Zweitakter

Wenn ich was nicht abkann, sind das Laubbläser. Und Mopeds. Überhaupt Zweitaktmotoren – meistens laute, stinkende Nervensägen. Aber vor allem Mopeds und Laubbläser.

Wo wir von Zweitaktern sprechen, Rasenmäher gehen ja noch, wenn sie nicht zu nahe sind. Die machen zwar auch Lärm, aber die klingen oft eher sonor und laufen meistens ziemlich monoton, bis das aktuelle Stück Rasen gemäht ist. Das Geräusch kann ich deshalb meistens ganz gut ausblenden. Gelegentliche Drehzahländerungen an Bodenwellen oder besonders hartnäckig bewachsenen Stellen sind verschmerzbar, ebenso die regelmäßigen Pausen zum Ausleeren der Grasschnittauffangvorrichtung. Insgesamt kann das Geräusch einen ähnlich entspannend-einschläfernden Effekt haben wie ferne Flugzeugmotoren am wolkenlosen Sommerhimmel im Freibad. (Obwohl, weniger Rasen und mehr Blumenwiese ist sowieso besser. Die muss man auch nur ein- oder zweimal im Jahr mähen, und dafür ist die klassische Sense ohne Motor oder Internet das bessere Werkzeug.)

Mopeds sind da andere Kost, da ist schon das dünne, nervöse Geräusch des laufenden Motors für sich nervtötend, und wenn die Leute dann zwiebacksägend die Straßen rauf- und runterkacheln, bei jeder Gelegenheit das Gas bis zum Anschlag aufreißen, um sich an der enormen Beschleunigung zu berauschen überhaupt irgendwie vom Fleck zu kommen, und dann an jedem Gullydeckel wieder bremsen müssen, um nicht abgeworfen zu werden, ist das für mich ein Gipfel an Nervigkeit (Fahrradfahren ist sowieso in jeder Hinsicht besser).

In nervensägemäßig ähnlicher Preisklasse spielen übrigens Schlagbohrmaschinen, wenn in der Nachbarschaft jemand seit Weihnachten gefühlt fünf Tage die Woche Putz von der Wand schlagen oder tausend dicke Löcher in Stahlbeton bohren muss. Das muss nicht einmal besonders laut sein, um durch Mark und Bein zu gehen, aber das gehört hier nur am Rand her.

Zweitaktgetriebene Modellflugzeuge haben, ähnlich wie (in der Regel wohl nicht zweitaktgetriebene) Formel-1-Fahrzeuge, ebenfalls hohes Nervensägpotenzial. Die sind auch dann schlimm, wenn sie gar nicht laut sind, sondern wie Mücken gerade oberhalb der Hörschwelle bleiben. Aber wer nicht gerade neben einer Formel-1-Strecke oder an einem Modellflugplatz wohnt, kriegt sowas eher selten zu hören.

Nicht wirklich schön finde ich auch Motorsensen, aber die machen bei fachkundiger, vorausschauender und ruhiger Handhabung auch ein halbwegs gleichmäßiges Geräusch, idealerweise näher am Rasenmäher als am Moped und gehören deshalb hier auch nur am Rand erwähnt.

Zurück zu den wirklich schlimmen Nervensägen: Mopeds und Laubbläser. Mopeds fahren immerhin vorbei und sind dann meistens irgendwann außer Hörweite. Laubbläser dagegen werden über lange Zeit praktisch ortsfest betrieben. Deswegen sind Laubbläser schlimmer. Laubbläser sind die Pest. Bei denen kommt alles Nervige zusammen: Das durchdringende Zweitaktblöken und das nervöse Gezappele des Gasfingers, das ständige Aufheulen des Schmierölsäufers bei dem fast immer ungleichmäßigen Fortgang der Arbeit. Insgesamt ein aufdringliches, dauerhaft unregelmäßiges Geräusch, das ähnlich schlecht auszublenden ist wie das Gekläffe eines überreizten Hundes.

Und dann scheinen mir diese Geräte gar nicht einmal besonders gut dazu geeignet, den Dreck wegzumachen, den wegzumachen sie verwendet werden. Die wirbeln vor allem viel Staub auf und blasen den Dreck dann in der Nachbarschaft umher. Wie gesagt, Laubbläser sind die Pest.

Hier in der Nachbarschaft z.B. gibt es ein Anwesen, wo vorgestern jemand ausgiebig den Bürgersteig laubfrei geblasen hat. Der hat hingebungsvoll jede Ritze in den Gehwegplatten und jeden Zwischenraum in der Hecke ausgeblasen. Heute ist dort wieder wer mit so einem Apparat unterwegs, aber nicht derselbe wie neulich – vielleicht sprechen die sich nicht ab? Jedenfalls ist der jetzt auch schon geraume Zeit dran, als hätte der vorgestern geschlampt. Merkt der nicht, dass da kein Laub mehr ist? Obwohl, es ist leicht windig, bestimmt hat der Wind wieder jede Menge Dreck aus der Umgegend an Zaun und Hecke deponiert. Und dann geht der Held und bläst den Dreck gegen den Wind woanders hin. Kein Wunder, dass der so lange braucht.

