle Leistung bringt und auf der Ziellinie zerfällt.

Die Steuererklärung zum Beispiel. Jedesmal denke ich, nächstes Jahr fängste rechtzeitig an. Im Frühjahr, sobald die Bescheinigung vom Arbeitgeber da ist. Ist ja eigentlich auch kein Ding – den nötigen Papierkram sammele ich ja sowieso immer an einer Stelle, das ist also alles griffbereit. Das Elster-Update ist auch in Minuten runtergeladen. Ein Bier, eine CD, mein PC und ich, und das Ding ist im März im Kasten. Also, könnte. In echt schaffe ich die Steuererklärung manchmal sogar vor Ende Mai, öfter aber zu spät (obwohl, in aller Regel vor der ersten Mahnung).

Oder der Urlaub. Diesmal warten wir nicht so lange, sondern gehen früh genug dran und buchen uns wirklich eine tolle Wohnung. Schöne Lage, gut ausgestattet, preiswert, urlaubstechnisch die eierlegende Wollmilchsau eben. Und wenn wir uns dann dranmachen, ist schon ziemlich viel ausgebucht. Vermutlich weil zu viele andere Leute paranoid früh ihre Urlaube buchen und nicht mehr viel übrig lassen. Immerhin, bisher hat es noch immer für was Bewohnbares gereicht.

Und, jetzt grad aktuell, Weihnachten. Nächstes Mal, denken wir regelmäßig, fangen wir früh an mit den Geschenken. Ende November, anfang Dezember setzen wir uns hin und planen, wer was kriegen soll. Dann gehen wir schonmal ein bisschen was davon einkaufen. Was wir lokal nicht kriegen, bestellen wir so, dass es vor dem großen Trubel eintrifft. Mögen die anderen bis Heiligabend mittags bangen, ob die Heizdecke für Opa und das Smartphone für den Junior noch kommen – wir haben seit dem 2. Advent unsere Schäfchen im Trockenen.

Und die anderen Vorbereitungen – backen, aufräumen, putzen, einkaufen usw., damit fangen wir auch früh an. Dann können wir am 23. und 24. ganz geruhsam die letzten Handgriffe machen, entspannt auf dem Sofa sitzen, nochmal über den (natürlich gedrängefrei im Wintersonnenlicht über frischem Schnee daliegenden) Weihnachtsmarkt spazieren.

In Wirklichkeit fühlt es sich absurd an, im November Weihnachtsgschenke zu kaufen, und so kommt es alle Jahe wieder gleich: Wir haben heute die letzten Geschenke besorgt, ein paar Sachen werden in Form von Gutscheinen überreicht, weil es dann eben doch nicht gereicht hat. Wer konnte auch wissen, dass der Laden die Sachen, die er online als in der betreffenden Filiale vorrätig anzeigt, dort eben nicht zum Mitnehmen vorhält, sondern dass man das Zeug dort bestellen muss und Lieferzeiten von mehreren Wochen normal sind – es ist also wirklich nicht unsere Schuld!

Immerhin, alles andere haben wir. Und jetzt ist noch jede Menge tu tun – backen, Geschenke verpacken, das alte Gerödel auf den Dachboden stellen, das wir schon seit MonatenWochen wegräumen wollten, so Sachen. Morgen müssen dann alle noch in die Badewanne, dann wird der Baum geschmückt, das Wohnzimmer notdürftig präsentabel gemacht. Das Mittagessen wird eher ein Stehimbiss im Gehen. Vermutlich schaffen wir es zum Gottesdienst, wo die Jüngste im Krippenspiel mitmacht, moment, das Kostüm, wo war das noch? Und haben wir überhaupt Kerzen für den Baum? Die Tanke hat keine, das wissen wir seit letztem Jahr. Dafür haben die Lebkuchen, müssen wir also doch nicht mehr backen.

Ich verabschiede mich in die letzte Nachtschicht vor Weihnachten, wie es sich gehört. Und irgendwie macht das Spaß…


5 Kommentare on “Alle Jahre wieder”

  1. maranaZ3 sagt:

    Ich haben fertig, und was nicht fertig ist, gibt es nicht, basta.
    Ich wünsch dir schöne Feiertage.
    🙂

    Gefällt 1 Person

  2. gnaddrig sagt:

    Vielen Dank, Dir auch. Und klar, alles geht nicht, irgendwann reicht’s. Jetzt zum Beispiel mache ich Feierabend.

    Gefällt mir

  3. christahartwig sagt:

    Jetzt, wo du es erwähnst, fällt mir auf, dass ich mich nicht erinnern kann, ob es in meiner Kindheit am Heiligabend so etwas wie Mittagessen gab. Ich glaube, wir waren alle zu beschäftigt (und ich zu aufgeregt). Nur nach der Bescherung der Kartoffelsalat mit Würstchen, der durfte nicht fehlen und ließ sich ja auch gut vorbereiten, bevor die Familie in geschlossener Formation in den Weihnachtsgottesdienst zog. Ich wünsche Dir, rundum schöne Feiertage gehabt zu haben.

    Gefällt mir

  4. gnaddrig sagt:

    Danke, war schön 🙂 Bei Dir hoffentlich auch!

    Mittagessen gab es auch nicht, wir haben uns immer irgendwann was Essbares zusammengesucht. Abends gab es meistens sowas wie Hawai-Toast – tagsüber vorbereitet und nach dem Gottesdienst in den Ofen geschoben. Wenig Aufwand, war aber trotzdem besonders und hat auf dem Weg zur Bescherung nicht zu viel Zeit gekostet. Im Prinzip machen wir das jetzt auch so.

    Gefällt mir

  5. Yadgar sagt:

    Wenigstens eilen die Vorbereitungen für meine phantasmagorische Fahrradreise nach Afghanistan nicht – da habe ich noch mindestens 150 Jahre Zeit, glaube ich…

    Gefällt 1 Person


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.