Barrierefreiheit

Vor einer Weile habe ich auf Twitter eine „Diskussion“ zum Thema Barrierefreiheit gelesen: Strohhalme, Rollstühle u.a. Da ging es anfangs um das Strohhalmverbot der EU, dann um verschiedene Aspekte der Barrierefreiheit für Leute mit verschiedenen Einschränkungen. Ausgangspunkt waren unsachliche und reichlich überhebliche Äußerungen von Leuten, die selbst nicht auf besondere Maßnahmen zur Barrierefreiheit angewiesen sind, um sich im öffentlichen Raum ungehindert bewegen zu können.

Es lohnt sich, den von mir kommentierten Tweet von Butterblumenland anzuklicken und bis ganz nach oben zu scrollen, um den ganzen Tweetwechsel zu lesen. Leider sind viele (der unmöglichen) Tweets mittlerweile gelöscht, und ich habe es versäumt, beizeiten Screenshots zu machen. Trotzdem bleibt ein bedrückender Einblick in die Gedankenwelt von Leuten, für die Barrierefreiheit nur nerviger Schnickschnack zu sein scheint und die offensichtlich glauben, dass sich manche Leute damit nur interessant machen wollen. Wegen der hartnäckigen Unbelehrbarkeit dieser Leute und ihrer Weigerung, auf Argumente einzugehen oder auch nur zuzugestehen, dass andere Leute auf Maßnahmen zur Barrierefreiheit angewiesen sind, habe ich das Wort Diskussion oben übrigens in Anführungszeichen gesetzt.

Dass Barrierefreiheit mehr ist als Rollstuhltauglichkeit, war mir im Prinzip schon klar. Es gibt viele verschiedene Behinderungen, die ganz unterschiedliche Maßnahmen nötig machen, um am öffentlichen Leben teilhaben zu können.

Möglicherweise schadet den einen auch, was für die anderen wichtig ist. Umfassende Barrierefreiheit ist deshalb vermutlich nicht machbar. Ich vermute, dass viele Betroffene sich schon mit kleinen Annäherungen arrangieren, weil es das Ideal sowieso nirgends gibt – der eine besucht Läden, wo es eher nicht so laut ist, wo keine Werbung über die Lautsprecher kommt, wo keine Blinklampen nerven usw. Andere suchen sich extra hell erleuchtete Läden. Manche brauchen übersichtliche Grundrisse, andere breite Gänge und niedrige Regale.

Vor diesem Hintergrund würde ich mein Blog gern so barrierefrei wie möglich machen, weiß aber nicht recht, was sich da anbietet und lohnt.

Ich nehme an, als erstes sollte alles screenreadertauglich gemacht werden. Technisch dürfte das sowieso gegeben sein, aber wahrscheinlich gibt es Dinge, mit denen Screenreader bzw. deren Konsumenten besser zurechtkommen als mit anderen. Emojis und Schriftartwechsel auf Twitter sind für Screenreaderkonsumenten eine Qual (hier sehr schön erklärt, allerdings auf Englisch, und so macht man es selbst besser).

Ansonsten lassen sich Schriftarten, -größen und -farben auch im Browser so einstellen, dass die Einstellungen der aufgerufenen Seiten übersteuert werden und man die Seiten weitgehend so dargestellt bekommt, wie man sie am besten konsumieren kann.

Aber die Bilder. Natürlich lassen sich Fotos nicht „vorlesen“, den visuellen Eindruck eines Fotos kann man wohl kaum mal in Worten angemessen beschreiben, erst recht wenn ein künstlerischer Eindruck beabsichtigt ist und nicht eine konkrete Aussage oder die Illustration einer Textpassage. Aber wahrscheinlich ist es trotzdem sinnvoll, das zu versuchen, um zumindest eine Teilnahme an eventuellen Diskussionen zu ermöglichen.

Gibt es hier Leser_innen, die beim Lesen meines Blogs Schwierigkeiten haben, die durch irgendwelche realistisch für einen Laien wie mich umsetzbaren barrieresenkende Maßnahmen behoben oder wenigstens abgemildert werden könnten? Ich würde das zumindest für die Zukunft gern berücksichtigen.

In den Anfangszeigen meines Blogs auf blogsome.com hatte ich die (damals noch wenigen) Fotos auf eine Extraseite gehängt und mit einer kurzen Bildbeschreibung versehen. Unter den Fotos in den Blogartikeln hatte ich diese Extraseite immer verlinkt. Bei Umzug auf WordPress ist das unter die Räder gekommen. Ob das überhaupt jemals jemand genutzt hat, weiß ich aber nicht.

Seit einiger Zeit hinterlege ich zu meinen Fotos eine kurze Beschreibung in WordPress (im Feld „Beschreibung“ und im Feld „Alternativtext“). Ich habe bisher nur den mit dem von Windows gelieferten Screenreader Narrator getestet, und die Benutzererfahrung ist zunächst ernüchternd. Der Alternativtext wird zwar beim Mouseover vorgelesen, allerdings eingebettet in Meta-Informationen wie URL, Bildformat und -größe. Man muss sich beim Zuhören ziemlich konzentrieren, weil das alles modulationslos runtergeleiert wird und man keinen Hinweis auf den Anfang des Alternativtextes hat, aber das mag Gewöhnung sein. Immerhin kriegt man die Texte überhaupt vorgelesen. Vielleicht sind andere Screenreader besser? Zumindest kurze Atempausen zwischen den einzelnen vorgelesenen Textelementen wäre ja schon gut.

