Bank Deutscher Länder

Vorderseite einer 50-Pfennig-Münze mit dem Münzzeichen J und der Umschrift "Bank Deutscher Länder"

Münzen halten ja meist recht lange, jedenfalls im Vergleich zu Geldscheinen (römische Münzen hat jedes bessere Museum…). Mit einer Grundausstattung an solidem Hartgeld kommt ein Land meist eine ganze Weile aus. Heute stammt beispielsweise ein großer Teil der umlaufenden Münzen noch aus dem Jahr 2002, als das Euro-Bargeld eingeführt wurde. Selten, dass in einer Handvoll Wechselgeld keine Münzen von 2002 dabei sind.

Während meiner Grundschulzeit war es ähnlich – in den 70er Jahren waren Münzen aus der Zeit der Währungsreform keine Seltenheit, und die übten eine gewisse Faszination aus. Es waren erstens die ältesten noch gültigen Münzen und sie hatten zweitens statt „Bundesrepublik Deutschland“ die Umschrift „Bank Deutscher Länder“, das war irgendwie exotisch, geheimnisvoll, eine Ahnung von Geschichten aus ferner Vergangenheit. Was für „Deutsche Länder“ damit gemeint sein sollten, war uns damals nicht recht klar – die DDR hatte ja anderes Geld, und sonst kannten wir gar keine „Deutschen Länder“. Dass es Bundesländer gibt, war schon vage bekannt, die spielten in unserem Alltag aber weiter keine Rolle. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass das die gesuchten Deutschen Länder sein könnten.

Diese Bank-Deutscher-Länder-Münzen waren also sowieso schon eine faszinierende Angelegenheit. Außerdem kursierte das Gerücht, eine 50-Pfennig-Münze von 1949 mit dem Münzzeichen J (Hamburg) sei viel Geld wert. Es kursierten Preisvorstellungen zwischen 50 und 200 DM. Natürlich hatte nie jemand von jemandem gehört, der so ein geprägtes Stück Blech tatsächlich irgendwo zu einem erwähnenswerten Preis hatte losschlagen können. Und es war sowieso Unsinn – damals musste man nicht lange suchen, um so eine Münze zu finden, da hätte kaum jemand so einen Mondpreis dafür gezahlt.

Egal, ganz sicher sein konnte man sich ja nicht, und wegen der Aussicht, in den Kieselsteinen am Bach ein Goldnugget zu finden, haben wir die Münzen aus dem Jahr 1949 eben gesammelt. Naja, gesammelt nicht wirklich, weil diese speziellen Rücklagen trotz lohnender Profite dann in Situationen mit hohem, hm, Konsumdruck mangels anderer flüssiger Mittel doch regelmäßig in Eis oder Comics umgesetzt wurden.

Was die Aussicht auf schnellen Gewinn beim Verkauf solcher Münzen angeht, war das wohl wirklich nur ein Gerücht. Gut 40 Jahre später verzeichnet der Münzkatalog Online für einen Fünfziger von 1949 aus Hamburg im Zustand VZ-ST (Vorzüglich bis Stempelglanz) einen Wert zwischen 40 und 50 Euro, andere Münzzeichen sind bei gleichem Zustand etwas billiger. Diese Münzen werden in den 70er Jahren deutlich weniger wert gewesen sein, da wäre für uns wirklich nicht viel zu holen gewesen. (Zum Vergleich: Die meisten deutschen 50-Cent-Münzen sind genau 50 Cent wert, nur für einzelne Exemplare aus Hamburg oder Stuttgart im Bestzustand kann man theoretisch zwischen 2 und 3 Euro erlösen, und das sind dann keine Münzen, die man irgendwo als Wechselgeld kriegt).

Die vermutlich deutlich selteneren Fünfziger mit „Bank Deutscher Länder“ aus dem Jahr 1950 stehen dort übrigens mit über 400 Euro verzeichnet, aber von deren Existenz wussten wir damals gar nichts. „Bank Deutscher Länder“ war für uns Experten genau und ausschließlich 1949.

Ich habe als Kind jedenfalls eine Weile lang BdL-Münzen gesammelt und habe noch eine Handvoll davon herumliegen – viele Groschen, einige 50er, wenige 5er und zwei Ein-Pfennig-Stücke. Viel wert sind sie nicht, dafür sind sie zu abgegriffen, von Stempelglanz weit entfernt und nicht einmal in Sichtweite von Vorzüglich.

Eine kleine Rarität habe ich allerdings: Einen Pfennig mit der Umschrift „Bank Deutscher Länder“ von 1948. Es ist nicht sicher bekannt, wieviele davon überhaupt geprägt wurden. Auf E-Bay hat jemand behauptet, die Auflage habe nur 250 Stück betragen, aber das kommt mir arg niedrig vor, und die Fachleute halten sich bedeckt.

Im Zustand VZ-ST wäre die Münze laut Katalog zwischen 8 und 9 Euro wert. Mein reichlich verschlissenes Exemplar dürfte eher in der Gegend von einem Euro liegen – eigentlich immer noch eine traumhafte Rendite, aber doch nur ein Bagatellbetrag und lohnt deshalb nicht wirklich. Da behalte ich die Münze lieber.

 


3 Kommentare on “Bank Deutscher Länder”

  1. cimddwc sagt:

    Ich hab als Kind/Jugendlicher lange Zeit alle 1-Pfennig-Münzen gesammelt – irgendwann waren’s zu viele, sodass ich sie bis auf max. 3-5 pro Jahr und Prägeanstalt eingetauscht habe. Müssten 17,50 DM gewesen sein…

    Die behaltenen hab ich immer noch, und natürlich gibt’s trotzdem etliche Lücken bei den entfernteren Prägeanstalten. Von 1948 hab ich je einen aus D und F.

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  2. gnaddrig sagt:

    So systematisch bin ich nie drangegangen. Müsste mal meine Bestände durchgehen, ob ich überhaupt für jedes Jahr ein Exemplar habe. Groschen habe ich wohl genug, bei 50ern wird es schon eng…

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  3. Yadgar sagt:

    Also, ich habe hier noch zwei Afghani-Scheine aus der Karmal-/Najibullah-Zeit herumliegen, einen weinroten 10er mit Salang-Pass auf der Rückseite und einen grünen 20er mit dem Torbogen von Bost… die gab es beide mal irgendwann in den 1990er Jahren für zusammen 8 DM auf einem Flohmarkt!

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