Aschenbecher

Ein Dönerladen in der Fußgängerzone am Rand der Innenstadt, Straßenverkauf durch ein Fenster neben der Eingangstür. Unter dem Fenster ist irgendwo zwischen Knie- und Hüfthöhe eine Art Absatz in der Sandsteinfassade (ein elaboriertes Gebilde aus der Gründerzeit). Auf diesem Absatz stehen ein paar Serviettenspender und ein halbes Dutzend Aschenbecher, die sonst auf die Außentische gehören, aber zu dieser Zeit und bei diesem Wetter setzt sich niemand draußen hin, der Außenbereich ist schon abgeräumt für den Abend).

Ein sehr energiegeladener junger Mann mit Bart und verkehrtherum aufgesetzter Basecap kommt angefedert, baut sich vor dem Fenster auf, reicht einen Zehn-Euro-Schein hoch: Bruder, kannst du wechseln? Gib mir Fünfer und paar Münzen, egal.

Während der gutgelaunte Dönermann drinnen zur Kasse geht, nimmt Basecap draußen den letzten Zug an seiner Zigarette, schaut nach links und rechts und wirft die Kippe dann ein paar Meter an der Hauswand entlang. Dreht sich wieder zum Fenster, sieht die Aschenbecher und bemerkt selbstironisch zu seiner inzwischen zu ihm aufgeschlossenen Freundin: Da habe ich n Haufen Aschenbecher am Knie und schmeiß die Kippe auf die Straße.

Zwei junge Frauen, die ein paar Meter weiter stehen und auf ihr bestelltes Essen warten, haben das beobachtet. Eine meint: Kannst die Kippe ja jetzt aufheben und in den Aschenbecher tun. Er schaut an der Hauswand entlang, wo mehrere Kippen liegen, ein halbgegessener Döner und andere Dinge, die in Fußgängerzonen gelegentlich am Boden landen. Dreht sich zu den Mädchen um und erklärt: Was, wo so viel Müll da liegt!?

Die beiden Mädchen lachen los. Er muss auch grinsen, nimmt das gewechselte Geld in Empfang und zieht mit seiner Freundin ab.


4 Kommentare on “Aschenbecher”

  1. sobald einer angefangen hat … oder: ob er sich gebückt hätte, wäre er der erste gewesen?

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  2. gnaddrig sagt:

    Man fragt sich…

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  3. Immerhin merken sie noch, dass da Müll liegt bzw. dass das, was da liegt, nicht dorthin gehört. Kippen auf die Straße zu werfen, war hierzulande mal ganz normal. Sehr viele Menschen rauchten, und es gab keine Aschenbecher an den Abfallbehältern. So wurde man als ordentlicher Mensch leicht zum Brandstifter. Mir fällt gerade beim Leser meiner geliebten Krimi-Klassiker auf, wie „nonchalant“ Pfeifen- und Zigarrenraucher mit Asche und Stummeln umzugehen pflegten – oft auch in geschlossenen Räumen.

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  4. nömix sagt:

    Herr, lass Hirn vom Himmel regnen! denkt man sich zuweilen – aber das ergäbe wohl einen gehörigen Matsch auf den Straßen…

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In den Wald hineinrufen

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