Strukturen unter dem Schnee

Zwei am Straßenrand geparkte Pkw mit einer Schneedecke, ein schwarzer, ein silbergrauer. Auf der Motorhaube des schwarzen Pkw ist der Schnee abgetaut, nur eine Struktur aus schmalen Schneewülsten ist noch übrig. Die Motorhaube des silbergrauen Pkw ist schneebedeckt, nur eine Stuktur aus schmalen abgetauten Streifen ist sichtbar.

In der Nacht war das Thermometer ein paar Grad unter Null gefallen, und es hatte ein paar Zentimeter geschneit. Die Autos lagen unter einer geschlossenen Schneedecke, aber schon am Morgen waren die Strukturen der Trägerelemente unter dem Blech der Motorhauben durch die dünne Schneeschicht zu erahnen. Die Motorhauben sahen sich dabei sehr ähnlich: eine dünne Schneeschicht, und die Linien der Rahmenelemente waren als blasse Schatten sichtbar (leider habe ich davon kein Foto gemacht).

Nach ein paar Stunden bei knapp über Null Grad sieht es dann so aus:

Beim einen Auto ist der Schnee nur über diesen Rahmenstrukturen liegengeblieben und ansonsten weggetaut. Beim anderen ist es genau umgekehrt – die Haube ist weiter schneebedeckt, nur über den Rahmenelementen ist der Schnee weggetaut.

Ich habe nur eine ungefähre Vorstellung, wie das zustandegekommen sein wird, und überlege einfach mal ein bisschen vor mich hin:

Also, die metallenen Rahmenelemente unter dem Blech können mehr Wärmeenergie speichern und abgeben als das Blech der Karosserie. Je nachdem, ob das Auto schon lange steht und dementsprechend ausgekühlt ist, oder ob es bis kurz vor dem Schneefall gefahren wurde und deshalb gut durchgewärmt an den Start geht, dürften die Stahlrahmen eine ganze Zeit lang kühlen oder heizen (anders als das einfache Blech, das wohl recht schnell die Umgebungstemperatur annimmt) und das Erscheinungsbild der Schneedecke beeinflussen.

Ob die tagsüber zeitweise erschienene Sonne einen großen Unterschied gemacht hat? Ich kann mich nicht erinnern, ob sie die Autos überhaupt erreicht hat. Aber immerhin ist das freigetaute Auto schwarz, das noch schneebedeckte silbrig. Andererseits – die Schneeschicht sollte den Effekt der schwarzen Farbe zumindest gebremst haben, und die Rahmenelemente müssten beim schwarzen Auto kalt gewesen sein, sonst wäre da der Schnee ja auch weg; das silbergraue Auto müsste warm in den Schneefall geraten sein, weil die Rahmen ihre Schneedecke beseitigt haben, während der Rest des weißen Blechs schneebedeckt ist.

Das ganze passt gut zu diesem Blogbeitrag von H. Joachim Schlichting, dessen Titel ich schamlos abgekupfert und weitergesponnen habe.

P.S.: Jetzt ist noch eine Aufnahme vom Vorabend aufgetaucht. Da stehen die beiden Fahrzeuge im Schneetreiben:

Zwei am Straßenrand geparkte Pkw, ein schwarzer, ein silbergrauer. Es schneit, beide Autos haben eine Schneedecke. Die Motorhauben sind nur teilweise verschneit, es gibt blanke Flecken und wohl von Strukturelementen unter den Motorhauben herrührende, aus schmalen abgetauten Striefen bestehende Muster.


4 Kommentare on “Strukturen unter dem Schnee”

  1. cimddwc sagt:

    Wenn die Autos nun auch auf einer gepflasterten Fläche parken würden, die ihrerseits wieder Strukturen bilden würde wie meine Terrasse, wäre das Kunstwerk quasi perfekt. 🙂

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  2. gnaddrig sagt:

    Tja, man kann nicht alles haben…

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  3. Das ist eine sehr schöne Beobachtung und gibt zu Spekulationen über die jüngste Vorgeschichte der Fahrzeuge Auschluss. Ich finde das spannend!

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  4. gnaddrig sagt:

    Geht mir genauso. Die auf die Schneedecke einwirkenden Prinzipien sind ja bekannt, aber wie es im Einzelnen gerade zu diesem Ergebnis gekommen ist, weiß man dann doch nicht so genau.

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