Dada Dadada Ditdit Dadit

Manchmal ist die Stimme weg oder ihre Benutzung ist zu schmerzhaft, etwa wegen Erkältung. Wer nicht einfach warten kann, bis das Elend abgeklungen ist, braucht für die persönliche Kommunikation einen einfach zu bedienenden Ersatzkanal.

Zu diesem Zweck habe ich mir zusammen mit meiner derzeit ebenfalls erkältungebedingt stimmbeeinträchtigten Tochter einen Morsekommunikator ausgedacht: Ein kleines handliches Gerät mit einem gut ausbalancierten Knopf, der als Morsetaste dient. Damit äußert man dann einfach per Morsezeichen, was mündlich zu sagen einen Halssschmerz oder Heiserkeit hindert. Nach einer kurzen Eingewöhnung wird man schon bald flüssig morsen können, das ist deutlich einfacher als Schreibmaschine mit Zehnfingersystem, vielleicht vergleichbar mit Daumenbedienung der Smartphonetastatur.

Die Ausgabe kann als Ton, Licht, Vibration oder Rauchsäule oder in beliebigen Kombinationen erfolgen. Der Morsekommunikator kann per Bluetooth o.ä. ans Smartphone angebunden werden. Weiteres Zubehör ist in Entwicklung, etwa eine ebenfalls per Bluetooth angesteuerte externe Ausgabeeinheit, die man etwa an einem Arm- oder Stirnband tragen oder für Auftritte oder Telefonkonferenzen vor ein Mikrofon oder ein Telefon legen kann.

Bei Bedarf kann man den gemorsten Text von der zugehörigen App (auch für den Desktop erhältlich) vorlesen oder automatisch in Text umwandeln lassen. Dann können Gesprächspartner das entspannt mitlesen oder direkt verarbeiten. Diese Umwandlung in Text oder Klang kann natürlich auch auf der Seite der Gesprächspartner passieren.

Auch eine automatische Umsetzung in anthroposophischen Ausdruckstanz und telepathiekompatible Auraschwingungen ist möglich, nur die dafür nötigen Geräte muss wer anders entwickeln.

** * **

Das ist natürlich alles nur eine vergleichsweise alberne Spielerei, geboren aus dem Frust über eine vorübergehende erkältungsbedingte Sprachlosigkeit, oder eher eingeschränkte Sprechfähigkeit. Ärgerlich, lästig, aber meistens nicht weiter tragisch.

Für Leute, die tatsächlich nicht sprechen können und u.U. aufgrund weiterer motorischer Einschränkungen Schwierigkeiten bei der Kommunikation haben, sieht das ganz anders aus. Da kommt man schnell in die Nähe von Locked-In-Zuständen, die wirklich ein schwerwiegendes Problem darstellen. Zum Glück gibt es da mittlerweile auch eine Reihe von Möglichkeiten, selbstbestimmt zu kommunizieren.

Da gibt es Talker-Apps, die getippten Text vorlesen oder vorsortierte Textbausteine zum Anklicken anbieten, die dann ebenfalls vorgelesen werden. Wer Smartphone oder Tastatur gar nicht bedienen kann und auch an sonstigen Eingabegeräten scheitert, kann vielleicht mit dem von Arsh Shah Dilbagi erfundenen Gerät kommunizieren – das Gerät wertet Atemgeräusche aus, die Steuerung erfolgt über zwei verschiedene Arten des Ausatmens.

Andere Ansätze messen Hirnströme, wie die Haube des Neurologen Niels Birbaumer, oder arbeiten mit der Pupillenweite. Faszinierend, was mittlerweile alles geht. Ich bin dankbar, dass ich das bisher alles noch nie gebraucht habe und stattdessen hier ziemlich unbeschwert über Morsespielzeuge für Hustenpatienten blödeln kann.

 

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14 Kommentare on “Dada Dadada Ditdit Dadit”

  1. Über die Locked-in-Zustände habe ich auch bei Dehaene gelesen.
    Schlimm, wenn niemand bemerkt, daß noch Leben ist. Schlimm ist es auch, wenn die Befreiung nur gelegentlich geboten werden kann – so war es zu Anfang dieser Technologien.

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  2. gnaddrig sagt:

    Ja, oder wenn sie schon merken, was los ist, aber den Zugang nicht finden oder vielleicht Spuren von Regungen missverstehen und dann erstmal wieder nichts ist mit Kommunikation. Umso faszinierender finde ich es, was für Ideen da so kursieren, um doch noch die Verbindung aufnehmen zu können.

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  3. Echt furchtbar, wenn aufgegeben wird und der Patient das merkt oder vielleicht hofft, daß noch was kommt, aber wann? Und ob überhaupt?

