Wegen der Sicherheit

Kollege Pfeffermatz denkt über die Kosten der Sicherheit und über die manchmal seltsamen Blüten des hierzulande gelegentlich ausufernden Sicherheitsbedürfnisses nach und hält nachvollziehbarerweise einen Paradigmenwechsel für unausweichlich oder wenigstens wünschenswert. Auf Null kriegt man das Risiko bei allem Aufwand doch nie, aber die letzten paar Prozente Risikovermeidung sind teuer und machen wirklich keinen Spaß mehr.

(Irgendwann hat man sonst vor jedem Fenster jedes öffentlichen Gebäudes eine Feuerleiter, neben jeder Tür einen Feuerlöscher, und essen im Büro wird strengstens verboten, damit nicht wieder die Butterkekse in Flammen aufgehen und die direkt daneben gelagerten Schokoladenvorräte schmelzen und die sicher vorbildlich beschilderten Fluchtwege unpassierbar machen.)

So lieb mir solide, durchdachte Sicherheitskonzepte auch sind, man kann es auch übertreiben, und man muss nicht alles immer ganz genau nehmen. Allerdings sollte man möglichst auch nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen.

Feuerlöscher in Wohnungen zu haben ist durchaus sinnvoll. Aber wenn, dann sollte man sie erstens regelmäßig warten, also im Jahr 2019 nicht mit diesem Wartungsvermerk ankommen:

Prüfplaketten auf einem Feuerlöscher in einer Wohnung, zum Zeitpunkt der Aufnahme 22 Jahre alt

(Wenn das Treibmittel sich verflüchtigt hat, kann man den Feuerlöscher höchstens noch nach den Flammen werfen, aber anders als kleinere Wildtiere werden die sich kaum davon beeindrucken lassen.)

Zweitens sollte man sie so aufhängen, dass auch Leute unter 1,87 Körpergröße einigermaßen gut drankommen, nicht so wie hier:

Feuerlöscher, der an der Wand aufgehängt ist, genau über dem Geländer, das den oberen Flur von der offenen Wendeltreppe ins untere Stockwerk trennt. Der Griff ungefähr auf Höhe der oberen Kante einer Zimmertür daneben.

Und drittens sollte man sie so aufhängen, dass sie keine Gelegenheit haben, drei Meter zu fallen und unten die Treppenstufe zu durchschlagen oder womöglich jemanden zu treffen, der sich dort unglücklicherweise aufhält. Wenn man nämlich einen Wohnungsbrand zu löschen hat, ist man typischerweise in Hast, und wenn man dann so ein schweres Gerät mit ungewohnten Bewegungsabläufen aus so einer schlecht zugänglichen Halterung heben muss, kann einem das schonmal aus den Fingern rutschen. Das Ding wiegt ja doch ein paar Kilogramm.

Eigentlich fehlt da zum perfekten Sicherheitsensemble nur noch eine hübsche Feuermelderattrappe

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2 Kommentare on “Wegen der Sicherheit”

  1. Yadgar sagt:

    Vor allem: sind die Feuerlöscher*innen eigentlich gender-zertifiziert?

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  2. Achim sagt:

    Ich müsste glatt mal auf die Prüfplaketten der beiden mit dem gebrauchten Haus gekauften Feuerlöscher schauen. (Die übrigens absturzsicher gelagert sind: Sie stehen irgendwo in einer unzugänglichen Ecke. Vor MIssbrauch schützen!) Und wenn ich schon dabei bin, auch auf die Gaspatrone der Rettungsweste.

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In den Wald hineinrufen

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