Blech (2)

Neulich habe ich in der Küche eine neue Arbeitsplatte eingebaut. Die alte war reichlich abgenutzt. Einmal hatte ich eine heiße Cafetera versehentlich draufgestellt, die Oberfläche hatte an der Stelle Blasen geworfen und war dann nach und nach abgebröckelt. Der Flickversuch war nicht wirklich erfolgreich gewesen. Die Silikondichtung der Spüle war auch undicht (hatte der Installateur beim Einbau versemmelt, hätte ich besser gekonnt, ging damals aber aus irgendwelchen Gründen nicht). Wir hatten das eine Weile vor uns hergeschoben, aber als der Herd dann auch noch kaputtging, war es Zeit.

Wir besorgen uns also eine Arbeitsplatte. Zuhause säge ich sie zurecht, reiße die alte raus und montiere die neue. Die Spüle mache ich diesmal selbst, und zwar mit genügend Silikon – der Rand der eben entsorgten Arbeitsplatte war im Bereich der Spüle ziemlich eklig, das will ich nicht nochmal in der Küche haben. Dann steht die Abdichtung der Fuge zwischen Arbeitsplatte und Wand an. Da nichts blöder ist, als wenn einen halben Meter vor Schluss das Silikon alle ist (natürlich spätabends oder am Wochenende, und die Tanke in der Nachbarschaft hat vieles, aber keine Silikonkartuschen), habe ich sicherheitshalber zwei Kartuschen besorgt.

Ich bereite alles vor, schneide eine der Kartuschen auf, lege noch schnell irgendwas anderes zurecht, spanne die Kartusche in die Spritze ein und fange an zu pumpen. Man muss ja den Griff immer ein paarmal durchdrücken, bis vorne Silikon kommt. Kommt aber nicht. Ich drücke nochmal, es kommt immer noch kein Silikon, dafür geht das Drücken eher schwerer als gewohnt. Beim nächsten Drücken fühlt sich der Griff merkwürdig an, und ich sehe zu, wie er sich in meiner Hand langsam zur Seite biegt.

Ziemlich baff entspanne ich den Griff und schaue mir das ganze genauer an. Die Mechanik ist völlig verbogen (nicht weil ich solche Bärenkräfte habe, sondern weil sie aus eher dünnem Blech zusammengenietet ist, wie der Wagenheber von dem R4 neulich, aber was will man für vier Euro für so’ne Gelegenheitsspritze auch Tolles erwarten, ist ja praktisch Wegwerfware).

Stellt sich heraus, dass ich die ungeöffnete Kartusche eingespannt habe und das Silikon natürlich nicht durch den noch versiegelten Stutzen kann. Wegen der aufgeschraubten Spitze ist nicht zu sehen, dass die Kartusche noch versiegelt ist. Die aufgeschnittene Kartusche liegt die ganze Zeit ohne einen Mucks daneben.

Und jetzt? Das Silikon aus dem Zylinder zu löffeln und dann mit dem Spachtel zu verarbeiten ist keine Option, und von den Nachbarn hat auch niemand so eine Spritze. Muss die offene Fuge jetzt das ganze Wochenende unbehandelt in die Küche gähnen? Zum Glück kann ich das Gerät dank meiner Bärenkräfte soweit zurechtbiegen, dass es wieder funktioniert und ich die Silikonfuge ziehen kann.

Apropos Bärenkräfte: Eine Knoblauchpresse habe ich einmal durch einfaches, bestimmungsgemäßes Benutzen zerlegt. Knoblauchzehe rein, drücken, aber statt dass der Knoblauch gemust durch das Gitter kommt, biegt sich das ganze Ding in eine traurige Kurve. Dabei war die Knoblauchzehe nicht einmal besonders groß. Schrott weggeschmissen und was Solides gekauft.

Ich habe eine gewisse Neigung zum Overengineering. Wenn ich Regale an die Wand schraube, kann man da meistens Klaviere dranhängen. Marmeladengläser, die ich zudrehe, kriegt außer mir meistens niemand mehr auf. Ich weiß, dass ich es damit gelegentlich übertreibe. Aber derart untertreiben wie die Hersteller dieser Blech-Werkzeugattrappen muss man auch wieder nicht.

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6 Kommentare on “Blech (2)”

  1. ranthoron sagt:

    Wir haben eine haltbare Kartuschendrückeinheit:
    ein Aluzylinder, auf den von einer Seite ein Haltering für die Spitzenseite und von der anderen der Griff aufgeschraubt wird. Damit könnte man bestimmt ein Auto abschleppen…

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  2. Stefan R. sagt:

    Tja, klarer Fall von Zu viel Kraft für den Sport – hätten wir früher gesagt…

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  3. Mindsplint sagt:

    Klasse beschrieben… 🙂

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  4. gnaddrig sagt:

    @ ranthoron: So gehört das 😀

    @ Stefan R: Ich vergesse halt immer, wie stark ich bin…

    @ Mindsplint: Danke 🙂

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  5. Achim sagt:

    Das mit den Marmeladengläsern kenne ich. Sehr heiß eingefüllt und schön abkühlen lassen. Da hilft meistens das Unterhebeln mit einem (stabilen!) Löffel, manchmal nur noch das Spezialgerät aus der Küche der Großtante (made in GDR).

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  6. gnaddrig sagt:

    Manchmal trennt sich da dann auch Stahl von Blech…

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