Garnknäuel

Neulich hat mir im Zug eine Frau schräg gegenübergesessen, die gestrickt hat. Mehrmals ist ihr das Garnknäuel heruntergefallen, und sie musste sich das dann wiederholen. Manchmal hat sie am Faden gezogen und das Knäuel kam wie ein kleines Kätzchen angesprungen, sie musste es dann nur noch aufheben. Andere Male ging das nicht und sie musste auf die Knie und auf dem Boden nach dem Knäuel suchen. Ähnliches habe ich schon oft bei Strickenden beobachtet, das scheint ein häufiges Problem zu sein.

Da das Knäuel beim Stricken lose liegen muss, damit die Nadeln ohne Kraftanstrengung immer genug Faden nachziehen können, kann man das leider nicht irgendwie befestigen. Man könnte höchstens eine Art Dose mit einer kleinen Öffnung für den Faden mit geeignetem Mittel irgendwo befestigen, etwa mit einer Art Gurt oberhalb des Knies ans Bein binden oder wie früher die Backsteinhandys an den Gürtel hängen. Oder man wickelt das Knäuel um etwas Schweres, eine Stahlkugel etwa, und legt es dann in eine flache Schale, die man dann auf den Tisch stellt und hofft, dass sie niemand umreißt. Dann wäre das Knäuel halbwegs sicher.

Das wäre, so rein technisch gesehen, sogar halbwegs elegant, aber doch irgendwie, hm, unbefriedigend. Wir streben ja in großen Schritten der Zukunft entgegen, da wäre eine etwas hightechigere Lösung schon angebracht.

Rein zufällig habe ich da eine Idee:

Wir lassen das Strickgarn in einer kleinen Maschine direkt für den Gebrauch produzieren. Das formschöne Gerät von der Größe einer Ein-Liter-Faxe-Dose kann auf dem Tisch stehen. Es spinnt aus gefärbter Rohwolle Fäden in der gewünschten Stärke  und verdreht sie nach Wunsch zu Garn. Mehrfädige Garne mit verschiedenfarbigen Fäden sind möglich. Die Produktion erfolgt genau im Tempo des Verbrauchs. Die Steuerung erfolgt über Sensoren in den Stricknadeln (Häkeln geht auch).

Garnreste gehören damit der Vergangenheit an, ebenso wie fast fertiggestrickte Socken, Pullover, Topflappen, wo dann eine halbe Reihe vor Ende das Garn ausgeht, das man am Wochenende oder fern eines Strickbedarfsladens natürlich nicht nachkaufen kann, oder es war sowieso das weltweit letzte Knäuel dieser Sorte Garn in dieser Farbe, man hat da das alte Zeug von Tante Aloysia verbraucht, das seit 35 Jahren auf dem Dachboden gelegen hatte. Sowas passiert immer im ungünstigsten Moment.

Mit meiner Maschine lässt sich jedes beliebige Garn sich aus standardisierten Rohstoffen in beliebiger Menge und Qualität herstellen. Die ungefärbte Rohwolle wird im Gerät gefärbt. In der Basisversion sind drei Presets möglich. Mit meiner automatischen Spinnliesel hat man nie wieder vertüddeltes Garn vor der Nadel, muss nie wieder Garnknäuel zwischen den Stiefeln der Mitreisenden suchen, muss nie wieder gekauftes Garn von Hand aufknäueln.

Man könnte sogar eine Strickmusterautomatik bauen. Man füttert dem Gerät ein digitalisiertes Strickmuster ein, und das gibt dann Anweisungen zum Stricken – links, links, eine fallenlassen, rechts, rechts, vorwärts, rückwärts seitwärts, ran. Eine Kamera beobachtet die Nadelspitzen, warnt bei Fehlern usw.

Und anders als das mit Flammenwerfer o.ä. ausgerüstete Auto, das es nicht schafft, seinen eigenen Fahrweg in Reisegeschwindigkeit freizuräumen, könnte das sogar funktionieren…

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17 Kommentare on “Garnknäuel”

  1. Lo sagt:

    So eine Maschine würde auch verhindern, dass die (oder der) Strickende irgendwann damit beginnt, mit dem Kopf zu wackeln.

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  2. gnaddrig sagt:

    Ja, ganz bestimmt!

