Zwischengrößen

In Deutschland wird Bier im Einzelhandel seit Jahrzehnten fast ausschließlich in Flaschen und Dosen zu 330 oder 500 ml angeboten. Bis vor ein paar Jahren waren die Packungsgrößen für Lebensmittel zumindest in Deutschland genau reguliert, da ging fast gar nichts anderes. Kann sein, dass es auch früher schon Literflaschen gab, das weiß ich aber nicht mehr. Seit der Deregulierung dürfen ziemlich beliebige Packungsgrößen angeboten werden, deshalb muss man beim Einkaufen jetzt mehr aufpassen als früher, weil manche Hersteller sehr geschickt mit den Packungsgrößen tricksen, aber das ist ein anderes Thema.

Der Rest der Welt hat sich sowieso noch nie an die in Deutschland üblichen Packungsgrößen für Lebensmittel gehalten. Das ist mir bei meiner ersten Fahrt nach Frankreich in den 90er Jahren aufgefallen, wo es Bier u.a. von Kronenbourg in Flaschen zu 250 ml gab. Neuerdings habe ich im Supermarkt auch tschechische Biere in 1,5-Liter-Plastikflaschen gesehen (in Russland gab es sogar noch größere Plastikflaschen, ich glaube mich an 2,5 Liter zu erinnern, das ist dort mittlerweile aber auf 1,5 Liter begrenzt), Paulaner verkauft Zwickl in 400-ml-Flaschen, kleine Brauereigaststätten haben alle möglichen Größen von 700 über 750 und 1000 ml bis zu beinahe fässchengroßen Glaskrügen im Angebot, und bei Importware weiß man sowieso nie.

Vor einer Weile war ich beispielsweise in einem neuen asiatischen Supermarkt und bin dort auf mehrere Sorten importiertes Bier gestoßen, die in ungewöhnlichen Flaschengrößen angeboten wurden: Star aus Nigeria in der 600-ml-Flasche, Guinness Foreign Extra Stout in der handlichen 325-ml-Flasche, Chang aus Thailand in den Größen 620 ml und 320 ml. Das fand ich dann wirklich kurios und habe ein bisschen im Internet herumgesucht.

In Großbritannien, glaubte ich mich zu erinnern, gab es auch abweichende Mengen, etwa Pint-Dosen, also habe ich zunächst nach britischen Marken gesucht und einiges gefunden, allerdings keine Flasche oder Dose mit genau einem Pint. Dann bin ich auf einen Artikel über uruguayisches Bier gestoßen, den es bei der uruguayischen Botschaft in Deutschland auch in einer deutschen Übersetzung gibt. Der Text wurde anscheinend von der größten uruguayischen Brauerei FNC gesponsort, die wesentlich auf eine von einem Exil-Hamburger gegründete Brauerei zurückgeht, was sich bis heute in den Biernamen dortiger Biere niederschlägt. Neugierig geworden habe ich mich zu einem uruguayischen Online-Shop weitergehangelt und dort eine faszinierende Vielfalt von Flaschen und Dosen gefunden, teils aus Uruguay, teils von anderswo. Dann gibt es noch ein paar Flaschen von einem russischen Online-Händler und ein paar von verschiedenen aus aller Welt.

Hier die Liste, sortiert nach Größe in den Kategorien Flasche und Dose. Plastikflaschen und Fässer habe ich rausgelassen. Da es für fast jede Gebindegröße eine ganze Reihe von Beispielen gibt, habe ich meistens das erste gefundene genommen oder teils besonders kuriose herausgesucht. Das stellt keine Kauf- oder Trinkempfehlung und kein Qualitätsurteil dar, weder für die Bier noch für die verlinkten Händler. Die Links in der Liste führen alle zu Online-Shops, ich habe da keine Mouse-Over-Texte zu geschrieben, weil es einfach zu viele sind.

Dosen:

500 ml: Muss ich da wirklich Beispiele nennen?

473 ml: Zillertal oder Schneider Lager

450 ml: Faxe

440 ml: Siren The Bonnie Situation oder Glen Affric Speyside BA Highland Suntan

400 ml: Ballantine Stout

355 ml: Moosehead DRY ICE

354 ml: Patricia

330 ml: Muss ich da wirklich Beispiele nennen?

