Kleinvieh macht auch Mist

Bevor ich mich nach Feierabend auf den Weg zum Bahnhof mache, schaue ich meistens auf der Abfahrttafel nach, ob alles pünktlich fährt (alternativ geht das auch hier sehr gut). Wenn da erhebliche Verspätungen angezeigt werden oder die Strecke gesperrt ist, gehe ich nicht zum Bahnhof. Statt dort stundenlang zu warten nutze ich die Zeit sinnvoll im Büro und fahre dann später, wenn sich alles wieder eingerenkt hat.

Neulich war laut Webseite der Bahn alles im Grünen. Ich also zum Bahnhof. Als ich so acht Minuten vor fahrplanmäßiger Abfahrt dort eintrudele, steht der vorige Zug meiner Linie noch auf dem Ausweichgleis, mit gut 20 Minuten Verspätung. Der hätte eigentlich ungefähr zu dem Zeitpunkt hier abfahren sollen, als ich vom Büro aus nachgeschaut habe. Muss also stehengeblieben sein, statt abzufahren. Eine Verspätung war vorher nämlich nicht angezeigt worden.

Egal, denke ich mir, wenn der schon so schön dasteht, nehme ich eben den. Bevor ich auf dem Bahnsteig bin, fährt der Zug aber los. Ein bisschen ärgerlich, ein entgangenes Schnäppchen, aber nicht schlimm, mein Zug kommt ja in ein paar Minuten. Der Zug ist dann auch pünktlich, die Fahrt ereignislos.

** * **

Ich komme aus dem Bahnhof und sehe auf dem Vorplatz fährt eine Straßenbahn meiner Linie einfahren. Auf der Anzeigetafel steht 2 Minuten bis zur Abfahrt. Ich gehe also gemütlich Richtung Haltestelle. Kurz bevor ich den Zug erreiche, springt die Anzeige auf 1 Minute um, der Zug fährt eine Zuglänge bis zur Ampel vor. Dort wartet er noch ein paar Sekunden und fährt dann ab, während die Anzeige immer noch 1 Minute lügt. Gut, warte ich eben auf die nächste Tram, ist kein Problem.

Vorher habe ich eine SMS gekriegt, es liege ein Päckchen für mich an meiner Paketstation bereit. Ich tigere also dort vorbei. Ein Umweg von vielleicht 300 Metern, nicht der Rede wert, trotz der Hitze. In dem Fach liegt ein völlig beliebiger Werbeschrieb von einem Laden, wo wir vor Monaten mal was bestellt hatten. Ein unpersönlicher Flyer, wie er sonst auch als Wurfsendung in allen Briefkästen landet. Ich fühle mich leicht veralbert – wer schickt so einen Schrieb an eine Paketstation? Leider ist sowas ja heute meist adressiert, sodass der Zusteller es auch nicht einfach wegwerfen kann.

Zuhause finde ich den gleichen Werbeschrieb im Briefkasten, korrekt an die Wohnanschrift adressiert. Klar schicken die das zweimal – einmal an die Rechnungsanschrift und einmal an die Paketanschrift, und weil wir das wohl einmal an mich, einmal an meine Frau haben adressieren lassen, hat deren Software das nicht als Doublette erkannt. Grenzen der Automatisierung, und: Werbung ist doof.

Diese für sich genommen belanglosen Kleinigkeiten haben sich zu einem ziemlich frustrierenden Heimweg aufaddiert. Manchmal ist eben der Wurm drin, auch wenn nichts Schlimmes passiert…

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10 Gedanken zu “Kleinvieh macht auch Mist

  1. Das räubert in jedem Fall Lebenszeit, die man vielleicht mit etwas anderem viel lieber ausgefüllt hätte Doch schlön, wenn man alledem nicht noch so viel Beachtung hinterherwirft, und es locker hinnimt. 🙂

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  2. Ich hatte mal einen Brief an meine Packstationadresse bekommen, den musste ich dann am Postamt (natürlich dem „falschen“, argh) abholen und dort wurde mir erklärt, Briefsendungen würden prinzipiell nicht an Packstationen geliefert. Die Sache mit dem Werbeschrieb ist also doppelt wunderlich.

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  3. Spätestens wenn es dann auch noch regnen würde, wäre *ich* im Amokmodus… *ratsch* *ratsch* *klick* entsichert sich dann die mentale Pumpgun in meinem Kopf und lässt mich die nächste Viertelstunde in Gedanken schwelgen, die öffentlich geäußert ganze Bündel von Straftatbeständen erfüllen würden…

    Ob das vielleicht auch ein Grund für die grassierende elektronische Weggestöpseltheit sein könnte? Frustrationsabfuhr durch Musik u. ä.? Sollte ich mir einen tragbaren MP3-Player anschaffen? Ich fand schon in den 80ern die Walkmen reichlich doof…

    Now playing: Wie weit fliegt die Taube? (Karat)

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  4. Frustabfuhr weiß ich nicht. Ich nutze das nur, um mir nervige Geräusche fernzuhalten (lieber selbstgewählten Lärm ertragen als aufgedrängten), und dafür ist so ein MP3-Player (oder Handy) ziemlich nützlich. Bei geeigneten Ohrhörern muss es nicht mal besonders laut sein.

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In den Wald hineinrufen

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