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  3. Die Strickmusterautomatik löst ein Problem, das sich so gar nicht stellte, schien es bei dem von Dir beobachteten Strickvorgang doch (auch) darum zu gehen, die Zugfahrt mit einem einfach zu transportierenden Strickzeug zu verkurzweilen. Mir stellt sich bei der Beobachtung des Knäuels eher die Frage, wieso Strickgarn nicht auf Papprollen gewickelt wird, wie Nähgarn. Man könnte dann einen einfach am Vordersitz zu befestigenden Abrollmechanismuss ähnlich einem Klorollenhalter mitnehmen und könnte in Ruhe stricken. Falls man das denn unbedingt möchte.

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  4. gnaddrig sagt:

    Auch eine Idee 🙂

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  5. Yadgar sagt:

    Das mit der digitalen Strickmaschine ist eine gute Idee… man könnte es auf Teppichknüpfen ausweiten, damit ich endlich zu einem garantiert kinderarbeitsfreien (fast) echten Afghan (für die Experten: mit Salor-Göl!) für mein Wohnklo komme! Die Maschine könnte an der Wand hängen, zwei Meter breite Teppichbahnen ausstoßen und natürlich auch eine Färbe- und Zuschneideeinheit für die Wolle enthalten… man lädt ein Muster als hochauflösende Bitmap (mehrere Millionen Knoten bzw. Pixel) aus dem Internet, das Gerät rattert los, und am anderen Morgen ist der Teppich fertig…

    Eine andere Frage, gnaddrig: habt ihr eigentlich Katzen?

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  6. gnaddrig sagt:

    Katzen? Nö. Aber als ich Kind war hatten wir welche.

    Das mit der Teppichmaschine und der Verarbeitung von Bitmap-Vorlagen klingt gut 🙂

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  7. Yadgar sagt:

    Thread-Export von ZEIT Online (eigentlich ging es um Drohnentaxis):

    gnaddrig:

    Schlechter Vergleich. CDs bieten gegenüber Vinyl erheblich bessere Klangqualität. Das Risiko, beim Abspielen den Tonträger zu beschädigen ist niedriger, die Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen auch. War abzusehen, dass das genügend Fans findet, um CD-Player mittelfristig billig zu machen.

    Die Eisenbahn funktioniert, und selbst wenn sie ihre Kosten nicht direkt einspielen sollte, hat sie durch die neue Infrastruktur so viel Wirtschaftspotenzial geschaffen, dass sie das Geld unterm Strich allemal wert war und bis heute ist. (Der Transrapid wurde in D ja u.a. deshalb nicht gebaut, weil er nicht wirtschaftlich zu betreiben gewesen wäre, und der in Shanghai gebaute Transrapid bestätigt das.)

    Was Taxi-Drohnen angeht: Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich von einer pilotenlosen Drohne chauffieren lassen wollte. Das ist ja doch was anderes als eine fahrerlose U-Bahn mit wesentlich weniger komplexen Anforderungen. Und dass die Drohnen im Vergleich viel zu teuer sind, lässt sich auch nicht einfach wegrechnen. Vermutlich wird das ein Nischenprodukt für die oberen Zehntausend bleiben.

    ***

    Und jetzt mein Senf dazu, hier im Blog:

    Auf dem Gebrauchtmarkt sind CDs trotzdem Ladenhüter – ich versuche seit gut einem Jahr, meine knapp 60 CDs los zu werden (nach dem Umwandeln in MP3 – ganze Sammlung für 1 € pro CD), Interesse praktisch gleich Null. Auf Flohmärkten kosten sie auch nicht mehr – und werden ausschließlich von „Privatentrümplern“ vertickt, entsprechend sieht das Sortiment musikalisch dann auch aus, Benjamin Blümchen und Hot XXXX-Treeeeeme Dance Traxxxxx neben Barbiepuppen, Naturstein-Aschenbechern und „Vier gewinnt“ von Mattel. Gruselig!

    LPs wiederum fangen bei den Flohmarkt-Profis mit den alphabetisch sortierten Plattenkisten und den transparenten Plastikschutzhüllen pro LP bei 5 € erst an, selbst die unspezialisierten Privathändler, die einfach nur ihren Keller leer haben wollen, verlangen üblicherweise 2 oder 3 Euro… verrückte Welt!

