Indirekt

Meine Tochter hat vor einer Weile ein paar Folgen des Mangas Death Note gelesen (oder als Anime geschaut, weiß ich nicht mehr). Die Grundidee der Serie geht so: Es gibt ein bestimmtes Schreibheft, das Death Note heißt. Wenn man den Namen eines Menschen dort hineinschreibt und sich dabei dessen Gesicht vorstellt, stirbt dieser Mensch.

Wie wäre es, hat sie dann neulich laut gedacht, wenn man auch die Todesart dazuschreiben könnte und die Zielpersonen dann auf genau diese Art sterben? Was passiert, wenn man sich dabei verschreibt? Statt Tod durch Autounfall etwa Tod durch Autonufll schreibt – entsteht dann ein Ding oder Ereignis namens Autonufll wie der Warzengnom in Terry Pratchetts Schweinsgalopp? Oder kommt dann eine Fehlermeldung – Ups, da ist wohl was schiefgelaufen. Diese Todesursache ist uns nicht bekannt. Versuche es noch einmal oder wähle eine andere Todesursache!

Überhaupt, denke ich da jetzt am Rande weiter, wie werden unleserliche Eintragungen behandelt – erkennt das Schreibheft den gemeinten Wortlaut und setzt den um? Dann wäre auch der erwähnte Autonufll kein Problem. Oder scheitert es an Schreibfehlern und Unleserlichkeiten, und ein schlampig geschriebenes Apfelmus führt zur oben angedachten spontanen Entstehung von Apfelums, desssen Eigenheiten niemand vorher weiß.  Könnte man, anders gefragt, durch unleserliche oder missverständlich formulierte Eintragungen unabsehbare Folgen verursachen?

Und – jetzt zurück zu den Überlegungen meiner Tochter – was passiert, wenn man eine unmögliche Todesursache einträgt? Tod durch Einhorn etwa – würde dann ein Einhorn entstehen? Und wenn ja, dauerhaft, oder nur für einen kurzen Moment zum Töten der Zielperson? Tod durch Hai für eine Zielperson, die gerade in einem Bunker fernab des nächsten Meeres (oder haihaltigen Zoos) sitzt. Würde sich da in dem Bunker ein Hai materialisieren, Schrödingers Hai sozusagen? Könnte man festlegen, ob die Zielperson durch den Hai totgebissen, verschluckt oder erdrückt wird?

Wenn ja, könnte man das Death Note als Werkzeug nehmen, ganz andere Dinge zu erreichen, indem man die Todesursachen so komponiert, dass bestimmte Nebenwirkungen zwangsläufig enststehen, die man dann als eigentliches Ziel nimmt. Noch besser wäre es natürlich, wenn man das tun könnte, ohne dass jedesmal jemand ums Leben kommt.

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8 Kommentare on “Indirekt”

  1. Jo Wolf sagt:

    Die Möglichkeiten wären unendlich, allerdings immer mit Kollateralschäden behaftet oO … Terry Pratchetts Geshcichten passen da ganz gut, auch die Entstehung von allen möglichen und unmöglichen Existenzformen in „Alles Sense“ würde wohl in die Richtung gehen.^^ Wäre dei Frage, ob man den Tod selbst auch in das Heft schreiben kann und dieser dann ausgelöscht wird. Dann sind wir wieder bei der überquellend angestauten Todes-/Lebensenergie wären, die sich ihre Ventile sucht xD

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  2. cimddwc sagt:

    Mir kommt da die Genauigkeit in den Sinn, mit der man bei Flaschengeistern o.ä. seine Wünsche formulieren muss, damit da keine „kreativen“ Interpretationen folgen. So kann „Tod durch Einhorn“ ja auch durch eine Einhornfigur oder ein Karnevalspferd mit Plüschhorn erfüllt werden…

    PS: Wieso Schrödingers Hai? Passt da der Boltzmann mit seinem Gehirn nicht besser?

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  3. gnaddrig sagt:

    Schrödingers Hai klingt halt gut.

    Aber stimmt, diese Drei-Wünsche-Geschichten sind ja immer Illustrationen des Grundsatzes „Alles, was Sie sagen, kann und wird gegen Sie verwendet werden“.

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  4. Yadgar sagt:

    Irgendwie erinnert mich die ganze Geschichte an den Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive in der „Herz aus Gold“…

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  5. Hessenhenker sagt:

    „Noch besser wäre es natürlich, wenn man das tun könnte, ohne dass jedesmal jemand ums Leben kommt.“

    Tod durch Wiedergeburt ohne Gedächtnisverlust.

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  6. gnaddrig sagt:

    @ Yadgar: Das ist eben „the fundamental interconnectedness of all things“.

    @ Hessenhenker: Idealerweise am selben Ort in denselben Umständen, außer auf ausdrücklichen, vorher geltend gemachten Wunsch.

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  7. Erinnert mich an einen Witz:
    Kommt ein Mann in eine Gaststätte und sagt zum Wirt: „Ich wette mit Ihnen um 100 Euro, dass ich Ihnen und Ihren Gästen das Verrückteste zeigen kann, das sie jemals gesehen habe.“
    „Gut sagt der Wirt, die Wette gilt.“

    Der Mann nimmt ein 20 cm langes Männchen aus seiner Manteltasche und lässt es über die Theke marschieren, wobei es sagt: „Guten Tag meine Damen und Herren, mein Name ist Johannes Mario Simmel. Sie kennen mich sicher, ich bin ein bekannter Romanautor.“

    Die Gäste sind verblüfft und klatschen Beifall. Der Wirt sagt: „Hier haben Sie die 100 Euro. So etwas Verrücktes habe ich wirklich noch nie gesehen. Aber verraten Sie mir, woher Sie den Zwerg haben.“

    Sagt der Mann: „Dort hinten im Wald steht eine uralte Eiche. Zwischen den Wurzeln liegt eine Lampe. Wenn Sie daran reiben, erscheint der Lampengeist und erfüllt Ihnen genau einen Wunsch. Also sollte man ihn sorgfältig wählen und deutlich aussprechen.“

    Der Wirt eilt in den Wald. Er findet die uralte Eiche und zwischen den Wurzeln die Lampe. Er reibt daran, und der Lampengeist erscheint und sagt: „Du hast einen Wunsch frei.“. Der Wirt sagt:“ Ich will 10 Millionen in kleinen Scheinen!“ „Dein Wunsch sei Dir gewährt“, sagt der Geist und schon liegen 10 gegrillte Ferkel am Boden, jedes mit einer Zitrone im Maul.

    Der Wirt stürmt zurück in seine Gaststätte und stellt den Fremden zur Rede:“ Ihr Geist hat einen Hörfehler. Ich bitte ihn um 10 Millionen in kleinen Scheinen, und er gibt mir 10 Zitronen in kleinen Schweinen!“

    Sagt der Mann: „Ja, glauben Sie denn, ich hätte mir einen 20 Zentimeter langen Simmel gewünscht?“

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  8. Frank sagt:

    Die Serie „Death Note“ hat übrigens tatsächlich etwas von „Schrödingers Katze“ an sich. Denn im Laufe der Serie wird der Verursacher der Todesfälle durch einige Zufälle von der Polizei engagiert, den Verursacher der Todesfälle zur Strecke zu bringen. Merkse was?

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