Dreifach verblüfft

Tankwagen in einem Güterzug, mit mehreren Warnhinweisen und der Aufschrift: "Baffled 3x: Partial loading allowed". Unter der Beschriftung spiegelt sich ein ICE, der am Bahnsteig gegenüber hält.

Dreifach verblüfft, aber dafür ist Teilbeladung erlaubt, allerdings nicht mit dem Gabelstapler. (Den ICE gegenüber betrifft das nicht.) Und immerhin haben sie es hier mit den Etiketten hingekriegt…

Tankwagen in einem Güterzug mit mehreren aufgeklebten Etiketten (Gefahrensymbol "Giftig", Gefahrentafel mit Gefahrennummer 60 und UN-Nummer 2078, Etikett mit Stoffbezeichnung "Toluendiisocyanat".

…anders als im übernächsten Tankwagen, wo die Bitte um Etiketten ungehört verhallt:

Tankwagen in einem Güterzug, etwas schmuddelig, mit der Aufschrift: "Please put labels here".

Tuolendiisocyanat, auch bekannt als Toluol-2,4-diisocyanat oder TDI ist übrigens eher fieses Zeug, das man tatsächlich nicht verwirren will, sondern lieber mit (hier drei) Schwallblechen im Tank am wilden Herumschwappen und Unheilanrichten hindert.

Das ist besonders nützlich, wenn man den Tank nicht ganz voll machen kann oder will, weil die Schwappdynamik der Flüssigkeit ohne dämpfende Schwallbleche beim Verladen und auf dem Transport allerlei ungute Folgen nach sich ziehen könnte. Entsprechend streng sind die Verlademodalitäten geregelt, hier ein dritter Tankcontainer in demselben Zug:

Etiketten auf einem Tankwagen in einem Güterzug: "Nicht mit Gabelstapler verladen", "nicht hängend verladen", "nur drei Einheiten übereinander stapeln"

Dass man beim Verladen von Containern mit solchen Stoffen vorsichtig sein soll, leuchtet ein – wenn das superschwere Ding den Gabelstapler kippt, ist das nicht so gut. Aber wenn Gabelstapler und Kran ausfallen, frage ich mich schon, wie das denn sonst verladen werden soll – für „vier Mann vier Ecken“ ist das ja doch zu schwer und unhandlich. Bleibt vermutlich nur der Spreader.

Ist aber zum Glück nicht mein Problem. Ich konzentriere mich lieber auf geniale Erfindungen, die hier zum Beispiel – eine ganz einfache Methode zur Herstellung eines Vakuums:

Teil eines Tankcontainers auf einem Güterzug mit verschlossener Ablassöffnung zur Entleerung des Tanks

Einfach unten die Flüssigkeit ablassen und den oberen Deckel geschlossen halten. Wenn die Flüssigkeit raus ist, hat man drin ein Vakuum, weil ja keine Luft reinkann. Oder so ähnlich…

P.S.: Machen wir noch einen kleinen Ausflug in die Wahrscheinlichkeitstheorie. Auf dem Aufkleber oben ist die Rede von Vakuumgefahr. Das ist sehr geschickt gemacht, weil durch die Deklaration als Gefahr die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es zu dem Vakuum kommt. Wäre das Vakuum eine erwünschte Folge der Freifallentleerung, würde es viel seltener dazu kommen. Man sieht also, Worte haben Macht!

 

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9 Kommentare on “Dreifach verblüfft”

  1. Achim sagt:

    „Baffles“ sind „Schwallwände“. Meine Weisheit habe ich frisch erworben, und zwar hier 🙂

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  2. gnaddrig sagt:

    Ich bin über Wikipedia auf Schwallblech gestoßen. Erst Baffle in der englischen Wikipedia gefunden, da gibt es aber keinen deutschen Artikel zu. Dafür das Stichwort slosh dynamics gefunden, dem der deutsche Artikel Sloshing entspricht, und dort werden zur Dämpfung der Schwappbewegungen von Flüssigkeiten in nicht ganz vollen Tanks Schlagschotte und Schwallbleche erwähnt. Schwallwände sind dann vermutlich eine Spielart von Schwallblechen. Interessante kleine Recherchetour 🙂

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  3. Uschi sagt:

    Ich sag doch, Bloggen bildet! Ich habe seit ich mir mit meinen Recherchen mehr Mühe gebe auch schon viel gelernt… nicht alles Wissen kann man auch wirklich anwenden aber wer weis wofür es mal gut ist

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  4. Achim sagt:

    @ Uschi: Nutzloses Wissen macht am meisten Spaß.

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  5. gnaddrig sagt:

    Genau so ist es 😀

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  6. Yadgar sagt:

    Da wünscht man sich manchmal, einen fähigeren Physiklehrer gehabt zu haben… dann könnte man nämlich die Schwappdynamik einer solchen Gift-Ülpe auch mal POV-Ray-technisch simulieren! So reicht es leider nur für einfache Fallbeschleunigungs-Demos (Drachenei, Jupiter, Erde, Mars und Ceres)…

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  7. gnaddrig sagt:

    Hmja, dafür reicht meine Physik auch bei weitem nicht. Habe das nach der 11. Klasse vor der Katastrophe abgewählt…

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  8. nömix sagt:

    Verladung und Stapeln darf nur mit einem Containerstapler oder Containerkran erfolgen. So verlaufen die Zugkräfte über die Aufnahmelöcher an den vier Eckpunkten parallel nach oben, und der Tankcontainer kann nicht eingedrückt werden wie mit dem Gabelstapler oder gestaucht/verkrümmt wie mit dem Kran, wo die Zugkräfte auf einen Punkt zulaufen.

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  9. gnaddrig sagt:

    Ok, leuchtet ein. Vermutlich hat man dann auch kein Risiko, dass das Ding anfängt zu schaukeln oder sich gar zu drehen, dabei irgendwo gegenzuprallen und beschädigt zu werden.

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