Geräuschkulissen

Derzeit sind bei uns wieder mal Irgendein-Depp-bohrt-irgendwo-immer-Tage. Im Nachbarhaus wird eine Wohnung entkernt und neu aufgebaut. Gut, das sind keine Deppen sondern Handwerker. Aber bohren tun sie dort ausgiebig. Tagelang haben sie Fliesen von den Wänden und Fußböden geschlagen und seit Beginn der Arbeiten ein Dutzend Anhänger Schutt abgefahren.

Der fiese Sound der dabei verwendeten Bohrhämmer findet in dem Stahlbeton der beiden Wand an Wand stehenden Häuser ideale Ausbreitungsbedingungen und ist mühelos in der Lage, die Ohren fast vollständig zu umgehen. Ohrstöpsel und aktiv lärmunterdrückende Kopfhörer halten den Krach nicht fern, aber mit Musik in den Kopfhörern kann man es immerhin fast übertönen.

Jetzt haben wir statt den kurzen nervösen Aufheulern der Bohrhämmer längere, monotonere Klänge von einem Arbeitsgang, den ich nicht recht identifizieren kann. Jedenfalls sind es auch elektrische Werkzeuge, und die knochendurcheinanderschüttelnden Vibrationen sind ganz ähnlich. Das Geräusch ist insgesamt nicht ganz so aufdringlich und bildet in seiner Beständigkeit eine Geräuschkulisse, die ich fast ausblenden kann.

Ich war schon fast wieder im normalen Arbeitstrott. Dann fingen sie an, unten auf der Straße Blechteile von Hand zurechtzusägen. Es geht nichts über das gemeine Geräusch so einer Metallsäge . Eigentlich viel leiser als die Bohrhämmer, aber fies wie Zahnschmerzen oder Zahnarztbohrer und ähnlich durchdringend. Und die Handwerker unten brauchen anscheinend viele, viele kleine Teile.

Muss es überhaupt Metall sein? Könnte man die benötigten Teile nicht einfach mit 3D-Druckern passgenau vor Ort produzieren? Das wäre leiser, würde weniger Abfall produzieren, passt sowieso eher zum High-Tech-Standort Deutschland und würde außerdem meine Nerven schonen.

Meistens ist es ganz nett, von zuhause zu arbeiten, und auch die Dauer-Home-Office-Zeit seit dem Frühjahr war in Ordnung. Nur wenn in unmittelbarer Nachbarschaft derart unüberhörbar gehandwerkt wird, ist es nicht so toll, da wäre man im Büro besser aufgehoben.

Um das Fass auch wirklich vollzumachen, ist in einer Sägepause vorhin übrigens jemand mit dem Heckenföhn angetreten. Damit ist für abwechslungsreiche Unterhaltung auf jeden Fall gesorgt bis auf weiteres…


6 Kommentare on “Geräuschkulissen”

  1. Sybille Lengauer sagt:

    klingt als hätten die Einstürzenden Neubauten ein neues Album aufgenommen…

    Liken

  2. gnaddrig sagt:

    Ja, allerdings ist hier kein Vokalist involviert. Mein Vor-mich-hin-Gemotze zählt nicht…

    Gefällt 1 Person

  3. Sybille Lengauer sagt:

    bisschen den großen Zeh an einer Kommode stoßen, dann klappt das auch mit den Vocals. Es gibt so Tage…

    Gefällt 2 Personen

  4. gnaddrig sagt:

    Aber warum? Ich brauche und will zu dem Lärm ja nicht noch Gesang.

    Gefällt 1 Person

  5. Sybille Lengauer sagt:

    So etwas will man nicht, so etwas passiert manchmal einfach, wenn man es nicht gebrauchen kann.

    Gefällt 1 Person

  6. LP sagt:

    Durchhalten. Irgendwann ist die Butze fertig.

    Liken


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.