Terminproblem

Würden wir endlich auf einen weniger verquasten Kalender umstellen, wäre alles besser und einfacher. Einfache Datumsangaben, kein Rechnen mit langen und kurzen Monaten mehr, Schalttage kämen ans Jahresende. Der Pi-Tag wäre natürlich Tag 314 (um 15 Uhr 92 und 65 Sekunden, also 16:33:05), alles bestens.

Natürlich würde eine solche Umstellung erhebliche (aber immerhin nur einmalige) Kosten verursachen. Es gäbe zwangsläufig jede Menge unvermeidliches Hickhack ewiggestriger Fortschrittsverhinderer (die Sorte, wegen derer wir auch noch keine umweltneutralen Flugtaxis haben), aber das würde nach und nach verblassen. Noch die hartnäckigsten Handyverächter aus den 90er Jahren wollen heute selbstverständlich durch die Bank ihre Smartphones nicht missen (und ja, es gibt regelbestätigende Ausnahmen).

Es entstünde nur ein wirkliches Problem: Der 1. April wäre kein besonderes Datum mehr. Wann wäre nach der Umstellung der richtige Tag für Aprilscherze? Tag 91 gibt als Datum wenig her. Klar, man könnte statt April, April! natürlich auch Ein-und-neunzig! rufen, aber irgendwie klingt das nach nichts.

Vielleicht würde sich irgendwann ein neues Datum als Erster-April-Ersatz einbürgern, aber sowas kann lange dauern. Fast zwanzig Jahre nach Einführung des Euro gibt es ja auch noch immer keine allgemein bekannten und gebräuchlichen Ausdrücke für bestimmte Münzen wie früher Groschen für das Zehn-Pfennig-Stück oder Heiermann für das Fünf-Mark-Stück (laut Wikipedia soll das vereinzelt auch für den Fünf-Euro-Schein gebraucht werden, hat sich aber wohl noch lange nicht durchgesetzt), oder duro für das spanische Fünf-Peseten-Stück. Bisher alles ersatzlos weggefallen.

Kann natürlich sein, dass für einen offiziellen Aprilscherztag letztlich keinen Bedarf mehr besteht, genau wie für diese Münzwörter. Aber wenigstens gäbe das den selbsternannten Traditionswahrern, Kulturwächtern und Heimatgefühlschützern endlich mal ein wirklich würdiges Thema zum Beackern. Ich höre schon die Aufrufe: 1. April ins Grundgesetz!

Dann wären die glücklich unschädlich gemacht, während der Rest der Bevölkerung sich damit beschäftigen würde, das jeweilige Tagesdatum in das alte Format mit Monaten umzurechnen, um sich in der neuen Zeit zu orientieren.

Ich weiß nicht, ob dieser Text allzuviel Sinn macht, aber letztlich ist das auch egal.

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3 Kommentare on “Terminproblem”

  1. Ich fände es schon ganz angenehm wenn bei Zeitangaben wenigstens auf Schulferienbezüge verzichtet würde. Wieso sollte ich, kinderlos in zwei Bundesländern lebend, wissen wann die wo stattfinden?

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  2. gnaddrig sagt:

    Tja…

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Ich plädiere für die Wiedereinführung des Begriffs „Groschen“! Mir war bis zum Lesen deines Textes gar nicht klar, wie mir das Wort fehlte… Andererseits, was kriegt man heute schon für 10 Cent? Tatsächlich gibt es kaum noch Bedarf für „Rotgeld“, noch weniger für entsprechende Bezeichner.

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