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  4. Mindsplint sagt:

    Gute Besserung!!! 🙂

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  5. gnaddrig sagt:

    Danke, ist jetzt schon fast vorbei…

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  6. smurfix sagt:

    Das coolste Programm in dieser Richtung ist wohl Dasher. Damit geht das Scheiben vergleichsweise schnell (auch ohne das Morsealphabet zu lernen …). Leider wird die Android-Version aktuell nicht weiterentwickelt – das Programm mit den Augen zu steuern (eine Frontkamera hat fast jedes Handy) wäre superb.

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  7. Netter Artikel 🙂 Ehrlich gesagt finde ich aber – um konsequent zu bleiben – sollten unsere Smartphones nicht schon längst wissen was wir denken? Tippen an sich ist, sofern man nicht körperlich stark eingeschränkt ist, ist kein Thema, aber für den Durchschnittsmenschen wäre das nächste große Ding echt erst ne Gedankenübertragung, meint Ihr nicht?

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  8. gnaddrig sagt:

    Danke 🙂

    Wer weiß, was in absehbarer Zeit alles möglich sein wird in Sachen Auswertung aller möglichen körperlichen Reaktionen mit bezahlbaren Sensoren und Geräten. Für Locked-In-Patienten könnte da noch einiges drin sein. Bei „Gedankenlesen“ stellt sich aber natürlich auch gleich wieder die Frage nach dem Missbrauchspotenzial, leider.

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  9. Ja, das Missbrauchspotenzial ist leider sehr hoch, haben aber auch alle übers Internet, über Google, über Online-Banking gesagt. Schutzmechanismen werden sich entwickeln, Menschen werden sich dran gewöhnen denke ich.

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  10. gnaddrig sagt:

    Man hofft. Und solange wir in einem freiheitlichen Rechtsstaat leben, muss man sich nur vor Kriminellen in Acht nehmen, gegen die die zuständigen Behörden ja auch vorgehen. Wenn das kippt, kommt der Missbrauch u.U. vom Staat, und dann hat man wenig zu lachen, weil man dem wenig entgegenzusetzen hat. Und die Entwicklungen in Polen, Ungarn, der Türkei u.a. zeigen, wie schnell sich sicher geglaubte Rahmenbedingungen ändern können. Auch ein Grund, sich hierzulande genau zu überlegen, wen man wählt und wen nicht…

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  11. Yadgar sagt:

    Also, die Baumkraken auf Serrana verständigen sich mittels Hautpigment-Animationen: http://www.worlddreambank.org/S/SERMOSNO.HTM

    Pigment-Animationen gehören auf jeden Fall in die ToDo-List zukünftigen Humangenom-Designs… auch wenn ich mir da ziemlich eklige Missbrauchsmöglichkeiten vorstellen, allen voran z. B. Naziskins, in deren Visagen dicke schwarze Hakenkreuze rotieren… aber vielleicht kann man die Genprogrammierung ja so implementieren, dass die Gene für Pigmentanimation nur bei gleichzeitigem Vorhandensein gewisser Intelligenz-Gene aktivierbar sind!

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  12. Achim sagt:

    Erst der Spaß: Wie ist es mit der Dekodier-Einheit? Man filmt das Rauchsignal mit dem Smaprtphone, und die App übersetzt…

    Nun der Ernst: Beim Thema Missbrauch werden Polen, Ungarn & Co. erwähnt. Wieso nicht Deutschland? Siehe Polizeigesetze in Bayern und Niedersachsen. Siehe die Rolle des BfV in der rechten Szene. Hierzu in der aktuellen ZEIT (hinter der Bezahlwand, ich hab’s in der Papierausgabe gelesen): http://bit.ly/2yJ8GlE.

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  13. gnaddrig sagt:

    Spaß: Und dann stellen Leute ihre Smartphones bei Nebel, Regen oder sonstwas ins Fenster, lassen die App laufen und behaupten dann, Geister, Aliens oder sonstwer kommuniziere mit ihnen…

    Ernst: Stimmt, wieso nicht Deutschland – die genannten Polizeigesetze mit ihrer Aufweichung rechtsstaatlicher Standards und dem erheblichen Missbrauchspotenzial durch Möglichkeiten, die Justiz zu umgehen, und das Gebaren des Verfassungsschutzes auf Bundes- und Länderebene sind vielleicht sogar noch schlimmer als die offensichtliche und ungenierte Dekonstruktion der unabhängigen Justiz in Polen oder der Pressefreiheit in Ungarn.

    Den Artikel von Stein und Zimmermann habe ich auch gelesen (bevor er hinter der Bezahlschranke verschwand), der ist sehr lesenswert.

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