 


5 Kommentare on “Barrierefreiheit”

  1. Achim sagt:

    Ich denke immer, dass ich mich in das Thema „Barrierefreiheit“ ganz gut eindenken kann (Bruder hörbehindert, Schwiegermutter geh- und sehbehindert, meine Frau hat zehn Jahre bei einem Behindertenverband gearbeitet), aber die Sache mit dem Strohhalm zeigt mal wieder, dass man immer noch etwas dazulernen kann…

    Was die Barrierefreiheit deiner Seite angeht, bist du ja eigentlich auf WordPress und evtl. die Autoren des genutzten Themes angewiesen, oder? Hier ein paar Stichworte zum Thema „Zugänglichkeit für blinde und sehbehinderte Menschen“ (vllt. hilft dir https://leserlich.info/ ja weiter):
    – gute Kontraste
    – lesbare Type
    – im CSS darauf achten, dass die Reihenfolge bei Tab-Navigation sinnvoll ist
    – der am weitesten verbreitete Screenreader ist JAWS, ist hier https://wordpress.org/support/topic-tag/jaws/ etwas interessantes dabei?
    – Bildbeschreibungen: sicherlich eine gute Sache, macht aber ggf. viel Arbeit, wenn man den Bildinhalt gut rüberbringen will

    Für Menschen mit motorischen Problemen ist die Navigation ohne Maus oft der einzige Weg – entweder Tastatur oder Spracheingabe. Da kenne ich mich eher gar nicht aus.

    Eine Hörbehinderung ist für geschriebene Teste nicht relevant – allenfalls indirekt, weil hörbehinderte Menschen je nach Grad der Behinderung und persönlichen / familiären / schulischen Voraussetzungen u.U. einen eingeschränkten Wortschatz haben. Aber so abgehoben sind deine Texte ja nicht, und der Aspekt „leichte Sprache“ ist etwas, was ich bei einem privaten Blog als „nice to have“ einstufen würde. Du bist ja keine Behörde…

    Apropos Screenreader: Blinde Menschen, die einige Jahre Screenreader-Praxis auf dem Buckel haben, sind da hart im Nehmen. Bei einer Bekannten verstehe ich kein Wort, wenn der Reader auf ihre Lieblingsgeschwindigkeit eingestellt ist. Erfordert eine gewisse Konzentration und sie ist nach einem Tag im Büro auch ziemlich k.o., aber hier geht Tempo vor Schönheit.

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  2. gnaddrig sagt:

    Vielen Dank für den Link zu leserlich, das schaue ich mir mal an. Bei WordPress direkt nach Informationen zur Barrierefreiheit zu suchen, ist mir gar nicht in den Sinn gekommen. Muss ich mich auch mal umschauen.

    Das mit den Strohhalmen hat mich auch überrascht. Ich glaube, sogar wenn man (anders als ich) mit der Thematik zu tun hat, kommt man auch mit ansonsten guter Empathie auf vieles nicht, wenn es einen selbst nicht direkt betrifft.

    Was die mögliche Abgehobenheit meiner Texte angeht, das kann ich selbst nicht so gut beurteilen. Es ist natürlich nie reine, sachliche Information, die man auch in Dreiwortsätze aufdröseln könnte, sondern ich spiele gern mit der Sprache. Wie zugänglich das dann ist, weiß ich natürlich nicht so genau. Aber sowas in leichte Sprache umzuschreiben stelle ich mir eher schwierig vor, den Aufwand mag ich mir nicht antun.

    Zu Screenreadern: Dass man sich auch an, sagen wir, suboptimale Tools gewöhnen kann, stimmt natürlich. Es ist ja nicht so außergewöhnlich, dass man als Neuling bei der Einführung in was Kompliziertes nach dem dritten Klick hoffnungslos abgehängt ist und dann nach ein bisschen Praxis mit ziemlicher Leichtigkeit durch komplexe Software wirbelt. Dass die nötige Konzentration u.U. viel Energie kostet ist wohl nicht vermeidbar.

    Ich vermute, dass man als jemand, der in irgendeiner Form auf besondere Maßnahmen oder Tools zur Barrierefreiheit angewiesen ist, sowieso einen höheren Aufwand treiben und mehr Energie investieren muss, um im Alltag in einer ja nicht für diese Besonderheiten optimierten Welt zu bestehen. Das ist für mich auch ein Grund, Tools wie Screenreader so anwenderfreundlich wie möglich zu gestalten und damit sozusagen die Barriere für die Inanspruchnahme von Barrierefreiheit zu senken.

    Es sollte ja technisch auch eigentlich kein Problem sein, etwa Atempausen zwischen Metainformationen der Webseite oder eines Fotos und dem eigentlichen Text bzw. der Beschreibung des Fotos zu machen und überhaupt das Vorgelesene akustisch nachvollziehbar zu gliedern. Da sollte mit vertretbarem Aufwand einiges zu machen sein, auch wenn es noch eine ganze Weile dauern dürfte, bis wir eine ausdrucksvolle, richtig modulierte Vorlesestimme zum Vorlesen haben…

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  3. Achim sagt:

    Sprachspielereien sind für Menschen, die auf leichte Sprache angewiesen sind, meist nicht vermittelbar. Ist meine Erfahrung. (Es gibt ja ganze Nationen, wo man z.B. mit Ironie nicht landen kann, laut Aussage einer Freundin kann man sich in Lateinamerika mit ironischen Bemerkungen gründlich in die Nesseln setzen.)

    Wegen Screenreader: Ich glaube eher, dass daran gewöhnte Menschen mir der unmodularisierten Stimme ganz gut zurecht kommen. Die meisten Reader kommen mit verschiedenen Stimmen zur Auswahl daher, und die Anwender haben da ihre Vorlieben.

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  4. ranthoron sagt:

    schau doch mal bei http://www.blindzeln.org/ vorbei, die haben da Erfahrung…

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  5. gnaddrig sagt:

    Danke, das schaue ich mir auch gern an.

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