Glasring

Bierflaschen kann man ja mit allem möglichen öffnen. Flaschenöffner sind da nur der offensichtlichste, wohl sicherste und bestimmt auch spießigste Weg. Bierflaschen mit Feuerzeugen zu öffnen ist weitverbreitet. Was mit Feuerzeugen geht, geht ganz ähnlich auch mit anderen Dingen. Ich habe Bierflaschen schon mit allen möglichen handlichen Dingen geöffnet.

Ich kannte mal wen, der hat Bierflaschen mit einem Ring geöffnet. Nicht gut für feine Edelmetallringe, macht aber was her, wenn man’s gut inszeniert. Harte Kanten gehen auch gut, wenn sie scharf genug sind. Tische, Fensterbänke, Beton- oder Backsteinmauern, Stahlgeländer. Kronkorken auf die Kante setzen, von oben kräftig in Richtung Flaschenboden drücken, zisch und prost.

Kleiner Exkurs: Kavallerieoffiziere sollen früher Champagnerflaschen mit dem Säbel geöffnet haben. Bei diesem Sabrage genannten Verfahren werden sämtliche Glassplitter durch den entweichenden Druck weggepustet, man kann aus der Flasche dann gefahrlos einschenken.

Aber zurück zum Bier. Die Feuerzeugmethode funktioniert wie gesagt auch mit anderen Gegenständen: Bauklötze gehen, sonst irgendwelche handlichen Holzstücke, Legosteine, Schraubenziehergriffe, sogar Papier. Nur wenn man sehr harte Gegenstände nimmt, also Stein, Beton oder Metall statt Plastik oder Holz, muss man ein bisschen aufpassen.

Ich zum Beispiel will neulich eine Flasche öffnen. Flaschenöffner habe ich keinen in Griffweite, Taschenmesser auch nicht, Feuerzeuge trage ich (weder Raucher noch Prepper) sowieso nie bei mir. Aber weil ich gerade am Werken bin, habe ich einen kleinen Hammer zur Hand. Um das Ende des Griffs nicht mit dem Kronkorken anzunagen (irgendwann wäre der dann allzu ausgefranst) habe ich sinnigerweise den Kopf des Hammers genommen. Geht ja im Prinzip wie mit dem Feuerzeug: Hals greifen, Hammer ansetzen, hebeln, Flasche offen, prost.

Nur, beim Öffnen knackt es recht laut und untypisch, und ich habe unerwarteterweise feinen braunen Staub auf der Hand. Glasstaub. Stellt sich heraus, ich habe dummerweise den Rand des Flaschenhalses mit erwischt und abgesprengt. Der Rand ist vollkommen intakt im Kronkorken geblieben, ein perfekter Glasring im Blechrahmen:

Der Flaschenhals ist dafür an der einen Seite rasiermesserscharf, an der anderen reichlich splitterbesetzt.

Zwar wird in dem Bier selbst – wie in den sabrierten Schampusflaschen – kein Glasgesplitter gewesen sein, aber der Rand ist mir zu glasstaubig. Soviel Druck war dann doch nicht in der Flasche, um das gründlich wegzufegen, und da mag ich das aus der Flasche auch nicht einschenken. Glasstaub brauche ich nun wirklich nicht in Mund und Magen. (Ich hatte mir bei einer entfernt ähnlichen Begebenheit mal solche Splitter in den Finger gerissen, das war unschön genug! Profitip: Braunes oder grünes Glas im Finger können Ärzte sehen und darum leichter finden, durchsichtiges Glas ist praktisch unsichtbar, da können sie nur stochern, bis sie drauf stoßen.)

Schade um das gute Zeug, aber was will man machen. Immerhin war es nicht das letzte Bier im Haus…

 

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7 Kommentare on “Glasring”

  1. Bei Youtube ist jemand zu sehen, der den Kronkorken mit dem Auge öffnet. Ich beherrsche die Feuerzeugmethode nicht, obwohl sie mir mehrfach gezeigt wurde.

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  2. gnaddrig sagt:

    Auge ist mir neu. Ich bin mir auch nicht sicher, dass ich das sehen möchte. Das mit dem Feuerzeug war mal ein Ding, mit dem die ganz Tollen angegeben haben, als sie mit 15, 16 anfingen, Bier zu trinken. Ist aber banal und ansonsten ganz nützlich.

    Was ich nicht verstehe ist, wieso die praktischen von Hand abdrehbaren Kronkorken nicht viel häufiger verwendet werden. Was man sich da an Ärger sparen könnte…

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Mit einem Blatt Papier. Einer meiner liebsten Partytricks 😊
    Dafür faltet man das Blatt ein, zwei Mal, je nach Ausgangsgrösse, rollt es zu einem Rohr, knickt diesen, und hat somit einen feinen Hebel. Mit DIN A4 Druckerpapier gar kein Problem, mit Zeitungspapier dagegen extrem schwierig, aber da das Papier so kleinfasrig ist.

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  4. boomerang2nd sagt:

    Mehr als 10 Jahre her: Die Burschen von http://stuff.twoday.net/main (hier kann man getrost auf „akzeptieren“ drücken) haben seinerzeit 1000 Methoden zusammengetragen, wie man eine Flasche Bier öffnen kann. Und da war alles dabei. Wirklich alles.

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  5. Yadgar sagt:

    Tja. Mit Flens respektive Bölkstoff wäre das nicht passiert… *FUMP* *lunk* *lunk* *lunk* *lunk* *lunk*… denn so ’n Flaschbiä is boinhaat!

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  6. Haha… was für ein Zufall. Da google ich, wie man eine Bier-Flasche aufbekommen kann und lade u.a. auf diesem Blog. Da scheint einer, ebenfalls in der selben Situation gesteckt zu haben 🙂

    Ich habe gerade ein Video gesehen, dass es auch mit einem Schuh gehen kann.

    ….einfach „Auftreten“

    VG Vince

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  7. gnaddrig sagt:

    So kann’s gehen 😉

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