Massengeschmack

Immer wieder bemängeln welche, die deutsche Bierlandschaft sei zu einförmig und werde von ein paar großen Herstellern mit weitgehend verwechselbaren Massenbieren dominiert. Öde, langweilig, mit Scheuklappe gebraut. Keine Experimente, nichts falschmachen. Hauptsache billig und viel. Der typische Verbraucher saufe widerspruchslos, was man ihm im Fernsehen empfehle, nix da Bierkultur und so.

Mag ja stimmen. Aber warum soll ich mich an sowas stören? Es gibt ja neben den Fernsehbieren schon seit langem einige Vielfalt. Man muss nicht nach Franken fahren, um die verschiedensten Biere kleiner Hersteller zu finden. In den letzten Jahren hat sich das Angebot auch in den ganz normalen Supermärkten erheblich verbessert. Schon die in vielen deutschen Supermärkten mittlerweile geführten Produkte mittlerer bis großer Mainstream-Hersteller aus einer Reihe von Ländern bieten mehr Vielfalt als der normale Biertrinker braucht oder sinnvoll ausnutzen kann, und spätestens die im Rahmen der Craft-Beer-Welle überall aus dem Boden sprießenden Bierläden lassen in Sachen Vielfalt kaum Wünsche offen..

Aber das nur am Rand. Viel wichtiger finde ich: Was interessiert mich denn, was die anderen  trinken? Wenn mir Fernsehbier A gefällt, trinke ich das eben. Wenn mir das Produkt der Brauereigaststätte nebenan gefällt, trinke ich eben das. Ob von „meinem“ Bier jetzt 5.000.000 Hektoliter pro Jahr durch die Kehlen gehen oder nur 5 ist doch völlig wurscht. Mir schmeckt das deswegen nicht besser oder schlechter.

Wenn ich „mein“ Bier kriege und trinken kann, ist es mir völlig egal, ob die übrigen Biertrinker im Land alle nur Krombacher trinken (das ich übrigens gar nicht schlecht finde), ob 90% des Umsatzes auf die zehn absatzstärksten Marken Krombacher, Oettinger, Bitburger, Veltins, Beck’s, Paulaner, Warsteiner, Hasseröder, Radeberger und Erdinger entfallen, oder ob in jeder beliebig zusammengewürfelten Kneipenrunde keine zwei Figuren freiwillig das gleiche Bier trinken.

Klar, je mehr Auswahl produziert wird, desto größer die Chancen, dass man auch mit dem ausgefallensten Sondergeschmack was für sich findet, und wer kein Pils, Alt, Kölsch, Weißbier mochte, hatte es in Deutschland lange nicht leicht, ein gefälliges Bier zu finden (ich mit meinem ziemlich spezifischen Teegeschmack sollte vielleicht auch nicht allzulaut über Sonderwünsche lästern von wegen Steineschmeißen im Glashaus).

Vielleicht haben ja solche Leute die aktuelle Braurenaissance eingeläutet, um endlich was Trinkbares zu kriegen, und es ist doch nicht nur angestrengte Hipsterei…

 


6 Kommentare on “Massengeschmack”

  1. Da war 2017 aber Jever in den 10ern. Schmeckt schön anders als Chrombi.

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  2. gnaddrig sagt:

    Und wenn, die habe ich aus Wikipedia abgeschrieben, das mögen veraltete Zahlen sein. Ist aber auch wurscht, es wird ja gegen die Masse gewettert, nicht gegen bestimmte Biere. Und es stimmt, die schmecken nicht alle gleich. Wenn man Jever, Flens, Krombacher, Hoepfner (gut, mit 130.000 Hektolitern bei weitem nicht Top 10, die fangen deutlich über 2 Millionen an, aber ein nicht ganz kleines Regionales Bier) vergleicht, gibt es da schon gewisse Unterschiede. Und das sind nur die, die mir so aus dem Stand sozusagen auf der Zunge liegen.

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  3. … aber man sollte ruhig nach Franken fahren, weil‘s da schön ist und ein frisch gezapftes Bier in der Brauereigaststätte oder auf‘m Keller nochmal ganz anders schmeckt als aus der Flasche …

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  4. gnaddrig sagt:

    Gar keine Frage. Ich wollte mich hier auch gar nicht gegen das Zum-Bier-Trinken-nach-Franken-Fahren ausgesprochen haben. Und „live“ trinken ist sowieso fast immer besser als aus der Flasche, außer auf Festivals oder bei Massenzapfereien.

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  5. Yadgar sagt:

    *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* rin in dä Kopp, schmecke muss dat nit *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* …BÖÖÖÖÖÖÖRPS!… *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* Küppers musste lauwärm drinke! *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* Kopp ess, wo vürre et Kölsch erin un erus kütt! Äwwer lauwärm! *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* *lung* …BÖÖÖÖÖÖÖRPS! *lung* *lung* *lung* *lung* … *lung* *lung* … *lung* … *lung*… *Filmriss* TILT!

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  6. gnaddrig sagt:

    Da könnte man sich doch gleich Ethanol intravenös spritzen, oder? Heikler beim Dosieren, aber besser für den Magen…

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