Lieblingswörter

Es gibt Wörter, die ich nicht mag, über die ich mich ärgere und die ich nach Möglichkeit vermeide. Und es gibt Wörter, die ich gern mag. Das heißt nicht, dass ich die unbedingt häufig verwende, aber ich freue mich, wenn sie mir hin und wieder begegnen.

Eines davon ist umständehalber. Das findet man wohl fast nur in Kleinanzeigen – xy umständehalber abzugeben. Das dahinterstehende Konzept hat ein bisschen was von Amtsstube, Ärmelschoner und und Kehrwoche. Man könnte es fast als auf die unsympathische Art typisch deutsch abtun.

Dabei ist es ein sehr eleganter Hinweis, dass das inserierte xy nicht wegen Mängeln verkauft wird, sondern weil der Besitzer es nicht mehr benötigt. Es fungiert als Zusicherung, dass das xy in einigermaßen gutem Zustand und jedenfalls funktionstüchtig ist, ohne dass man das nochmal extra unbescheiden dazusagen muss. Außerdem klingt es gut, finde ich – umständehalber.

Nachtrag (25.11.2018): Mit ein paar Tagen Verspätung fällt mir auch meine Wörterliste von neulich wieder ein.

Autor: gnaddrig

Querbeet und ohne Gewähr

15 Kommentare zu „Lieblingswörter“

  1. Ein wunderbares Wort. Ich werde es in meine persönliche Liste übernehmen. Ein Unding, dass es nicht längst dort verzeichnet ist.
    Danke für den Hinweis.

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  2. bevor ich – „umständehalber“ – die Auflösung Deines Artikels gelesen habe, habe ich mich gefragt, was denn mein „Lieblingswort“ ist – eins fiel mir nicht ein, sondern viele, und alle sind lautmalerisch, zum Beispiel:

    ninna nanna – lullaby

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  3. Das Nette ist, dass man Wörter ja aus ganz verschiedenen Gründen mögen (oder nicht mögen) kann. Da wären sogar Lieblingswörter in verschiedenen Kategorien denbar – Klang, Rhythmus, originelles Konzept, Eleganz, was auch immer.

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  4. Ich denke, dass das Wort einen ganz anderen Geburtstort hat und Hebammen Hebammen bei der Geburt dieses Wortes waren. Denn in Österreich ist man „in anderen Umständen“, wenn man schwanger ist. Und „umständehalber“ könnte darauf hinweisen, dass eine Wohnung für eine größer gewordene Familie plötzlich zu klein geworden ist.

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  5. @ boomerang2nd @ gnaddrig

    auch in Deutschen Landen sagt man, altmodisch: „in anderen Umständen sein“

    ich glaub’ aber nicht, dass Deine Interpretation zutreffend ist – schön wär’s ja, denn das erste Lieblingswort, das mir einfiel, war:

    „ciuccio“

    mal bei google eingeben, dann wisst ihr, warum das passen würde … Aussprache: https://forvo.com/word/ciuccio/

    geht noch lautmalerischer …

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  6. @ gnaddrig

    Du hast natürlich Recht, dass es – quasi unendlich – viele Gründe gibt, ein Wort zu mögen, zum Beispiel „Klang, Rhythmus, originelles Konzept, Eleganz, was auch immer“.

    „umständehalber“ gefällt mir, aber es hat für mich etwas „Melancholisches“: da wird etwas nicht mehr gebraucht, da ist etwas zu Ende gegangen, und wer will das schon? Holden Caulfield auf jeden Fall nicht:

    „Certain things they should stay the way they are. You ought to be able to stick them in one of those big glass cases and just leave them alone. I know that’s impossible, but it’s too bad anyway.“

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  7. @ boomerang2nd

    falls Du Österreicher bist (und auch wenn nicht):

    Ada­bei

    Lercherlschas

    find ich Klasse!

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  8. @Andreas Lichte:
    Klar bin ich Österreicher – unter anderem.
    Gestern erst ist mir andernorts ein österreichischer Begriff wieder aufgestoßen, der Ihnen gefallen könnte. Er wird für Menschen von äußerst raumgreifenden Ausmaßen verwendet und lautet schlicht und einfach: Backhendlfriedhof

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  9. @ boomerang2nd

    fiel mir gerade wieder ein … wie man aus etwas „Banalem“ mehr macht … wie sagt der Österreicher dazu:

    [1] Botanik, Österreich, sudetendeutsch: eine Pflanzenart (Lycopersicon esculentum) aus der Familie der Nachtschattengewächse

    [2] Österreich: eine als Gemüse verwendete rote Frucht des Tomatenstrauchs, Tomate

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