Die Lösung

Seit vielen Jahren treiben viele Industrieländer auf den Verkehrsinfarkt zu. Deutschland ist da als dicht besiedeltes Transitland ganz vorn mit dabei. Die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge steigt ständig, und die Folgen sind nicht so schön: Dreck und Lärm auf dauernd staugeplagten Autobahnen und in immer verstopfteren Städten. Mittlerweile ist immer überall alles vollgeparkt. Bürgersteige, Radwege und Einfahrten werden gewohnheitsmäßig als Kurzparkplätze zweckentfremdet. Der vorgeschriebene 5-m-Abstand zu Kreuzungen wird zumindest in Wohngebieten auch immer häufiger ignoriert, Parken in zweiter Reihe ist mancherorts auch praktisch üblich.

Immer mehr Kraftfahrzeuge benötigen immer mehr Platz. In der Folge asphaltieren wir immer mehr Land zu und stellen Autos drauf ab, die im Schnitt 23 Stunden pro Tag ungenutzt herumstehen und die übrige Stunde lächerlich wenig Personen durch die Gegend schaukeln. Laut diesem Artikel saßen 2015 in Deutschland im Berufsverkehr nämlich im Durchschnitt nur 1,2 Personen im Fahrzeug, bei dienstlichen Wegen 1,1, beim Einkaufen 1,5, in der Freizeit 1,9. Das ist eine groteske Unternutzung der teuren und oft überdimensionierten Fahrzeuge, eine gigantische Ressourcenverschwendung. (Noch ein paar Zahlen gibt es beim Kraftfahrtbundesamt und beim Umweltbundesamt).

Weil das alles so ist, machen sich viele Leute Gedanken darüber, wie man das ändern könnte. Wie man etwa mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen könnte (sage ich mal nichts zu). Wie man die Städte von überdimensionierten Parkplätzen in fußgänger-, kinderwagen-, rollstuhl- und fahrradtaugliche Räume umwandeln kann, wo die Luft nicht nach Abgas stinkt und man nicht alle Nase lang von einem Autofahrer aus dem Weg gehupt oder umgenietet wird. Wo man sich nicht ständig um ungünstig abgestellte Fahrzeuge herumwurschteln muss. Wo man mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfach und schnell da hinkommt, wo man hinwill. Wo man letztlich normalerweise gar nicht unbedingt ein Auto braucht.

Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Der Blick in die Nachbarländer Niederlande und Dänemark zeigt, dass man mit gezielter Förderung des Fahrradverkehrs viel Druck aus den Innenstädten nehmen kann. Madrid und Oslo machen vor, dass weitgehend autofreie Innenstädte auch in Groß- bis Millionenstädten funktionieren können. Das ist hierzulande aber alles zu simpel. Radfahren ist doof, Autos aussperren im Land der Autobauer undenkbar. Da muss eine anständige Hi-Tech-Lösung her.

Und so macht derzeit eine großartige Idee die Runde:

  • Dem riesigen Platzverbrauch durch Kraftfahrzeuge könnte man durch die Einführung von Flugtaxis begegnen.
    (Dass der Berater von Staatsministerin Dorothee Bär, die dieses Transportmittel auf Bundesebene eifrig bewirbt, selbst an einem Hersteller solcher Geräte beteiligt ist, sieht nach einem Musterbeispiel für Interessenkonflikte in der Politik aus.)
  • Der Abgasbelastung durch Verbrennungsmotoren könnte man durch die Umstellung auf Elektromotoren begegnen.
    (Das ist erstens Hi-Tech made in Germany und zweitens auch viel einfacher und billiger als eine CO2-Steuer oder ähnliche altbackene Bürokratiemonster. Und wenn schon kaum Autofahrer auf schwere, teure Akkus mit geringer Reichweite umsteigen, wird das bei Flugtaxis sicher ein Selbstläufer!)

Dass die Dinger vermutlich vergleichsweise teuer werden, ist gut für die Wirtschaft. Dass noch niemand weiß, wo und wie die Dinger starten und landen sollen und wie eine größere Flotte halbwegs sicher und zuverlässig zu steuern und mit Energie zu versorgen ist, muss uns jetzt nicht interessieren. Deutsche Ingenieurskunst wird sicher rechtzeitig mit einer innovativen Hi-Tech-Lösung rüberkommen (wie schon beim Atommüll, im Kampf gegen den Krebs und das Altern und bei der Entwicklung der klimaneutralen Kohleverstromung). Dass die Dinger sicher lauter als Pkw vergleichbarer Kapazität sein werden, muss man in Kauf nehmen, man kann nicht alles haben. So oder so sind Flugtaxis ganz offensichtlich völlig unbestreitbar die mit Abstand allerbeste Lösung für praktisch alle derzeitigen Menschheitsprobleme.

Es gibt zwar noch ein paar kleine Problemchen mit dem Konzept: In Deutschland gibt es keinen ungeregelten Luftraum, man muss für jeden Flug im voraus einen Flugplan einreichen, Flüge unterliegen der Kontrolle durch die Deutsche Flugsicherung. Niemand darf einfach so herumfliegen, schon gar nicht über oder gar in Städten, und die Mindestflughöhe über Ortschaften beträgt sowieso 300 m. Aber da findet sich sicher bald eine praktikable Lösung (in anderen Bereichen hat man rechtliche Probleme ja auch elegant ausgeräumt, beim Asylrecht, bei der Überwachung oder dem Einsatz der Bundeswehr in Übersee).

