Halbautomatisiert

Die allermeisten Läden, die Pfandflaschen zurücknehmen, haben dafür seit Jahren Automaten. Das spart den Läden viel Zeit, weil nicht mehr ständig jemand am schmuddeligen Durchgang zum Lager stehen und die leeren Pfandflaschen der Kunden entgegennehmen, einsortieren und in die Kasse tippen muss. Dafür muss immer mal wer Störungen am Automaten beheben oder den vollen Flaschenbehälter leermachen, aber das braucht wohl insgesamt weniger Zeit.

Als Kunde füttert man den Automaten also mit leeren Pfandflaschen und kriegt am Ende einen Bon ausgedruckt. Mit dem geht man dann an die Kasse und lässt sich das Geld auszahlen bzw. mit dem bei der Gelegenheit getätigten Einkauf verrechnen. Soweit so gut. Was aber, wenn man gar nichts kaufen will?

Gestern erlebt: Lange Schlangen an den drei geöffneten Kassen. Ich stehe gut zehn Minuten bis ich dran bin. Vor mir einer mit nichts, er gibt nur den Pfandbon ab und kriegt 96 Cent auf die Hand.

Warum, frage ich mich, bringt man den Automaten nicht bei, das Geld direkt auszuspucken? Fahrkartenautomaten können das doch auch. Ein Bäcker in der Gegend hat sogar ein System installiert, wo die Kunden das Geld reinwerfen. Der Apparat zählt es und gibt Wechselgeld, und zwar nicht in Zwei-Euro-Münzen, sondern richtig vernünftig gestückelt – immer den größten möglichen Schein, dann den nächstgrößeren, dann genauso weiter mit Münzen.

Sehr elegant, und das Personal muss nicht schmuddeliges Bargeld und hinterher wieder unverpackte Lebensmittel anfassen, was hygienisch problematisch ist, oder ständig Handschuhe an- und ausziehen oder nach jeder Kundeninteraktion die Hände desinfizieren oder was in manchen Läden sonst so üblich ist.

Technisch geht das also schon lange. Warum macht man das nicht auch bei Pfandautomaten? Vermutlich hat das verkaufspsychologische Gründe. Um den Leuten was verkaufen zu können, muss man sie erst in den Laden holen, und wer mit nichts als einem Pfandbon an der Kasse ansteht, kauft dann vielleicht noch irgendwas von dem Zeug in den Regalen an der Kasse. Einen Schokoriegel, eine Packung Kaugummi, einen Flachmann – aus dem Grund gibt es ja überhaupt nur Regale direkt an der Kasse: Um wartende zu mehr Umsatz zu ermuntern.

Aber kundenfreundlicher wäre es, wenn man sich das Pfandgeld direkt am Automaten holen könnte und dafür nicht im Laden anstehen müsste.


6 Kommentare on “Halbautomatisiert”

  1. Ich denke auch, dass die in den Laden zu Einkaufszwecken sollen. Manche denken ja sogar, sie müssten etwas kaufen für den Bon.

    Geht ja vor allem ums Geschäft, dem ist Kundenfreundlichkeit untergeordnet.

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  2. gnaddrig sagt:

    So sieht das aus.

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  3. LP sagt:

    Was mir enorm gut gefallen hat in Berlin ist ein kleines beschlitztes Kästchen neben dem Pfandautomat. Wer sich nicht für 60 Cent oder so anstellen mag, kann seinen Pfand-Bon dort einwerfen. Das Geld dieser Bons wird dann gespendet. Ich vertraue mal darauf, dass das auch wirklich so ist.

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  4. gnaddrig sagt:

    Ja, das habe ich auch schon gesehen. Gute Idee, das.

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  5. Yadgar sagt:

    So etwas habe ich schon 2012 in einer Kölner Lidl(!)-Filiale gesehen!

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  6. gnaddrig sagt:

    Echt? Dann muss das die berühmte Ausnahme sein, die die Regel bestätigt…

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