Ich will jetzt nicht von der guten alten Zeit anfangen, wo der einfache Mann sich noch mit Besen und Kehrschaufel ertüchtigt hat und im Schweiße seines Angesichts den Bürgersteig zu reinigen hatte. Ob man mit dem Besen mehr Dreck besser wegkriegt als mit dem Püsterich, weiß ich gar nicht. Aber immerhin sind Besen nicht so laut, und das Geräusch ist gleichmäßiger.

Und nochwas: Für motorgetriebene Rasenmäher gibt es das Argument, dass manches Grünzeug mit einem mechanischen, durch die Vorwärtsbewegung über Zahnräder betriebenen Rasenmäher kaum sinnvoll zu mähen ist, weil der auf keine gescheite Drehzahl kommt.

Bei Mopeds und Laubbläsern dagegen drängt sich der Eindruck auf, dass man versucht, für möglichst wenig brauchbare Leistung möglichst viel Lärm zu erzeugen. Für den Krach, den diese Geräte machen, ist die Leistungsausbeute ja geradezu lächerlich. Mit vergleichbarer Lärmproduktion beschleunigt ein Chopperfahrer wenigstens seinen Rauschebart auf 120km/h (wenn er nicht gerade, hm, am Parken ist) und könnte bei geschickter Positionierung mit seinem Auspuff sicher genausoviel Laub unter die Hecke pusten…

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8 Kommentare on “Zweitakter”

  1. Yadgar sagt:

    Es gibt Arten von Dauerlärm, bei denen ich mich über kurz oder lang in Gedanken in eine blindwütig um sich ballernde MetalStorm-Batterie verwandele… was glaubt ihr, was 1000 Schuss pro Sekunde aus 1500 Läufen gleichzeitig mit so einem Pubertätshelikopter anstellen? MetalStorm schreddert jedes Bunkenspielzeug! Fällt aber leider unters Kriegswaffenkontrollgesetz… wohl ähnlich unerfüllbar dürfte mein Wunsch nach dem sich wie im C 64-Spiel „Dino Eggs“ vom Himmel herabsenkenden Brontosaurierbein sein, das die Lärmquelle umgehend zu einem handlichen Schrottfladen zerstampft!

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  2. Karl sagt:

    Schlimm findet vermutlich jeder etwas anderes. Mopeds können nervig sein, je nachdem wie sie betrieben werden. Ich hatte einst ein Kleinkraftrad, ebenfalls zweigetaktet. Es war aber eher ein Wettbewerb das Ding im Ort möglichst so sonor klingen zu lassen, wie ein ausgewachsener Viertakter mit dem zehnfachen Hubraum.
    Laubbläser sind in der Tat eine Pest. In der nachbarschaft hat sich gottseidank eher der fächerförmige Laubbesen erhalten.
    Schlimm, sowohl vom Geräusch als auch vom Adrenalinausstoß beim Zuhören sind hier besonder abends und am Wochenende die Motrorradfahrer, die noch innerorts Richtung Ortsausgang und Wald maximal ausbeschleunigen, gefühlt deutlich im roten Bereich des Drehzahlmessers, das ist auch bei einem Viertakter mit 1l Hubraum extrem nervig. Und das schmerzt nicht nur in den Ohren sondern lässt mich regelmäßig Gebete absetzen, es möge doch bitte jetzt kein Tier oder schlimmer kein Mensch auf die Straße treten, weil die betreffenden Fahrer keinerlei Chance hätten, ihr Gefährt rechtzeitig abzubremsen oder auszuweichen.

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  3. gnaddrig sagt:

    @ Yadgar: Muss man doch nicht gleich kaputt- oder plattmachen. Ausschalten oder weit weg tun reicht doch!

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  4. gnaddrig sagt:

    @ Karl: Klar, man kann auch Mopeds sozialverträglich betreiben, dann schnurrt das Ding in lockerem Dauerlauftempo die Straße entlang und fällt kaum auf. Dazu braucht man als Benutzer aber einiges an Geduld, sowohl beim Beschleunigen als auch beim Warten an der Ampel, sonst spielt man doch ständig am Gas.

    Was die Motorräder angeht, da ist der Lärm wohl wirklich das kleinere Problem und die Sicherheit das größere. Wegen beider Probleme bin ich aber froh, nicht an so einer Tiefflugschneise zu wohnen.

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  5. Yadgar sagt:

    @Karl: „Es war aber eher ein Wettbewerb das Ding im Ort möglichst so sonor klingen zu lassen, wie ein ausgewachsener Viertakter mit dem zehnfachen Hubraum.“

    Hihi, ich kann sie mir lebhaft vorstellen, die 70er-Jahre-Mofa-Kings in stonewashed Jeansanzügen, mit Flaum-Pornobalken, halblangen Fransenhaaren und AC/DC im Kofferradio! Später haben sie sich dann wahrscheinlich Opel Mantas (B natürlich, nicht A!) gekauft… oder Ford Capris!

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  6. Lo sagt:

    Laubbläser. Solche Krachmacher zu benutzen, ist einfach
    t a k t l o s.
    Auch als 2-Takter.

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  7. Wo ich vorher gearbeitet habe, war gleich gegenüber ein Park.
    Im Herbst versuchen da immer die Mitarbeiter des Stadtgartenamtes bei stürmischen Wind das Laub in eine Richtung zu blasen, um so Haufen zu bilden.
    Wind bläst links, Laubbläser bläst rechts und umgegehrt.
    Muss ich mehr sagen?

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  8. gnaddrig sagt:

    Nö, das sagt schon alles.

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