Datenrate

Manchmal, wenn das Internet aus irgendwelchen Gründen besonders langsam ist, spotte ich, dass ein besoffener Matrose mit einer Morselampe die Daten schneller übermittelt kriegen würde als mein supertoller DSL-Anschluss mit nominell drölfzig Millionen Megadingens pro Sekunde. Und neulich habe ich mich dann gefragt, wie schnell man mit Morse denn überhaupt so sein kann.

Das läuft, wenn man Beeinträchtigungen wie den Schwips des Matrosen oder eine schwergängige Taste an der Lampe beseitigt, auf die Frage nach der technisch machbaren Höchstgeschwindigkeit für die Datenübertragung per Morsecode hinaus.

Die grundlegende Zeiteinheit für Morse-Übertragungen ist das Dit, also der kurze Ton. Alle Ton- und Pausenlängen werden bezogen auf das Dit definiert. Die Pause zwischen zwei Symbolen innerhalb von Buchstaben beträgt ein Dit. Die Pause zwischen zwei Buchstaben beträgt drei Dit, was einem Dah entspricht. Die kürzestmögliche Pause und damit das kürzestmögliche Dit ergibt sich bei herkömmlichen Signalgebern mit händisch bedienter Taste aus der Rückstellgeschwindigkeit des Tasters und der zum erneuten Niederdrücken benötigten Zeit. Kürzer als dieses Intervall kann ein Dit nicht werden, d.h. die höchstmögliche Datenrate hängt direkt vom kürzesten zuverlässig realisierbaren Dit ab. Ob ein Funker diese technisch bedingte Höchstgeschwindigkeit tatsächlich erreichen und zuverlässig (also lesbar) halten kann, weiß ich nicht.

Man könnte natürlich am Computer Tastatureingaben automatisch in Morsecode ausgeben lassen. Da wäre dann die schnellste Tippgeschwindigkeit die Grenze. Ich bin mir nicht sicher, ob jemand Geübtes schneller tippen kann als ein Funker von Hand morsen kann. Aber auch das wäre als Datenübertragungsrate wohl immer noch recht lahm. Sicher könnte man Texte auf diese Art auf Vorrat vermorsen und die Sequenz dann beschleunigt abspielen. (Ähnlich wie man früher bei Wählscheibentelefonen das Wählen beschleunigen konnte, indem man die Wählscheibe mit dem Finger schneller zurückdrehte als die Feder das von sich gemacht hätte; die beschleunigten Impulse wurden vom Schaltschrank im Amt normalerweise richtig gelesen.)

Die Obergrenze für solche akustischen Übertragungen dürfte um Größenordnungen über der durch Tippen erreichbaren Geschwindigkeit liegen. Und vermutlich könnte man durch Umwandlung in optische Signale und Übertragung per Glasfaser noch höhere Geschwindigkeiten erreichen. (Das wäre dann das Hi-Tech-Äquivalent zur alten Morselampe!)

Wie kurz ein Dit in der Glasfaser sein kann, weiß ich nun überhaupt nicht. Ich habe auch keine Vorstellung, wie man sowas bestimmen könnte. Und wo ich schon bei Sachen bin, die ich nicht weiß: Was wäre der begrenzende Faktor – das kürzeste Lichtsignal herzustellen oder es zuverlässig zu lesen? Naja, vermutlich das Letztere, und zwar um so mehr je weiter der Empfänger vom Sender entfernt ist. Bleibt die Frage, ob die Datenrate bei steigendem Abstand stetig sinkt, oder ob das Signal ohne nennenswerte Ausbremsung durch entfernungsbedingte Ungenauigkeiten und Übertragungsfehler einfach unlesbar wird.

Und dann könnte man sich noch überlegen, wie man Bild- oder Tondaten in Morsecode darstellen und übertragen kann, aber damit ist der Matrose von vorhin sicher überfordert. Ich auch.


8 Kommentare on “Datenrate”

  1. Ich mustte jetzt mal selbst in der Wikipedia nachsehen, denn meine Lehrjahre sind schon ein wenig länge her… Es gibt Glasfaserkabel mit einer Übertagungsgescheindigkeit von bis zu 100 Gigabit pro sekunde! Das sind 107374182400 bits oder Dits pro Sekunde.
    Morse das mal…

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  2. gnaddrig sagt:

    Da bräuchte man wahrscheinlich eine ganze Armee olympiareifer Synchronmorser, die sich den Text dann aufteilen…

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  3. cimddwc sagt:

    Konsequent weitergedacht, gerade für Bild und Ton, bist du dann eh schnell bei einer binären Übertragung… noch die Längen von Signal und Pause variabel machen, sowas wie eine 8b10b-Codierung einführen, voilà. 😃

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  4. gnaddrig sagt:

    Klar, aber das wäre ja nicht mehr Morse :/

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  5. cimddwc sagt:

    Morse 2.0 😃

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  6. ranthoron sagt:

    Eins konnte auch mit der Gabel die Zahlen eingeben – falls da so ein Schloß an der Wählscheibe war z.B…

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  7. Achim sagt:

    Der limitierende Faktor dürfte das jeweilige En- und Dekodierungs“gerät“ sein. Der Weltrekord in der Schnelltelegrafie (Sachen gibt’s – aber wenn es Wettbewerbe im Maschinenschreiben gab, warum nicht im Telegrafieren) liegt bei 440 Buchstaben pro Minute auf der Empfangsseite („Gehörlesen“). Sagt jedenfalls Wikipedia. Beim manuellen Senden bei 175 BpM.

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  8. gnaddrig sagt:

    Wow, das ist schon ganz schön schnell.

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