Ausgeschlafen

Jetzt ist mal wieder die Sommerzeit zuende, die vergangene Nacht war eine Stunde länger als eigentlich. Nachdem das EU-Parlament 2018 grundsätzlich für die Abschaffung der Sommerzeit gestimmt hatte, sollte sich das mit der halbjährlichen Zeitumstellerei eigentlich bald erledigt haben.

Nur leider steckt der Teufel auch hier wieder im Detail, und die EU-Regierungen können zu keiner Einigung über die Einzelheiten kommen. In vielen Ländern interessieren sich die Leute offenbar nicht weiter für die Sache. Einige Länder wollen die Umstellerei beibehalten, obwohl die Sommerzeit bekanntlich so gut wie keinen Nutzen hat und dafür eine Reihe von Nachteilen mit sich bringt. Wenn es schon keinen vernünftigen Grund für die Einführung des Unsinns gab, welchen Grund kann es für die Beibehaltung geben außer vielleicht Trägheit, die aber sicher immer noch Jahr für Jahr mehr Aufwand verursacht als die einmalige Abschaffung?

Es scheint also ungeahnt schwierig zu sein, eine Einigung zu erzielen, jedenfalls gibt es viele Bedenken und Schwierigkeiten auf dem Weg dahin. Dem Wikipedia-Artikel zum Thema entnehme ich etwa, dass bei einer dauerhaften Sommerzeit die Sonne im spanischen Galizien winters erst gegen 10 Uhr aufginge und es bei einer dauerhaften Normalzeit in Ostpolen im Sommer bereits um 3 Uhr hell wäre. Immerhin kann nur eines dieser beiden Probleme auftreten, außer Spanien wählt permanente Sommerzeit und Polen permanente Normalzeit, was ihnen durchaus zuzutrauen wäre. So oder so deutet das darauf hin, dass die beiden Länder schlicht in der falschen Zeitzone hängen.

Dabei könnte ja eigentlich jedes Land sich in die Zeitzone einordnen, in die es geographisch gehört, d.h. dass der tägliche Höchststand der Sonne irgendwo im Land ungefähr um 12 Uhr auftritt. Das ist etwa in Berlin und den Neuen Bundesländern so ungefähr der Fall, ebenso im westlichen Teil Polens. Der Westrand Deutschlands und die östliche Hälfte Polens hängen ein wenig zwischen den Zeitzonen, aber das lässt sich auch kaum vermeiden, die Ländergrenzen folgen ja nicht den willkürlich gewählten Idealgrenzen der Zeitzonen, und eine halbe oder dreiviertel Stunde hin oder her ist sicher verkraftbar, zumal mit Gewöhnung.

Paris gehört eigentlich in die nächste Zeitzone, zusammen mit London. Madrid auch. Und wenn man sich aus politischen Gründen in eine der benachbarten Zeitzonen schiebt wie Frankreich und Spanien das tun, muss man sich über die verschobene Zeit auch nicht beschweren.

Tun sie aber, und bis sich alle auf irgendeinen Kompromiss geeinigt haben, schalten eben alle EU-Länder weiter hin und her, und ich hab’s gründlich satt.


7 Kommentare on “Ausgeschlafen”

  1. Mindsplint sagt:

    Ich habe die Umstellung auch schon lange satt. Ob ich die Abschaffung noch erlebe, bezweifele ich jedoch stark! Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überraschen. 🙃

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  2. gnaddrig sagt:

    Mit etwas Optimismus kann man sagen, es bleibt spannend…

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  3. Mindsplint sagt:

    😄😃😀

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  4. Achim sagt:

    In Spanien gibt es meines Wissens seit einigen Jahren eine Bürgerintiative für die Rückkehr in die WEZ. Die wollen rückgängig machen, was Franco seinerzeit Hitler zuliebe verbockt hat.
    Und ja, Frankreich wäre in der WEZ auch gut aufgehoben, ebenso die Beneluxländer. Ich glaube auch nicht, dass denen die eine Stunde Unterschied zum großen östlichen Nachbarn schaden würde. Borisland wickelt ja (bisher…) einen Großteil seines Außenhandels mit Ländern in der MEZ ab, das scheint ja auch zu klappen.

    Und es ist schon komisch, dass bis auf ein paar Zipfel von Sachsen quasi ganz Deutschland westlich des die MEZ definierenden 15. Längengrads liegt. Das war aber zur Zeit der Einführung der MEZ noch anders…

    Wenn man die Zeitzonenkarte bei Wikipedia studiert, entdeckt man kuriose Dinge, z.B. ist das kleine Nepal dem großen Indien eine Viertelstunde (!) voraus, in Grönland gibt es „Zeitexklaven“, und während die kanadische Provinz „Neufundland und Labrador“ aus historischen Gründen in zwei Gebiete mit einer halben Stunde Unterschied geteilt ist, setzt sich das auf Labrador gelegene französische Überseegebiet St. Pierre et Miquelon sicherheitshalber nochmal um eine halbe Stunde ab…

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  5. gnaddrig sagt:

    Stimmt, es gibt da erstaunlich viele Ein- und Ausbuchtungen, Zeitinseln und sonstige irgendwie historisch gewachsene Skurrilitäten.

    Dazu gibt es ein sehenswertes Video von Tom Scott bei Computerphile:
    The Problem with Time & Timezones. Ziemlich lustig, wenn man da nicht selbst dran rumschrauben muss…

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  6. Achim sagt:

    Oh das Video ist super… Und die Hälfte der möglichen Probleme werden erst in den Kommentaren erwähnt 😉

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  7. gnaddrig sagt:

    Ja, die Kommentare sind eine Fundgrube für sich, sollte man sich nicht entgehen lassen.

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