Backen nach Emoto

Anlässlich eines Geburtstags habe ich neulich ein Rezept für Biskuit-Tortenboden gesucht und bin auf Chefkoch fündig geworden: Grundrezept Biskuitboden.

Das Rezept ist soweit gut geschrieben. Die Autorin führt Schritt für Schritt durch das Programm, ohne Lücken, Sprünge oder Zeitschleifen. Letztere sind ärgerlich, wenn man etwa eine aufwändig vorbereitete Masse schnell in etwas einrühren muss, das man vorher hätte fertigmachen müssen, das aber erst an dieser Stelle im Rezept erwähnt wird.

(Die x-Masse JETZT ZÜGIG in die vorher angerührte und in der Backform mindestens eine Stunde kaltgestellte y-Masse rühren, dann SOFORT in den auf z Grad vorgeheizten Ofen. Es muss schnell gehen, weil die x-Masse sonst zusammenfällt. Die Zubereitung der bereitstehen sollenden y-Masse braucht in solchen Situationen nach Rezept mindestens so lange, dass in der Zeit die x-Masse unbrauchbar würde. Ein Grund, weshalb man sich Rezepte, Bedienungsanleitungen usw. grundsätzlich ganz bis zum Ende durchlesen soll, bevor man den ersten Handgriff macht; tue ich aber auch nicht immer, und überhaupt enthalten gut geschriebene Rezepte keine solchen Fallen für hemdsärmelig drangehende Nutzer.)

Sowas macht sie nicht, da ist alles folgerichtig sortiert, das Rezept ist übersichtlich und gut lesbar, und dafür verdient sie ein großes Lob!

Über zwei Dinge bin ich aber doch gestolpert:

Nun wird die Eigelbmasse unter die Eiweiße gehoben. Hierzu rühre ich zuerst einen großen Esslöffel des Eiweißes zu der Eigelbmasse, so ist diese aufgelockert und anschließend hebe ich sie komplett, langsam und mit ganz viel Liebe unter das Eiweiß.

Nun wird noch die gesiebte Mehlmischung in 2 – 3 Portionen untergehoben – auch hier bitte langsam und viel mit Liebe arbeiten.

Erstens was Technisches: Wieso muss man eine fünf bis sechs Minuten lang schaumig geschlagene Eigelb-Zucker-Masse dadurch auflockern, dass man einen Esslöffel ebenfalls fünf bis sechs Minuten lang steifgeschlagene Eiweiß-Zucker-Masse unterrührt? Der Eischnee enthält deutlich mehr Zucker als das Eigelb und ist wesentlich kompakter und fester als die noch zähflüssige Eigelbmasse, da lockert sich nichts auf. Aber egal, man kann beides sehr schön vermischen, alles bestens.

Zweitens was Sprachliches: Was hat es mit der Liebe auf sich? Wie soll das aussehen? Die Gemütslage der zubereitenden Person kann kaum gemeint sein, sonst hätten wir hier eine Art Abwandlung des berüchtigten Reis-Experiments des als Parawissenschaftler mit dem Fachgebiet Wasseresoterik bekannt gewordenen Politologen Masaru Emoto. Das wird kaum so gemeint sein, das Rezept ist ansonsten zu, hm, geerdet. Hier wird also ganz sicher grobstofflich-diesseitig gebacken, die Liebe im Rezept muss etwas anderes meinen.

Nun wende ich tatsächlich viel Liebe auf, wenn ich jemandem eine Geburtstagstorte backe, aber ich habe feine Backwaren auch schon mit schlechter Laune hergestellt, und das hat auch funktioniert.

Was also soll mit (ganz) viel Liebe bedeuten? Langsam kann nicht gemeint sein, denn das wird gesondert aufgeführt. Soll man da besonders vorsichtig, sacht, zart arbeiten? Das ergibt sich doch eigentlich auch aus langsam.

Wenn es nun als Gegensatz zu lieblos, also schlampig oder schludrig gemeint ist, wäre sorgfältig die bessere Vokabel – das wäre klar und eindeutig gewesen und ich hätte vorher nicht über esoterische Spielereien und Vokabelfragen spekulieren müssen.

Egal, das Rezept hat einen hervorragenden Biskuitboden ergeben – feinporig, weich, fast feucht oder jedenfalls nicht staubig, aber stabil und hervorragend weiterzuverarbeiten. Ich bin ziemlich begeistert und kann das Rezept nur weiterempfehlen, Liebe hin, Sorgfalt her.

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4 Kommentare on “Backen nach Emoto”

  1. tinuwin sagt:

    Ja, bei der Produktion einer Sache sollte man eher gewissenhaft und präzis vorgehen. Die Liebe kann man sich für’s Servieren sparen 😉
    Was mich verwirrt: Eiweiss-Zucker-Masse ist doch eher für’s Meringuieren. Ich jedenfalls würde allen Zucker mit dem Eigelb verrühren und das geschlagene Eiweiss zuletzt, also sogar nach dem Mehl. So wird das Biscuit noch luftiger.

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt, beim Servieren passt die Liebe gut hin 🙂

    Das mit dem Zucker im Eischnee hätte mich gewundert, wenn es mir aufgefallen wäre. Das wird für Biskuit normal wohl anders gemacht, aber so genau hatte ich das nicht mehr in Erinnerung, und mein altes Biskuitrezept hatte ich irgendwo verloren, deshalb hatte ich jetzt ein neues gesucht.

    Das Ergebnis war aber so überzeugend, dass sich die Frage nach Verbesserung gar nicht stellte. Aber vielleicht probiere ich es nächstesmal doch anders, mal sehen.

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  3. Achim sagt:

    Wenn man Unfälle auf Autobahnen auf traurige Energien zurückführen kann, kann man auch erwarten, dass ein mit Liebe untergehobener Eischnee besonders gut gelingt.

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  4. gnaddrig sagt:

    So gesehen…

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