    Während vor 30 Jahren CD-Player und CDs als Yuppie-Zubehör galten, sind sie heute in jedem Computer verbaut – aber weil fast jeder einen PC besitzt, hat auch fast jeder gemerkt, dass MP3- oder OGG-Dateien auf der Festplatte bei vergleichbarer Klangqualität viel weniger Platz verbrauchen als eine im Regal einstaubende CD-Sammlung. CDs sind doof und prollig, für den winzigen Druck auf den Booklets braucht man eine Lupe, und nicht selten sind die Re-Releases auf den Silberlingen eher digitally destroyed als digitally remastered.

    Dagegen LPs – das ist kultivierte Ästhetik im Großformat, die Cover machen was her, man kann der Platte zusehen, wie sie sich dreht, und selbst das Knistern ist so herrlich nostalgisch… kein Wunder, dass die einschlägig tätowierten und ohrgetunnelten fixiefahrenden Vollbartträger in teure Plattenspieler investieren, man ist schließlich hip!

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  8. gnaddrig sagt:

    Klar, wie es klingt hängt natürlich von der Aufnahmequalität und Produktion ab, und wenn da gespart wird, klingt auch das beste Medium nach nichts. Vergleiche sind zuallermindest nicht trivial.

    Letztlich geht es den meisten wohl auch nicht in erster Linie um Qualität an sich, sondern um andere Dinge, die mit dem gewählten Medium zusammenhängen. Am Ende ist es eine Glaubensfrage.

    Bei LPs hast Du tatsächlich eine Menge Sinnliches – die LP selbst, das Cover. Eine LP abzuspielen ist ja auch praktisch ein Ritual mit bestimmtem Zubehör und einer Reihe unverzichtbarer Handgriffe, fast wie eine Teezeremonie. Das fällt bei einer CD alles sehr viel magerer aus.

    Alte Tonträger kaufen vermutlich v.a. Sammler. Dass da LPs besser gehen als CDs wundert mich gar nicht. Statt alter CDs würde ich mir auch eher MP3-Dateien zulegen, die klingen in den allermeisten Hörsituationen genauso gut und sind flexibler in der Handhabung.

    Davon abgesehen gibt es jede Menge esoterischen Unfug im Zusammenhang mit dem Abspielen von Tonträgern. Ein paar sehr hübsche Audio-Esoterika stellt Pantoufle in der Schrottpresse vor: Die Basis ist die Grundlage des Fundaments (sehr lohnenswert auch die Kommentare).

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  9. Yadgar sagt:

    @gnaddrig:
    https://schrottpresse.org/15820-2

    Ouhauerha! Sowas wird tatsächlich verkauft? Fehlen ja eigentlich nur noch die handgeklöppelten Superluxusboxenkabel (500 €/m) für glückliche Elektronen auch aus schnödem Industriestrom…

    Aber der Seyfriedsche Camouflage-Nikolaus (oder ist es nicht eher Timur Lenk in Flecktarn?) kommt gut, die Haarlänge in Kombination mit dem Pornobalken ist schon an der Grenze zum Sumpfzigeunertum (siehe auch: http://www.assoziations-blaster.de/blast/Sumpfzigeuner.1.html)! Geil!!!

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  10. gnaddrig sagt:

    Ja, Wahnsinn, oder?

    Ich habe jedenfalls das Theater um Vinylschallplatten nie verstanden. CDs sind aus meiner Sicht in praktisch jeder Hinsicht besser: Medien und Abspielgerät benötigen weniger Platz und sind weniger empfindlich und einfacher bedienbar. Die Lagerung von CDs ist weniger anspruchsvoll. Das lästige Knistern entfällt. Kaum Risiko, bei Bedienfehler das Medium unbrauchbar zu machen (Kratzer!), Abnutzung durch häufiges Abspielen gibt es ebensowenig wie das Eiern, das LPs oft unhörbar macht. Man kann sogar problemlos Sicherungskopien in gleicher Qualität machen.

    Die angeblichen Nachteile kommen für mich persönlich kaum zu tragen. Dass LPs Frequenzen bis 30 oder 40 kHz wiedergeben ist egal, wenn die allermeisten Leute sowieso nicht einmal bis 20 kHz hören.

    Ich ziehe CDs unbedingt vor. Den umständlich zu bedienenden Diven aus Vinyl trauere ich überhaupt nicht hinterher und verstehe auch nicht, was Leute dran finden, wenn es ums Musikhören geht. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

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  11. Achim sagt:

    Ich lese immer nur „Vinyl“! Hat denn irgendwer außer mir noch ein Cassettendeck in Betrieb? Na? Seht ihr.

