Eigentlich egal

Viele Leute sagen Café ([kaˈfeː]), wenn sie das Getränk meinen. Besonders in der Werbung wird das oft gemacht, so ziemlich bei allen klassischen in Deutschland vertriebenen Kaffeemarken war das jedenfalls üblich, Dallmayr, Eduscho, Hag, Jacobs, Melitta und was es sonst noch alles gibt. Man glaubt wahrscheinlich, das klinge distinguiert und betone die Exklusivität, Verzeihung, Exclusivität des so beworbenen Stoffs, auch wenn es sich um ein industriell gefertigtes Massenprodukt handelt, das allermeistens auf Knopfdruck aus immer den gleichen Vollautomaten läuft.

Ich bin mit der Aussprache Kaffee ([ˈkafeː]) aufgewachsen, gelegentlich hieß es auch Kaffe mit kurzem e ([ˈkafə]) und manchmal fast ins Stimmhafte spielenden f. Nur manche, aus meiner damaligen Sicht feinen Leute sagten Café ([kaˈfeː]). Vielleicht klingt deshalb diese Aussprache in meinen Ohren immer noch ziemlich affektiert.

Dabei wird Kaffee laut Duden zumindest in Österreich immer auf der letzten Silbe betont. Das dürfte sich bis weit nach Bayern hinein bemerkbar machen, und im restlichen deutschen Sprachraum ist diese Aussprache auch nicht wirklich selten.

Falsch ist es also nicht. Kann es eigentlich auch nicht sein – anders als die Rechtschreibung lassen sich Sprachgebrauch, Grammatik und Aussprache kaum vorschreiben. Die Sprachgemeinschaft besteht ja nicht aus Maschinen, die den einmal eingespeisten Code unverändert immer wieder unverändert abspulen. Die Sprecher sind kreativ, haben Ideen und probieren neue Sachen aus.

Die Leute sprechen auch nicht überall gleich, sogar wenn sie Hochdeutsch sprechen – in Hamburg hört sich das anders an als in Bonn, Freiburg oder München, oder in Zürich oder Wien, und das ist auch gut so. Es wäre langweilig, wenn sich alle gleich anhören würden, und solange man sich gegenseitig versteht, erfüllt die Sprache ja auch ihren Zweck als Kommunikationsmittel.

Außerdem ist sprachliche Gängelei erstens praktisch nicht durchsetzbar und zweitens auch gar nicht wünschenswert. Sonst käme irgendeine Sprachobrigkeit am Ende noch auf die Idee, mir Café ([kaˈfeː]) vorzuschreiben, wo mir doch Kaffee ([ˈkafeː]) so viel besser gefällt!

Aber von meinen Vorlieben mal ganz abgesehen halte ich es generell für sinnvoll, auch in der Aussprache zwischen dem Getränk und dem Lokal zu unterscheiden. Dann hört man sofort, was gemeint ist, ohne erst den Kontext bemühen zu müssen. Zwar besteht kaum Verwechselungsgefahr, aber aus der technischen Dokumentation ist bekannt, dass sich Texte umso besser lesen lassen und umso verständlicher sind, je eindeutiger die Terminologie ist (meistens jedenfalls).

Das gilt grundsätzlich auch für das gesprochene Wort. Darum bin ich dafür, das Getränk Kaffee zu nennen, mit Betonung auf dem a, und Café mit Betonung auf dem e zur Bezeichnung der Lokale zu verwenden, in denen Kaffee ausgeschenkt wird.

Wenn die Mehrheit nun unbedingt trotzdem Café ([kaˈfeː]) trinken will, kann man einfach das Lokal anders nennen, etwa neudeutsch Coffeeshop. Da werden natürlich sofort Sprachnörgler auf die Barrikaden gehen, es wird Petitionen beim Bundestag geben, Montagsdemos gegen Überfremdung der Sprache, Kampagnen in der Boulevardpresse („[Brüllblatt] kämpft für Ihr Café!“) und Schlimmeres.

Aber eigentlich ist das alles egal, denn der wahre Kenner trinkt sowieso schwarzen Tee*!

_______

*: Der muss allerdings richtig zubereitet werden, und das ist ein Fass, das ich an dieser Stelle nicht aufmachen will…

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16 Kommentare on “Eigentlich egal”

  1. karfunkelfee sagt:

    Also wenn ich in ein Café gehe, bestelle ich da Café.

    Und zu Hause koche ich mir ein Käffchen.
    Trinke aus bemalten Pötten und schlürfe wenn kein Lauscher an der Wand da ist um meine Schand‘ zu vernehmen. Da ich meine Käffchen mit viel Popeia zubereite um dem höchstmöglichen Genuss frönen zu können, schlürfe ich die schwatte Plörre mit gespitzter Aromazunge wie ein Vierer-Bob durch eine Wölbung im Schnee schießt.
    Also so ungefähr.
    Die Werbung für das koffeinhaltige Heißgetränk bedient den heimlichen Dünkel nach mehr Luxus im Leben.

