Bombenfest

Neulich unfreiwillig aber fasziniert mitgehört: Ein stämmiger Endfünfziger erzählt seinem Sitznachbarn ausgiebig von seinen Heimwerkereien.

Er habe vor ein paar Jahren ein Haus gekauft, Baujahr späte 60er Jahre, in dem die Erstbesitzer bis zum Umzug ins Pflegeheim gewohnt hatten. Das Ding sei schon etwas verwohnt gewesen, er habe es über mehrere Jahre hinweg überwiegend in Eigenarbeit wieder auf Vordermann gebracht.

Dabei sei auch soweit alles gut gegangen, nur mit dem Bad habe er immer Probleme gehabt. Der Abfluss der Badewanne sei ständig verstopft gewesen und habe sich auch nicht nachhaltig freimachen lassen. Der daraufhin beauftragte Installateur habe da „nur Scheiß gebaut“, das sei immer ganz schnell kaputtgegangen bzw. wieder verstopft, und auch nach mehrmaliger Reklamation und Nachbesserung habe das nicht richtig funktioniert. Also habe er wieder selber rangemusst, um das „endlich mal richtig“ zu machen.

Er also den ganzen abgewohnten Ramsch der Vorbesitzer und das vom Installateur reingemurkste Rohrwerk rausgerissen und alles von Grund neu aufgebaut. Klo, Waschbecken, Dusche, Badewanne, das ganze Badezimmer.

Nun habe ursprünglich das Abflussgefälle der Badewanne nicht ausgereicht, was der Installateur aber abgestritten und darum auch nicht berücksichtigt habe. Deshalb sei die Badewanne praktisch unbenutzbar gewesen, und der Abfluss vom Waschbecken sei auch irgendwie ständig zugesumpft. Der Abfluss brauchte mehr Gefälle, aber nach unten habe er da keinen Platz gehabt, weil nämlich irgendwas mit der Kellerdecke war und er auch keine Rohre offen im Keller darunter haben wollte oder so.

Um das mit dem Gefälle in den Griff zu kriegen, habe er also nach oben ausweichen und die Wanne anheben müsen. Bei der Gelegenheit habe er die Wanne auch gleich günstiger in anderer Ausrichtung eingebaut, um das Bad etwas gefälliger zu gestalten (was der Installateur unsinnigerweise mit „geht gar nicht, weil zu wenig Gefälle, läuft nicht ab“ verweigert habe, der ahnungslose Pfuscher).

Er habe dann die Abflüsse gebaut, getestet und optimiert. Als alles zufriedenstellend gelaufen sei, habe er das ganze Ensemble dann in Beton gegossen. Die Wanne steht jetzt also auf einem etwas größeren knöchelhohen Betonsockel, der alle Abflüsse beherbergt, auch die vom Waschbecken. Da geht nichts mehr kaputt, das hält bombenfest bis zum St. Nimmerleinstag. Oder bis jemand die Steinlaus einschleppt.

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