Erwartungen

Ganz oft wird bei Schulungen und Weiterbildungen eingangs die Frage gestellt, was man als Teilnehmer denn von der Veranstaltung so erwartet. Das finde ich regelmäßig etwas komisch. Was soll das auch?

Da gehe ich und buche die Schulung „MS Excel für die Lohnbuchhaltung“ – was könnte ich von der Veranstaltung erwarten? Mehr Lohn? Vielleicht erwarte ich gar nichts, weil ich sowieso nur hier bin, weil meine Chefin mich hergeschickt hat.

Oder ich gehe alle zwei Jahre zum üblichen Erste-Hilfe-Auffrischkurs mit dem immergleichen bekannten Programm. Was wollen die von mir hören was ich dort lernen will außer Erste Hilfe? Und selbst wenn ich Erste Hilfe schon könnte und tatsächlich nur dort wäre, um eine hübsche Kollegin aufzureißen oder mal einen Tag aus dem Büro zu kommen – würde ich das wirklich in der Vorstellungsrunde verraten?

Die Frage nach den Erwartungen der Teilnehmerinnen ist meiner Meinung nach in den meisten Fällen überflüssig. Aber eigentlich könnte man umgekehrt mal den Referenten zurückfragen, weshalb er das macht und was er sich von der Veranstaltung erhofft.


15 Kommentare on “Erwartungen”

  1. Yadgar sagt:

    Warum er das macht? Wahrscheinlich muss er irgendeine verschissene EU-Richtlinie umsetzen, die bei allen möglichen öffentlichen Aktivitäten ständiges Evaluieren, Zertifizieren, Dokumentieren und Firlefanzieren vorschreibt, korrekt durchgegendert und CO2-neutral versteht sich!

    Man wird ja heutzutage überall mit Fragebögen genervt, mit denen man alles Mögliche möglichst ausführlich bewerten soll, online sowieso (Amazon! Ebay!), aber auch im Baumarkt, im Krankenhaus, sogar in den Bahnhofsklos, pardon, McClean-Reisefrischecentern hängen mittlerweile Bewertungs-Terminals… während pünktliche Zugverbindungen mittlerweile zum Glücksfall geworden sind! Wie krank ist das denn?

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  2. Die letzte Frage sollte ziemlich einfach zu beantworten sein, da viele Referenten als Freiberufler unterwegs sind: Geldeingang auf dem Konto. Bei angestellten Referenten trifft es vermutlich eher die Variante „weil meine Chefin …“.

    Ich habe die letzten zwei Jahre ziemlich viel Kurskram gemacht und die ehrliche Antwort wäre jedes Mal gewesen: weil ich dieses dämliche Zertfikat möchte, weil’s bei vetrtetbarem Gesamtaufwand vielleicht später mal für irgendwas gut sein könnte, und mir dazu noch ein Kurs der Kategorie XY fehlt, und dieser hier aus der kleinen Auswahl zeitlich akzeptabler Termine das kleinste Übel zu sein schien.

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  3. gnaddrig sagt:

    @ Yadgar: Dann müssten sie die ANtworten in den Schulungen aber irgendwie erfassen. Nach meiner Erfahrung verhallt das aber völlig undokumentiert.

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  4. Yadgar sagt:

    Nachtrag: so sehr ich die politischen Verhältnisse im real existierenden Putinismus verabscheue – aber ich habe für jeden Aussteiger Verständnis, der nach Sibirien in die Taiga zieht, um sein Leben endlich selbst in die Hand zu nehmen, statt in seinem durchschnittsdeutschen Wohnklo von einer überbordenden Bullshit-Bürokratie zum hilflosen Zuvielisations-Insassen verzwergt zu werden!

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  5. gnaddrig sagt:

    Unterschätze nicht die russische Bürokratie…

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  6. gnaddrig sagt:

    @ Tanja: So sieht das aus.

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  7. Yadgar sagt:

    @gnaddrig:
    „Unterschätze nicht die russische Bürokratie…“

    Aber die ist in Jerbogatschon, Tura oder Tiksi weit, weit weg…

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  8. gnaddrig sagt:

    Naja, aber wenn der zuständige Beamte Dich auf dem Kieker hat, hast Du keine Ruhe. Dann musst Du diesen Zettel ausfüllen, dort stempeln lassen, jene Bescheinigung besorgen. Dazu musst Du bei fünf verschiedenen Ämtern vorsprechen, zwei in der Kreisstadt, eins in der Provinzhauptstadt, eins in Moskau und eins in Magadan.

    Auf dem letzten Amt wird man Dir mitteilen, dass Du die Stempel in einer bestimmten Reihenfolge hättest einholen müssen und man Dir die Bescheinigung deshalb leider nicht ausstellen könne. Du musst die Pilgerreise also nochmal mit geänderter Reihenfolge absolvieren.

