Einverleibungen

Es gibt im Deutschen ja eine beständig wachsende Menge Anglizismen, was öffentlich zu beklagen sich manche berufen sehen, wofür sie dann wiederum von anderen öffentlich kritisiert werden.

Anglizismen sind  also allgegenwertig in der heutigen deutschen Sprache, und Anglizismen zu erfinden muss ein beliebtes Hobby sein. In der Werbung wird sowas geradezu zwanghaft gemacht, und in Managementkreisen wird auch häufig ein bisweilen schwerverdauliches Denglisch gesprochen. Schwer zu verstehen, wenn man entweder mit der Denkweise oder dem Fachgebiet der jeweiligen Wortimporteure nicht vertraut ist und darum nicht ohne weiteres erschließen kann, was die ausdrücken wollten, oder weil man die importierten englischen Wörter gar nicht erst kennt.

Und einfach nachschlagen kann man so etwas auch nicht so ohne weiteres, weil erstens das Englische ein paar Laute hat, die im Deutschen nicht vorkommen, zweitens der Zusammenhang zwischen Schreibweise und Aussprache im Englischen recht unübersichtlich ist, und weil drittens so mancher Denglischsprecher seine Importware in der Aussprache derart vermurkst, dass vom Klang nicht immer ganz einfach auf die Schreibweise geschlossen werden kann.

Dabei haben wir noch gar nicht davon angefangen, dass manchen Wörtern beim Import die Bedeutung ziemlich verdreht wird oder englisch klingende Wörter gelegentlich gleich ganz erfunden werden (das berühmte urdenglische Handy lässt grüßen). Bis die im Duden auftauchen, gibt es nichts, wo man die nachschlagen könnte. Obwohl, im Internet findet man dann doch Gelegenheiten zum Nachschlagen.

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Apropos Suche im Internet. Wenn man mit einer Suchmaschine etwas im Internet sucht, wie heißt das? Googlen? Googeln? Guhgeln? Und dann gibt es ja nicht nur den Infinitiv, sondern man muss das Zeugs ja gelegentlich auch konjugieren, und das hat so seine Tücken:

Mit dem Unterstützerpaket supported ihr nicht nur unsere tägliche Sportstunde (Quelle)

Da hätte man eigentlich supportet schreiben sollen – ich supporte, du supportest, er/sie/es supportet. Stattdessen hat man irgendwie halbgar eine englische Form verwendet und ist dabei unbeabsichtigt in das Simple Past gestolpert, also eine hier gar nicht passende englische Verbform. Das ist dann wohl Denglisch im ureigensten Sinn.

Die Vergangenheitsformen solcher Importwörter sind sowieso ein schwieriges Thema, und der Sprachgebrauch ist da auch eher uneinheitlich. Es wird ganz selbstverständlich gegooglet, genau wie auch gesucht oder gemeckert wird. Aber wie ist es bei supporten? Ich argwöhne, dass die meisten sagen, sie hätten supportet, nicht gesupportet. Perfektformen ohne die Vorsilbe ge- gibt es im Deutschen natürlich auch, man hat unterstützt oder übersetzt. Aber supporten hat keine unbetonte Vorsilbe (das sup ist zwar zu lateinischer Zeit aus einer Vorsilbe entstanden, war aber schon im Altfranzösischen keine mehr und ist deshalb bei dem englischen Verb erst recht keine Vorsilbe; das englische Verb to support wird nicht aus to port plus Vorsilbe gebildet), und deshalb müsste das Perfekt im Deutschen eigentlich ein ge- haben. Andererseits könnte supporten auch unter „einige Wörter, bei denen ein -ge- oder eine unbetonte Vorsilbe enthalten ist“ fallen und bräuchte dann doch kein ge- für das Partizip II – immerhin klingt gesupportet für mich falsch, ich würde instinktiv supportet sagen, und sup wäre dann eine Art untebonte Vorsilbe ehrenhalber. Es ist anscheinend nicht so einfach.

Wer Nachrichten nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, faket News, und wenn er fertig ist, hat er News gefaket (nicht gefaked). Dabei müsste man noch überlegen, ob es Fremdwort bleiben oder als Lehnwort gewissermaßen eingemeindet werden soll – fäjken, fäjkte, gefäjkt (wobei die Verbindung äj im Standarddeutschen so nicht vorkommt, die damit beschriebene Lautfolge auch nicht. Ein gewisses Neuerungselement wäre also so oder so mit dem Wort verbunden, außer man geht den Weg des cakes und deutscht faken entsprechend zu feken ein (oder vielleicht fehken). Dann werden allerdings die auf t endenden Formen zumindest im Norddeutschen bald mit fegen kollidieren (fegt klingt in manchen Gegenden wie fekt), was dann u.U. die dritte große Lautverschiebung anstoßen könnte, wer weiß.

Und wenn man im Browser Lesezeichen für bestimmte Webseiten setzt? Man bookmarkt diese Seiten, und hinterher hat man sie gebookmarkt, nicht bookgemarkt, aber auch nicht gebookmarked. (Sollte man das vielleicht als verlesezeichent eindeutschen? Nein, ich glaube, das ist zu scheußlich!)