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  12. gnaddrig sagt:

    Ein Cassettendeck habe ich auch noch, das ich allerdings nur sehr selten benutze. Das ist aber auch nie als audiophiles „Goldenes Zeitalter“ überhöht worden, da kräht kein Hahn nach, weder für noch gegen.

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  13. Achim sagt:

    Da haste auch wieder Recht… Sowohl der „Plätti“ als auch das Tapedeck habe ich noch in Betrieb, weil die jeweiligen Tonträger sentimental ziemlich aufgeladen sind. In der kurzen Ära der CD-Verleih-Branche habe ich so Einiges auf Cassette aufgenommen und dann hübsche Cover gestaltet, meist mit Hilfe von ganzseitigen Anzeigen in Zeitschriften 😉

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  14. Yadgar sagt:

    @Achim:
    Also, ich habe auch noch eins, von Yamaha… ganz gelegentlich gerät einem auf Flohmärkten auch mal interessante Musik auf MCs in die Hände, und da wäre es blöd, kein Abspielgerät zu haben!

    @gnaddrig:
    „da kräht kein Hahn nach“

    Nicht ganz, im Umfeld der ze.tt- und bento-Chichi-Artikel gibt es durchaus einen gewissen Retro-Walkman-Kult (wo es dann z. B. um Mixtape-Nostalgie geht), und gab es nicht sogar mal MP3-Player im Cassetten-Look?

    Richtig Hardcore wären allerdings die Leute, die heutzutage noch einen Tefifon-Spieler haben… und statt einer Heimorgel ein 1933er Telefunken-Volkstrautonium!

    Und ich hätte gerne einen gut erhaltenen 486er mit Röhrenmonitor, 5,25-Zoll-Floppy und Windows 3.11! Aber finde den mal zu bezahlbaren Preisen…

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  15. gnaddrig sagt:

    Allerdings werden eingefleischte Walkman-Anbeter weniger mit der überragenden Klangqualität argumentieren, da dürften eher Design umnd Handhabung für nostalgische Aufwallungen sorgen.

    Mixtapes gehen im Prinzip natürlich auch per CD oder MP3-Playlist, das ist also eigentlich kein Argument…

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  16. Yadgar sagt:

    Mit den 486ern (und erst recht mit den 386ern und 286ern) ist das sowieso so eine merkwürdige Sache: als ich 1997 anfing, die Kostenlos-Rubriken der örtlichen Kleinanzeigenblätter (von eBay war noch lange keine Rede) nach Zweit- bzw. weitervertickbaren Nostalgie-Rechnern abzuklappern, waren gerade XTs (also 8088er) und 286er in das Verschenk-Stadium eingetreten, 1999 dann die 386er und 486er, ab 2000 fand ich 486er auch schon in Sperr- und sonstigem Müll (einmal sogar einen kompletten, funktionsfähigen 486/100-DX4! Im Restmüllcontainer!), 2004 gab es dann Pentiums, etwas später die ersten Celerons geschenkt, während man von den genannten älteren Generationen schon gar nichts mehr hörte und sah.

    Der technologische Fortschritt bei PCs hat sich bekanntlich während der letzten 15 Jahre nach und nach verlangsamt, trotzdem ist das Verschenk-Stadium mittlerweile bei Dualcores angekommen, während nun die ersten beiden Pentium-Generationen ausgestorben scheinen.

    Verrückterweise, und das verstehe ich angesichts der zusammengestoppelten Beliebigkeit von 08/15-PCs (im Gegensatz zu den Heimcomputern der 80er Jahre oder auch der 68000er-Rechner, die wirklich unverwechselbare, klassische Maschinen sind) nicht wirklich, sind in den letzten Jahren (ich weiß nicht, was das angefangen hat, könnte ich mal recherchieren) PCs aus der DOS- oder zumindest Vor-Windows-95-Zeit zu gesuchten Sammlerstücken geworden, es muss wohl wirklich Leute geben, die für einen 386er-Laptop mit 2 MB RAM und vielleicht 120 MB Festplatte anstandslos 400 Euro hinblättern… anschnallen und cool bleiben: https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_sacat=0&LH_Complete=1&_nkw=386er&rt=nc (das sind wohlgemerkt beendete Auktionen, es spricht also einiges dafür, dass diese Preise tatsächlich gezahlt wurden!).