    Auf dem letzten Amt wird man Dir mitteilen, dass der eine Stempel falsch gesetzt ist, er hätte diese eine Linie nicht berühren dürfen. Mittlerweile ist Deine Aufenthaltserlaubnis für das Gebiet abgelaufen, Du musst nach Moskau ins Außenministerium, um sie erneuern zu lassen. Dort wird man Dir mitteilen, dass Du eine Bescheinigung des Gouverneurs hättest mitbringen müssen, ohne die keine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis möglich ist. Außer natürlich gegen eine kleine, hm, Extragebühr. Deren Übergabe darf allerdings nicht im Amt erfolgen, sondern dafür trifft man sich auf einen Kaffee in der Einkaufsmeile nebenan.

    Aber keine Sorge, nach kaum zwei Monaten, 5000 gereisten Kilometern und 1500 Dollar Ausgaben hast Du Deinen Zettel.

    Dann kommt das Gesundheitsamt und Du fängst oben wieder an…

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  9. Yadgar sagt:

    …daher wäre das Optimum zum Aussteigen ein Ort komplett ohne Staat, ohne Wirtschaft, ohne Menschen… was außer dem Ellsworth-Hochland in der Antarktis gibt es da denn noch? Eventuell wie der Mariner in „Waterwold“ auf einem Floß auf hoher See? Oder (komfortabler, und eine Orgel gibt es sogar auch auch Bord!) als Kapitän Nemo auf der „Nautilus“?

    Kann sich jemand vorstellen, dass es in (fernerer) Zukunft Aussteigertum in entlegenen Regionen des Sonnensystems geben könnte?

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  10. gnaddrig sagt:

    Man könnte es vielleicht schaffen, sich irgendwo in Sibirien, im nördlichen Skandinavien, am Südende von Argentinien o.ä. ohne Behördenkontakt einzurichten. Man muss es nur geschickt anstellen, dass man die nötige Ausrüstung dort hinkriegt, ohne Aufsehen zu erregen. Da muss man aber erheblich Geld reinstecken.

    Nautilus hätte was, wäre aber auch nicht umsonst zu haben.

    Und wer weiß, vielleicht kommt man in ein paar Jahr(zehnt)en ja wirklich per Anhalter durch die Galaxie…

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  11. Achim sagt:

    Nun, ich halte gelegentlich Schulungen / Fortbildungen, wo die Frage ihre Berechtigung hat. Das Publikum ist nämlich bunt gemischt – es geht um IT-Themen, und da sitzen Anwender aus der Fachabteilung, Techniknerds, Führungspersonen, und die Antworten reichen von „wie gehe ich mit dem Tool effizient um?“ über „wie funktioniert das, und wie kann ich es hacken?“ bis zu „was können meine Leute damit machen und wie hängt es mit allem anderen zusammen?“. Und da ich die Antworten nicht vorher kenne, verschieben sich die Gewichte am Seminartag recht spontan.
    Und heute früh habe ich mir selbst den ersten Teil einer solchen bunt bevölkerten Veranstaltung gegeben. Der Referent hat aufgrund des Anteils von „was kann man damit machen?“ ein bisschen ausgebaut, als wir dann zu „und wie geht das?“ kamen, bin ich mit ein paar anderen gegangen.

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  12. Achim sagt:

    Was Bürokratie angeht, sind wir in Deutschland noch ganz gut dran. Es muss ja nicht Russland sein, Frankreich reicht völlig. Ich war im Herbst mit dem Ruderverein auf französischen Gewässern unterwegs… das muss man sich nicht jedes Jahr geben.

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  13. Bin ich begriffsstutzig? Warum verkompliziert ihr alles?
    Der Referent will ganz einfach wissen, in welchen Bereichen (nämlich den Zielbereichen, die IHR ihm nennt) er sich besondere Mühe geben muss. Damit er EUCH zufrieden stellen kann und sich die Teilnahme für euch ganz persönlich auch rentiert hat.

    Man muss doch nicht hinter jedem Gebüsch eine EU-Richtlinie sehen!

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  14. gnaddrig sagt:

    @ Achim: Klar, solche Fälle gibt es, da ist die Frage nach den Erwartungen auf jeden Fall sinnvoll. Habe ich ja auch schon erlebt. Manager haben andere fachliche Interessen als Koordinatoren, und die wieder andere als Übersetzer oder Doku-Entwickler und gehen dann natürlich mit unterschiedlichen Erwartungen in so eine Veranstaltung. Nicht immer lohnt es sich, verschiedene extra auf diese Zielgruppen zugeschnittene Versionen derselben Schulung anzubieten.

    Der Anlass für den Text ist „mein“ Standardszenario: Firmeninterne Schulungen, in denen der Umgang mit den Tools gelehrt wird, die man für den Job braucht. Wenn in der Schulung für das eben neu eingeführte Trados Studio 15 Übersetzer sitzen, die hinterher damit arbeiten müssen, stellt sich die Frage nämlich eigentlich eher nicht. Und sich dann 15 Variationen über das Thema „Ich wünsche mir, hinterher mit Trados Studio arbeiten zu können“ anzuhören ist etwas ermüdend und Zeitverschwendung.

    @ Werner Kastens: Neinein, da gibt es keine Richtlinie. Ich motze nur gern, und Yadgar hängt da dann Phantasieflüge dran auf. Alles in Ordnung 🙂

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