Wörter (3)

Kuriose Wörter (für, natürlich, durchaus vernünftige Dinge), zufällig gefunden:

Schlagschott
Schwallblech

Wörter, die ich einfach mag:

bewerkstelligen
verabfolgen

Was bisher als falsch galt:

das Klientel (auch wenn ich das letztesmal schon angeführt hatte, hier dient es als elegante Überleitung, deshalb bitte ich, die Wiederholung zu entschuldigen.)

Das wird in letzter Zeit immer häufiger, auch in Qualitätsblättern wie der Zeit. Für mich fühlt sich das eindeutig falsch an; eigentlich hieß es immer und laut Duden bis heute und nur die Klientel.

Zu meinem Unbehagen wegen dem falschen Genus von Klientel möchte ich allerdings noch ein paar kluge Worte von Tom Freeman zitieren, der als Stroppy Editor pointiert und immer lesenswert zu Fragen des Sprachgebrauchs schreibt:

Change didn’t begin with the baby boomers. It’s always been happening (and people have always been complaining about it). The rules Shriver grew up with were simply the customs of the day – some ancient, some much newer. Most are still in place, but the changes stand out. And even when the changes aren’t changes, the realisation that many or most people don’t follow your preferred conventions can be disconcerting.

Die Veränderung begann nicht mit den Babyboomern. Sie passierte schon immer (und Leute haben sich schon immer darüber beschwert). Die Regeln, mit denen Shriver aufwuchs waren schlicht das zu der Zeit übliche – manche uralt, andere jünger. Die meisten gelten immer noch, aber die Veränderungen springen ins Auge. Und sogar wenn die Veränderungen gar keine Veränderungen sind, kann es trotzdem beunruhigen, wenn man feststellt, dass viele oder die meisten Leute den Konventionen nicht folgen, die man selbst bevorzugt. (Meine Übersetzung)

Nachdem das geklärt ist, werfe ich noch einen Blick über den deutschen Tellerrand und präsentiere ein wunderschönes spanisches Wort:

fanfarronada – (span.) Prahlerei, Aufschneiderei, das klingt einfach grandios – fann-farr-rro-náh-da, hier gefunden:

@GlynDeGales
Otro dia, más fanfarronada de Boris Johnson sobre lineas rojas. Mientras tanto el valor de la Libra cae en picado. #Brexit
Neuer Tag, mehr Prahlerei von Boris Johnson über rote Linien. Derweil fällt der Kurs des Pfund ins Bodenlose. #Brexit

Und wo wir schon im Spanischen unterwegs sind, da gibt es noch den Räuber Hotzenplotz. Der heißt auf Spanisch El bandido Saltodemata, was für meine Ohren auch großartig klingt, allerdings auf Spanisch nicht das – wie soll ich sagen – märchenhaft Abenteuerliche des deutschen Namens hat (Hotzenplotz ist übrigens ein Ort am gleichnamigen Fluss an der tschechisch-polnischen Grenze im ehemaligen Schlesien).

Der spanische Name spielt auf den Ausdruck a salto de mata an, und das kann verschiedene Bedeutungen haben, u.a. mehr schlecht als recht, planlos, sprunghaft. Das scheint mir den Räuber in einem anderen Licht zu präsentieren als das in Otfried Preußles Original der Fall ist.


11 Kommentare on “Wörter (3)”

  1. Stefan R. sagt:

    Richtig schlimme finde ich diese zu Singularen verwürgten Plurale, die einem immer öfter begegnen:
    „Der Arzt hat mir ein Antibiotika verschrieben.“ oder:
    „Ich brauche für Mexiko ein Visa.“
    Brrr.

    Ein wunderschönes Wort hingegen finde ich: blümerant.

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  2. gnaddrig sagt:

    Ja, die gehen mir auch immer gegen den Strich. Der Mafiosi, das Globuli und so. Aber in zwei, drei Jahrzehnten gelten die wahrscheinlich offiziell als normale Singularformen.

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  3. Lo sagt:

    …und nicht vergessen: das „einzigste“.🤢

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  4. Ich hadere immernoch mit dieser Genitiv-Dativ-Verschwurbelung. Wenn ich höre „laut des …“ sträubt sich mein Gefieder und ich habe die Stimme meiner Deutschlehrerin im Ohr: „DATIV!“

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  5. gnaddrig sagt:

    Hm, „laut des“ finde ich auch komisch, aber „wegen dem“ geht gut aus den Tasten. Vermutlich weil es schon klassisch altmodisch Fälle gibt, wo wegen mit Dativ steht.

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  6. mit mundart geht’s: „weschen demme …“

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  7. gnaddrig sagt:

    Mundart ist ja sowieso oft anders, da geht hier oder dort vieles, was im Hochdeutschen falsch ist. „Mir sinn die, wo gwinne welle“ ist ja richtig, genauso „i bin gsesse“, oder im Norden „meine Mutter sein Auto“ und so.

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  8. Achim sagt:

    Na wenn schon „meine Mutter ihr Auto“, und außderm die Autobesitzerin bitte in den Dativ setzen: „der Mama ihr Auto“.

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  9. gnaddrig sagt:

    Ich habe hier nur referiert, was ich gehört habe. Das dürfte seinen Ursprung in einer bestimmten lokalen Ausprägung des Niederdeutschen haben, die ich selbst allerdings nicht einmal passiv beherrsche.

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  10. Achim sagt:

    Ich bin nun wirklich ein Norddeutscher (nördliches Schleswig-Holstein), aber ich kenne diese Formulierungen eigentlich aus meinem badisch-schwäbischen Exil.

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  11. gnaddrig sagt:

    Ja, dort gibt es das auch, aber ich habe es aus der Gegend zwischen Harz und Heide.

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In den Wald hineinrufen

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