    Fein hingegen und der wahre Luxus, ist der Trank selbst. Und es ist ihm schnurzpiepvanachtern wie die Durstgurgel ihm huldigt…
    Hauptsache, er verdient den Namen selbst…😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Dem kann ich mich nur anschließen 🙂

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  3. Lo sagt:

    Man könnt sich ja auf Plörre verständigen,
    mit Betonung auf ö.
    😉

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  4. gnaddrig sagt:

    Plörre ist immer gut und passt auch überall.

    Gefällt 2 Personen

  5. Ich kenne auch die für mich etwas verwirrende Variante, dass jemand Kaffe, kurzes e und Betonung auf der ersten Silbe, sagt und das Lokal meint.
    Und der wahre Kenner trinkt natürlich Grüntee 😉. Aber nicht im Café, es sei denn er kennt eins der ganz wenigen, die den Teetrinker nicht als Exoten mit einem Papierbeutel voller Staub abspeisen.

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  6. nömix sagt:

    Ja, Deutsche und Österreicher unterscheiden sich durch ihre gemeinsame Sprache, wie Karl Farkas erkannte. In Österreich gibt es Kaffeehäuser, aber das sind keine Cafés. Cafés gibt es in Österreich auch, aber die heißen nicht Café, sondern Espresso. So wie der Kaffee.

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  7. ranthoron sagt:

    Ich schmeiße hier noch mal den Mokka wie einen Stein ins Wasser 😉
    (Alles, was schwächer ist, ist Plörre (s.o.))

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  8. gnaddrig sagt:

    @ Tanja im Norden: Grüntee? Na, wer’s mag 😉 Ist aber bei schwarzem Tee ganz ähnlich: Solche Exoten kriegen den Papierbeutel voller Staub säuberlich neben dem Metallkännchen mit heißem Wasser stehend geliefert. Dem Metallkännchen übrigens, das noch aromatische Reminiszenzen an den vorher darin servierten Pfefferminztee oder Kaffee mitbringt.

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  9. gnaddrig sagt:

    @ nömix: Man sieht, da hat vor Einführung niemand auch nur einen Hauch von Terminologiearbeit gemacht 😉

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  10. gnaddrig sagt:

    @ ranthoron: Oh ja, schön langsam im offenen Henkeltopf gekocht, schon mit Zucker drin und ganz feingemahlenem Kaffee. Jederzeit gern!

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  11. Yadgar sagt:

    Kaffee muss so stark sein, dass er den coolsten Paschtunen aus den Sandalen haut (siehe auch „Afridi-Cola“)… mein sauerländischer Schmuseluchs beschwert sich jedenfalls mitunter, dass ich den Kaffee, wenn ich bei ihm zu Besuch bin, mit viel zu viel Pulver aufbrühe!

    In schwarzen wie auch grünen Tee wiederum gehören zwingend pro Kanne sechs bis acht Schoten Kardamom!

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  12. gnaddrig sagt:

    Stark sollte Kaffee schon sein, sonst lohnt sich’s nicht, finde ich auch. Kardamom im Tee ist auch gut, aber der gehört dann anders gekocht, und zwar das Original der in letzter Zeit als Chai Latte vermarkteten Instantgetränke.

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  13. Yadgar sagt:

    Neiiiiin, nicht Chai Latte!!! Milch im Tee, das ist eine britisch-indische Unsitte! Wir (nativen und Wahl-) Afghanen trinken den Tee grundsätzlich ohne Milch – aber halt eben mit Kardamom! In den Ostprovinzen, Nangarhar und Kunar, sind auch noch andere, dillähnliche Kräuter üblich…

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  14. gnaddrig sagt:

    Unsitte? Also bitte! *rauscht schwer empört ab* 😀

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  15. Yadgar sagt:

    …und dann muss klassisch afghanischer Tee auch immer quietschsüß sein (1 Teil Zucker auf 1 Teil Tee), Ahmad Normalafghane trinkt davon üblicherweise 20 Tassen am Tag – was dazu führt, dass es in Afghanistan prozentual mittlerweile mehr Diabetiker gibt als in Deutschland!

    Ich habe mir Zucker in Tee oder Kaffee mittlerweile ganz abgewöhnt…

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  16. gnaddrig sagt:

    Viel Freude außer Teetrinken hat man in Afghanistan derzeit ja auch nicht 😦

    Kleines bisschen Zucker muss sein. In meinem Kardamom-Tee auch gern ein kleines bisschen mehr. Aber Sirup muss man nicht draus machen.

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