    Ich verstehe ja, dass Leute DOS-Spiele aus den 90ern zocken wollen (das mache ich auch gerne, Stichwort Darklands, Civilization, Railroad Tycoon und Elite „Frontier“ II) – aber das geht platz- und geldsparender auch mit einer DOS-Box unter Linux oder notfalls modernem Windows… irgendwie stelle ich mir jetzt cool durchgestylte Hipster (die Sorte mit den luxusgeölten Designer-Talibärten, den Ohrtunneln und gegeltem Hitlerpimpfenhaarschnitt) in riesige Berlin-Mitte-Lofts vor, weiße Wände, weiße Fliesen… und irgendwo in diesen unermeßlichen Weiten steht, neben dem understatementtechnisch an die Wand gelehnten luxusrestaurierten 1964er Peugeot-Rennrad auf einer japanischen Aussteuertruhe aus der Meiji-Zeit eben besagter 386er-Laptop… muss wohl ein Fall von horror vacui sein!

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  17. Yadgar sagt:

    Mit den 486ern (und erst recht mit den 386ern und 286ern) ist das sowieso so eine merkwürdige Sache: als ich 1997 anfing, die Kostenlos-Rubriken der örtlichen Kleinanzeigenblätter (von eBay war noch lange keine Rede) nach Zweit- bzw. weitervertickbaren Nostalgie-Rechnern abzuklappern, waren gerade XTs (also 8088er) und 286er in das Verschenk-Stadium eingetreten, 1999 dann die 386er und 486er, ab 2000 fand ich 486er auch schon in Sperr- und sonstigem Müll (einmal sogar einen kompletten, funktionsfähigen 486/100-DX4! Im Restmüllcontainer!), 2004 gab es dann Pentiums, etwas später die ersten Celerons geschenkt, während man von den genannten älteren Generationen schon gar nichts mehr hörte und sah.

    Der technologische Fortschritt bei PCs hat sich bekanntlich während der letzten 15 Jahre nach und nach verlangsamt, trotzdem ist das Verschenk-Stadium mittlerweile bei Dualcores angekommen, während nun die ersten beiden Pentium-Generationen ausgestorben scheinen.

    Verrückterweise, und das verstehe ich angesichts der zusammengestoppelten Beliebigkeit von 08/15-PCs (im Gegensatz zu den Heimcomputern der 80er Jahre oder auch der 68000er-Rechner, die wirklich unverwechselbare, klassische Maschinen sind) nicht wirklich, sind in den letzten Jahren (ich weiß nicht, was das angefangen hat, könnte ich mal recherchieren) PCs aus der DOS- oder zumindest Vor-Windows-95-Zeit zu gesuchten Sammlerstücken geworden, es muss wohl wirklich Leute geben, die für einen 386er-Laptop mit 2 MB RAM und vielleicht 120 MB Festplatte anstandslos 400 Euro hinblättern… anschnallen und cool bleiben: https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_sacat=0&LH_Complete=1&_nkw=386er&rt=nc (das sind wohlgemerkt beendete Auktionen, es spricht also einiges dafür, dass diese Preise tatsächlich gezahlt wurden!).

    Ich verstehe ja, dass Leute DOS-Spiele aus den 90ern zocken wollen (das mache ich auch gerne, Stichwort Darklands, Civilization, Railroad Tycoon und Elite „Frontier“ II) – aber das geht platz- und geldsparender auch mit einer DOS-Box unter Linux oder notfalls modernem Windows… irgendwie stelle ich mir jetzt cool durchgestylte Hipster (die Sorte mit den luxusgeölten Designer-Talibärten, den Ohrtunneln, gegeltem Hitlerpimpfenhaarschnitt und litfasssäulenartiger Ganzkörpertätowierung) in riesigen Berlin-Mitte-Lofts vor, weiße Wände, weiße Fliesen… und irgendwo in diesen schier unermesslichen Weiten steht, neben dem understatementtechnisch an die Wand gelehnten luxusrestaurierten 1964er Peugeot-Rennrad auf einer japanischen Aussteuertruhe aus der Meiji-Zeit eben besagter 386er-Laptop… muss wohl ein Fall von horror vacui sein!

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