320 ml: Tiger Lager

 

Flaschen:

1000 ml: Zillertal IPA

975 ml: Stella Artois

970 ml: Zillertal

960 ml: Patricia

750 ml: Jenlain Amber

740 ml: Patagonia Amber Lager

710 ml: Patagonia IPA

620 ml: Chang Classic Lager Beer (im o.g. asiatischen Supermarkt)

600 ml: Star Cold Filtered Finest Lager Beer (im o.g. asiatischen Supermarkt)

500 ml: Muss ich da wirklich Beispiele nennen?

470 ml: Chamowniki Pilsenskoje

450 ml: Hollandia

400 ml: Paulaner Zwickl

375 ml: Thornbridge Days of Creation oder Fyne Ales Goodnight Summer

355 ml: Corona

340 ml: Patricia

330 ml: Muss ich wirklich keine Beispiele bringen, oder?

325 ml: Guinness Foreign Extra Stout (im o.g. asiatischen Supermarkt)

320 ml: Chang Classic Lager Beer (im o.g. asiatischen Supermarkt)

250 ml: Kronenbourg

Außerdem habe ich gegen Ende meiner Recherche festgestellt, dass ich nicht der erste bin, der sich damit beschäftigt. Hier gibt es z.B. einen ausführlichen Artikel von Brian Evans über Popular Beer Sizes. Prost…


5 Kommentare on “Zwischengrößen”

  1. Yadgar sagt:

    Uruguayanisches Bier namens „Zillertal“… das ist schon heftig! Stellt sich jetzt nur die Frage, ob die Brauerei vielleicht im Besitz von Tiroler Emigranten (gibt es im Nachbarland Brasilien ja auch, z. B. in der Gemeinde Dreizehnlinden, Santa Catarina) ist oder es sich um schnöde Kommerz-Ranschmeiße an alpin heimattümelnde Touri-Deutsche handelt…

    Übrigens, bis 1973 gab es auch in Kabul eine Brauerei, die Diplomaten, sonstige westliche Expats und (Hippie-)Touristen mit Hopfenbrause versorgte…

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  2. gnaddrig sagt:

    Die Brauerei ist wie gesagt von einem aus Hamburg stammenden Brauer gegründet und seitdem mit mehreren anderen Firmen zusammengelegt worden. Ob da jetzt noch Leute mit deutschen oder österreichischen Wurzeln mitmischen, weiß ich nicht. Aber nachdem die älteste von der Firma vertriebene Marke „Pilsen“ heißt (ist zufälligerweise auch ein Pils, passt also), haben deutschsprachige Biernamen dort anscheinend Tradition. Wie sie ausgerechnet auf „Zillertal“ gekommen sind, weiß ich natürlich nicht. Einwanderer Österreichische Einwanderer werden auf Wikipedia nicht erwähnt (im relevanten Zeitraum war Südtirol noch nicht italienisch), und die extra erwähnten Schweizer, Badener und Elsässer dürften mit dem Zillertal ja eher wenig am Hut haben. Vielleicht brauchte man einfach was schön deutsch klingendes, das aber von spanischen Muttersprachlern gut ausgesprochen werden kann…

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  3. Stefan R. sagt:

    In Frankreich fand ich zu Jugendzeiten diese Liter-Bierflaschen (Kanterbräu) recht kommod. Sowie den Alltags-Rotwein im praktischen, stapelbaren 5 l-Würfelkanister. Ärgerlich finde ich, dass man Guinness hierzulande nicht in Pint-Dosen (568 ml), sondern nur in diesen 440 ml-Spardosen (Guiness aus der Dose kommt wegen des Floating Widget dem über Stickstoff von Fass gezapften am nächsten).

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  4. gnaddrig sagt:

    Ich kann mich noch an Fischer erinnern, da gab es was in der Größenordnung zwischen 600 und 750 ml, das war auch nicht schlecht.

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  5. Achim sagt:

    Auf der Interrail-Tour 1979 haben wir abenteuerlustigen deutschen Teenager in Spanien mit SKOL aus der Literflasche Bekanntschaft geschlossen. Schlimmer als Holsten oder Astra ist es auch nicht gewesen.

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