Die Sprachpanscherei, um zum Anfang zurückzukommen, besteht meiner Meinung nach nicht so sehr in der manchmal schon etwas arg gewollten Verwendung von Anglizismen, sondern eher in der Verwendung z.B. englischer Konjugationsformen im deutschen Text. Und das ist eine Sache, die sich sicher in absehbarer Zeit einrenken wird, weil das Deutsche eben nicht im Begriff ist, in der Anglizismenflut unterzugehen, sondern diese ganzen Sachen locker verdauen wird, genau wie die Fremdwörter früherer Zeiten aus anderen Gebersprachen, z.B. Französisch und Latein.

Dass die Sprache sich dabei verändert, ist kaum zu vermeiden, aber das tut sie sowieso, wie schon immer. Kann man doof finden, ist aber nicht zu ändern. Auch wenn es vielleicht cool gewesen wäre, sich zwanglos mit Leuten wie Nikolaus Kopernikus, Walther von der Vogelweide oder vielleicht Cædmon unterhalten zu können, so geht das eben nicht. Deutsch ist ja immerhin noch lange keine tote Sprache…


6 Kommentare on “Einverleibungen”

  1. Achim sagt:

    Schönes Thema 😉 Anglizismen bringen mich manchmal dazu, Texte umzuformulieren, um damit die heiklen Formen zu umschiffen… Ich habe natürlich den einen oder anderen Cent mitgebracht:

    Partizip von supporten: Natürlich ohne ge, ich finde, das eingedeutschte Verb folgt hier dem prosodischen Muster der deutschen Verben mit unbetonter Vorsilbe. Mündlich alles kein Problem, schriftlich sieht ein t am Ende komisch aus, ein d am Ende aber einfach falsch (gesprochen ist es wegen der Auslautverhärtung eh egal). Ausweg aus drängender Not: „Die Firma leistet dafür keinen Support mehr.“

    gugeln: Steht nicht mehr im Duden, weil Tante Gugel dem Dudenverlag den Gebrauch ihrer Wortmarke untersagt hat. Habe ich jedenfalls neulich irgendwo gelesen.

    Und dass du im zweiten Absatz gleich zwei völlig unangefochtene Anglizismen untegebracht hast, ist auch schön. Hättest ja „Steckenpferd“ und „Geschäftsleitung“ sagen können 🙂

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  2. Raul Katos sagt:

    Eine Exildeutsche, die in der Wahlheimat Schweiz lebt, und dort mangels ausreichend vorhandener Tasten auf der Tastatur und der Mehrsprachigkeit in der Schweiz schon ohnehin ohne das beliebte / gehasste ß auskommen muss oder darf, war bass (sic!) erstaunt, dass der Plural von Anglizismen nach den deutschen Grammatikregeln gebildet wird. Das betrifft insbesondere auf y endende Anglizismen, denen im Deutschen dann einfach ein s angehängt wird, ohne das y in ie umzuwandeln: Repository / Repositorys – aber nicht Repositorien.

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  3. gnaddrig sagt:

    Babys und Repositorys sieht entsetzlich falsch aus, aber es ist natürlich sinnvoll, die Pluralbildung im Deutschen nach deutscher Grammatik vorzunehmen.

    Witzig wird es nur, wenn man ein Wort im Plural entlehnt, es später nicht mehr als Plural erkennt und als Singular verwendet wie es dem umgangssprachlichen US-Dollar im Russischen gegangen ist:
    один бакс (odín baks) – one buck/ein Dollar,
    два бакса (dwa báksa) – two bucks/zwei Dollar,
    пять баксов (pjat báksow) – five bucks/fünf Dollar (wom

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  4. nömix sagt:

    Die mutwillig und sinnlos eingedeutschte Pluralbildung englischer Fremdwörter (sic: Fremdwörter, nicht Lehnwörter) gebiert sprachliche Spottgeburten, z.B. “Crashs“.

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  5. gnaddrig sagt:

    Dabei könnte es ganz einfach sein: der Kräsch, die Kräsche.

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  6. Yadgar sagt:

    Da ich schon als pickeliger fernsehköpfiger Teeniedödel trotz Fassonschnitt, Adidas-Tretern und Heimorgel ein reichlich schräger Vogel war, enthielt mein damaliger, von diversen »Szene-Wörterbüchern« (»Laß uns mal ’ne Schnecke angraben!« und ähnliche) inspirierter Jugendslang nicht nur die unvermeidlichen englischen Trendwörter, sondern auch Übernahmen aus dem Französischen (»…geiler Outlook bei den Temps (=Wetter) heute«), Lateinischen (»ich perlustriere also zur Strippenbox…« und, absolut unentbehrlich, ausgesucht coole Afghanizismen:

    »…wir moven also betont easy zwecks balisto- und calippomäßiger Reinballerung in den Tschaihan (siehe auch «Krüstchen-Grill») rein, da geht schon extrem der Attan ab, Loya Jirga ist angesagt… ein paar PASHtunen («PASH» war in den 80ern eine ziemlich prollige Jeansmarke, vor allem bei U-Bahn-Lanlar mit Thomas-Anders-Matte angesagt, dazu trugen die Macker dann Chevignon-Wurstlederjacken, die Tussen zusätzlich «die düüre Plastikbüggele vun MCM» (Bläck Fööss, Schicki Micki, 1984)) kippen komplett aus den Tschaplis, als wir eintrudeln…«

    …es sollte viel mehr Afghanizismen im Deutschen geben!

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In den Wald hineinrufen

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