** * **

Nachdem das Flugtaxi also als sicherer und sinnvoller Ersatz für das private Kraftfahrzeug gelten muss und der rechtliche Weg so gut wie frei ist, muss es jetzt an die Umsetzung gehen.

Elektromotoren benötigen Strom. Den beziehen sie meist aus Akkus (die Enwicklung von Brennstoffzellen kommt nicht recht voran, aber das ist ein anderes Thema), und diese Akkus sind dauernd leer und müssen dann langwierig aufgeladen werden. Der Strom dazu muss nach gängiger Auffassung erst anderswo produziert und dann hergeleitet werden. Dazu wird eine aufwändige Infrastruktur benötigt, deren Aufbau viel Geld und Ressourcen kostet und hohen bürokratischen Aufwand verursacht.

Und genau da komme ich mit einer Idee, die sich nahtlos in die lange Reihe nobelpreiswürdiger Innovationen aus dem Hause gnaddrig einreiht. Eine Idee, die aus einem akzeptablen Ersatz für ein veraltendes Mobilitätskonzept ein absolut alternativloses Superdingens macht. Das geht so:

Den Strom muss man gar nicht erzeugen und liefern, den gibt es ja schon fast überall. Die Welt ist voll von Elektrosmog. Radio- und Fernsehsender, Mobilfunk, W-LANs, mehr und mehr IoT-Geräte und alle möglichen anderen elektronischen und elektrischen Apparate und Leitungen blasen ständig Massen von Elektrosmog in die Umwelt. Das ist nicht schön, viele glauben davon krank zu werden, manche werden es vielleicht tatsächlich.

Dieser Elektrosmog ist überflüssig, man kriegt ihn nicht weg, und bisher wird nur ein Bruchteil als Rohstoff genutzt. Der homöopathisch orientierte Zweig der Pharmaindustrie kann nicht allen Elektrosmog zu Globuli verarbeiten. Da umwabert uns also ein gigantisches, kaum angezapftes Energiepotenzial. Was also tun? Ganz einfach, wir erfinden ein Gerät, das den Elektrosmog aus der Umwelt abschöpft, aufbereitet und zum Laden von Akkus verwendet. Wesentliche Technologielemente sind bereits vorhanden – kontaktloses Laden von Handys etwa, drahtlose Stromübertragung usw.

Da ist nur noch ein bisschen Abstimmaufwand nötig, man muss ein paar kleinere technische Lücken schließen, und schon haben wir ein Gerät, das sich seine Energie praktisch umsonst aus der Umwelt zieht und diese dabei noch saubermacht. Ähnlich wie die Dieselmotoren, die ein großer deutscher Hersteller vor ein paar Jahren praktisch als Luftreinigungsgeräte beworben hat.

Und falls falls die technischen und rechtlichen Probleme wider Erwarten doch nicht zeitnah gelöst werden können oder gar Sicherheitsbedenken bleiben, sodass wir nicht in den nächsten Jahren flächendeckend auf E-Lufttaxis der derzeit favorisierten Form umsteigen können, ist das auch nicht so schlimm. Lars Fischer weiß, wie man wenigstens Teile des innovativen Konzepts wird retten können:

_______

Den Anstoß zu diesem Geistesblitz gab übrigens dieser Tweet von Florian Aigner:

 

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4 Kommentare on “Die Lösung”

  1. Yadgar sagt:

    Flugtaxis, Elektroautos… alles Flickschusterei! Nein, die definitive endgültige Lösung aller Verkehrsprobleme ist erst erreicht, wenn wir den Homo sapiens zum Mensch-Auto-Mischwesen umbauen, nicht mehr Auto fahren, sondern Auto *sind*! Solche Mensch-Auto-Chimären hätten den Vorteil, weder herkömmlichen Wohnraum noch intakte Natur (eh alles nur ökoromantischer Kitsch!) zu brauchen, sondern nichts als Straßen, Straßen und noch mehr Straßen, bis sich der Planet in eine einzige endlose Autobahn (natürlich ohne Tempolimit! Auch so ein linksgrüngutmenschlicher Öko-Quatsch!) verwandelt hat. Auch die Ansprüche an die Qualität der Atemluft sind sehr viel geringer – abgesehen vom Sauerstoff für die Vergaser (aber wahrscheinlich werden wir uns sowieso komplett von Diesel ernähren, ist eh billiger) können sich die restlichen 79 % der Atmosphäre aus beliebigen Abgasen zusammensetzen, vielleicht werden manche von uns auch Kohlenmonoxyd oder Schwefeldioxyd verwerten können – oder eben doch komplett elektrisch leben (lecker Atomstrom! Erzeugung auch gerne direkt in die Karosserie integriert, siehe „Ford Nucleon“!). Wie dem auch sei – „Cars“ weist den Weg in die Zukunft! Brumm brumm, tüüt tüüt!

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  2. gnaddrig sagt:

    Eben, aber für solche großen Würfe sind wir zu zaghaft…

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  3. Achim sagt:

    Deine visionären Ansätze sind immer wieder ganz hervorragend! Nur leider leider steht – Christian Lindner zum Trotz – das „B“ in „BRD“ ja immer noch für „Bedenkenträger“, weswegen es auch hier nicht weitergehen wird.

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  4. gnaddrig sagt:

    @ Achim: Tja, die ewigen Bedenken *seufz*

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